Schwerpunkte

Führung

Übertriebenes Selbstbewusstsein stört rationale Entscheidungen

20. Juli 2020, 09:48 Uhr   |  Corinne Schindlbeck

Übertriebenes Selbstbewusstsein stört rationale Entscheidungen
© Syda Productions/stock.adobe.com

Übermäßig selbstbewusste CEOs schätzen ihre finanzielle Situation optimistischer ein als sie ist - sie reagieren dadurch viel schwächer auf externes sowie internes Feedback, zeigt eine Studie der Wirtschaftsuniversität Wien.

Christian Schumacher, Wissenschaftler am Institute for International Business der Wirtschaftsuniversität Wien, zeigt in einer Studie, dass die Persönlichkeit von CEOs eine wesentliche Rolle spielt und übertriebenes Selbstbewusstsein rationalen Entscheidungen im Weg stehen kann. 

Zur eigenen Performancemessung und -evaluation nutzen Unternehmen unter anderem den internen und externen Vergleich – mit den Geschäftszahlen der Vorjahre sowie jenen der Mitbewerberinnen und Mitbewerber. Studienautor Christian Schumacher vom Institute for International Business der Wirtschaftsuniversität Wien erklärt: „Im nächsten Schritt stellt sich die Frage, wie CEOs mit diesem Vergleich, also dem positiven oder negativen Feedback auf ihre aktuelle Finanzlage, umgehen. Genau an diesem Punkt setzt unsere Studie an: Wir wollten wissen, wie sich das Selbstbewusstsein bzw. übertriebenes Selbstbewusstsein der CEOs auf deren Interpretation der Ergebnisse auswirkt. In der wissenschaftlichen Literatur gilt dieses Persönlichkeitsmerkmal als ein entscheidender Faktor bei Führungspersönlichkeiten.“

Späte Reaktion auf finanzielle Schwierigkeiten 

In ihrer quantitativen Studie untersuchten die Studienautoren alle Unternehmen im S&P1500 Index, der die 1.500 größten amerikanischen börsennotierten Unternehmen beinhaltet, in der Zeitperiode von 1992-2014. Dabei zeigte sich, dass übermäßig selbstbewusste CEOs ihre finanzielle Situation optimistischer einschätzen als ihre Kolleginnen und Kollegen und dadurch viel schwächer auf externes sowie internes Feedback reagieren. „Das heißt: Obwohl die finanzielle Situation im Unternehmen möglicherweise sehr schlecht ist und eine Änderung in der Firmenstrategie verlangen würden, interpretieren diese CEOs die prekäre Situation viel positiver und reagieren erst viel später mit einer Änderung - was selbstverständlich verheerende Folgen für das Unternehmen haben kann“, so Schumacher.

Weibliche CEOs mit weniger verzerrter Wahrnehmung

In einer zusätzlichen Analyse stellte sich zudem heraus, dass weibliche CEOs generell eine weniger verzerrte Wahrnehmung der finanziellen Situation haben und damit stärker auf Feedback reagieren. „Frauen sind seltener übertrieben selbstbewusst was ihre eigenen Fähigkeiten betrifft, das spiegelt sich auch in unserer Studie wider“, so Schumacher, „Diese akkuratere Einschätzung der eigenen Fähigkeiten führt dazu, dass Frauen viel stärker auf Feedback von anderen Unternehmen und eigenes ‚historisches Feedback‘ reagieren."

Die Studie wurde im Strategic Management Journal veröffentlicht.
 

Auf Facebook teilenAuf Twitter teilenAuf Linkedin teilenVia Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

So startet man eine Chef-Karriere
Mit Emotionen im Job professionell umgehen
Chef sein via Internet - Tipps von Slack
Warum Top-Manager manchmal lügen

Verwandte Artikel

Wirtschaftsuniversität Wien