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Die Evolution der Handy-Kamera

Vom ersten Foto bis zum Hollywood-Film

Handy Kamera
Der Grundstein für die Möglichkeit, mit dem Mobiltelefon zu fotografieren, wurde kurz vor der Jahrtausendwende gelegt.
© PascalBeckmann/Pixabay

Vor nicht allzu langer Zeit waren Fotokameras noch recht unhandlich. Heutzutage sind sie dank Smartphone praktisch immer dabei. Der Trend, mit dem mobilen Telefon auch Bilder zu schießen, begann kurz vor der Jahrtausendwende. Ein Rückblick zum Tag der Fotografie am 19. August 2021.

In heutigen Zeiten trägt man sie stets mit sich – denn in jedem modernen Mobiltelefon steckt eine leistungsfähige Kamera. Das war jedoch nicht immer so. Ins Handy integriert wurde sie Ende der 1990-er Jahre.

Foto

Das erste über ein Handy verschickte Foto der Welt zeigte ein Baby. Der Software-Unternehmer Philippe Kahn wartete im Jahr 1997 darauf, dass seine Frau die gemeinsame Tochter zur Welt bringt. In der Klinik in Kalifornien kam Kahn auf die Idee, eine Technologie zu entwickeln, Bilder sofort teilen zu können. Er verknüpfte seine Digitalkamera mit seinem aufklappbaren Handy. So konnte er die ersten Momente seiner Tochter einfangen und das Foto sofort per E-Mail weiterleiten.

Kamera

Bis das erste Handy mit eingebauter Kamera auf den Markt kam, sollten zwei Jahre vergehen. 1999 veröffentlichte Toshiba sein Modell Camesse, das es ausschließlich in Japan gab. Der Vorreiter einer Generation von Smartphones mit Foto- und Videofunktion schoss Bilder mit einer Auflösung von 0,1 Megapixel (100.000 Pixel).

Zum Vergleich: Der bereits im Jahr 1987 von IBM eingeführte Computergrafik-Standard VGA (Video Graphics Array) bot mit maximal 640 mal 480 Pixel etwa das Dreifache. Die moderne 4k-Auflösung (auch Ultra-HD genannt) stellt Filme mit 3.840 zu 2.160 Pixel dar. Ein einziges Standbild ist demnach etwa acht Megapixel groß. Mit etwas Verzögerung erreichte der Trend zur integrierten Kamera 2002 auch Deutschland – mit Multimedia-Mobiltelefonen wie dem Nokia 7650.

Video

Nur ein Jahr später lernten die Handy-Bilder laufen. Das auf der Technikmesse Cebit im Jahr 2003 vorgestellte Nokia 3650 hatte eine Camcorder-Funktion, wie es damals hieß. Das bedeutet: Mit dem Modell konnten neben Fotos auch Videos aufgenommen werden. Die integrierte Kamera brachte die Umgebung in VGA-Auflösung ins Handy.

Allerdings konnte man keinen Ton aufnehmen, und die Aufnahmen liefen lediglich mit zehn Bildern pro Sekunde bei einer maximalen Dateigröße von 100 Kilobyte. Zum Vergleich: Streamingdienste bringen heute Filme mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde in hochauflösendem 4k ins heimische Wohnzimmer. Voraussetzung: Schnelles Internet mit mindestens 25 Megabit pro Sekunde – das sind umgerechnet über 3.000 Kilobyte pro Sekunde.

Selfie

Gegen Ende 2003 ging ein weiterer Anbieter mit einer anderen Neuerung, einer Frontkamera, an den Start. In einer Zeit, als Selbstporträts überwiegend noch nicht als Selfies bezeichnet wurden, veröffentlichte Sony Ericsson mit dem Z1010 ein Handy mit einer Kamera zwischen Bildschirm und Tastatur.

Sowohl diese vordere als auch die hintere Optik hielten Bilder mit 300.000 Pixeln, als VGA-Auflösung, fest. Die eigentliche Intention hinter der Frontkamera war ihrer Zeit voraus: Da das Z1010 auch eine Video-Funktion hatte, sollten mit der Frontkamera Geschäftskunden angesprochen werden, die sich über Videotelefonie verständigen wollten.

Doppellinse

Wer heute ein neues Handy umdreht, sieht oft mehr als eine Linse. Dieser Trend begann bereits vor zehn Jahren, hatte aber bei den ersten Modellen mit Doppelkamera einen anderen Hintergrund. Sowohl LG mit dem Optimus 3D als auch HTC mit dem Evo 3D wollten dem Nutzer Aufnahme und Wiedergabe von dreidimensionalen Videos ermöglichen.

Der 3D-Hype ebbte ab, die Doppellinsen blieben – bei beiden Herstellern: HTC setzte mit dem One M8 (2014) auf eine bessere Bildqualität, LG mit dem G5 (2016) auf größere Tiefenschärfe. Die Doppellinse kam Ende 2016 auch bei Apple an. Das damalige Flaggschiff iPhone 7 Plus war das erste Modell mit zwei Kameras. Aktuelle Geräte bieten auf der Rückseite drei (etwa iPhone 12 Pro), vier (Samsung Galaxy A72) oder sogar fünf Kameralinsen (Nokia 9 PureView).

Software und KI

Moderne Smartphones können erstmals bessere Bilder als normale Kameras machen. Dies ermöglicht eine in der Software eingebaute Künstliche Intelligenz (KI). Die Kamera scannt dadurch Motive und nimmt eigenständig Einstellungen vor. Das heißt: Die KI erkennt automatisch, ob ein Haus, eine Gruppe von Menschen oder ein sich bewegender Sportler abgelichtet werden soll.

Bei Nachtaufnahmen oder schlechten Lichtverhältnissen können auch mit dem Smartphone Fotos gelingen, für die bisher eine teure Spiegelreflexkamera nötig war. Vorreiter auf dem Gebiet war Google mit seiner Pixel-Reihe, inzwischen zogen auch Apple mit dem iPhone 12 und andere Hersteller nach. Die KI-Software baut dabei zum Teil ein Foto aus mehreren Aufnahmen zusammen.

Hollywood

Im Portfolio des Kult-Regisseurs Steven Soderbergh finden sich Filme wie »Sex, Lügen und Video«, »Traffic« oder »Out of Sight«. 2018 wagte der US-Amerikaner etwas Neues. Den Streifen »Unsane« drehte der Filmemacher ausschließlich mit seinem Smartphone. Zum Einsatz kam Medienberichten zufolge ein iPhone 7 Plus.

Vorreiter dieser Art zu Filmen war Soderbergh aber nicht. Bereits 2011 drehte der südkoreanische Regisseur Park Chan-wook (»Oldboy«) seinen bei der Berlinale prämierten Kurzfilm »Night Fishing« mit einem iPhone 4.

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dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH