Strukturveränderung am Arbeitsmarkt

Re-Skilling wird zum Muss

27. April 2026, 13:39 Uhr | Corinne Schindlbeck
MPDV, Adobe Stock, Gorodenkoff, phonlamaiphoto
© MPDV, Adobe Stock, Gorodenkoff, phonlamaiphoto

Die rasche Entwicklung von Künstlicher Intelligenz sowie der demographische Wandel erhöhen den Weiterbildungsdruck bei Ingenieuren, zeigt eine neue VDI-Studie.  Internationaler Wettbewerb verschärft die Situation zusätzlich.

Deutschland steht vor einer strukturellen Verschiebung am Arbeitsmarkt: Während in einigen Industriezweigen Stellen abgebaut werden, fehlen in anderen qualifizierte Fachkräfte. Um das zu stemmen, ist laut einer neuen VDI-Studie gezielte Um- und Weiterbildung unerlässlich, um weiter innovationsfähig zu sein.  

Rund 80 Prozent der in der Studie befragten Ingenieurinnen und Ingenieure geben an, ihre Kompetenzen in den kommenden drei Jahren erweitern zu müssen, sehen die Fähigkeit dazu sogar als Schlüsselressource. Knapp zwei Drittel sehen einen hohen oder sehr hohen Re-Skilling-Bedarf in ihrer Branche, und 71 Prozent interessieren sich für entsprechende Weiterbildungsangebote.

Dazu passt, dass etwa ein Viertel der Befragten die Zukunftsfähigkeit ihrer Branche oder ihres Unternehmens als kritisch einstufen, insbesondere in Teilen der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie. In den kommenden zehn Jahren werden rund 315.000 Ingenieur- und IT-Fachkräfte altersbedingt aus dem Erwerbsleben ausscheiden, während bereits heute mehr als 100.000 Stellen unbesetzt sind.

KI als zentraler Treiber des Wandels

Als wichtigste Ursache für den steigenden Weiterbildungsbedarf nennen 87 Prozent der Befragten den technologischen Fortschritt in den Bereichen KI und Automatisierung. Weitere Faktoren sind Wettbewerbsdruck (57 Prozent) und regulatorische Anforderungen (41 Prozent).

Gleichzeitig schätzen 45 Prozent die Geschäftsmodelle ihrer Branche als zukunftsfähig ein. Besonders positiv fällt diese Einschätzung in der Luft- und Raumfahrt, Energieversorgung, Elektrotechnik und im Bauwesen aus. Kritischer bewerten Befragte die Lage in der Chemie-, Metall- und Fahrzeugindustrie.

Strukturelle Hürden bei der Weiterbildung

Trotz hoher Lernbereitschaft scheitert die Umsetzung von Qualifizierungsmaßnahmen häufig an fehlender Zeit, mangelnder Transparenz und strukturellen Rahmenbedingungen. Der Handlungsdruck wird als enorm wahrgenommen und als Chefsache, wie auf der VDI-PK dazu deutlich wurde. Fehlende Zeit für Weiterbildung angesichts eines vollen Tagesgeschäfts dürfe nicht sein, im Zweifel müsse die Führungskraft priorisieren und dem Mitarbeiter Zeit “freischaufeln“.

Die Studie analysiert diese Faktoren anhand eines 5-Ebenen-Modells, das gesellschaftliche, regulatorische, ökonomische, individuelle und technologische Aspekte berücksichtigt.

Die Studie basiert auf einer Online-Befragung von mehr als 1.350 Ingenieurinnen und Ingenieuren, ergänzt durch Experteninterviews.

 

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