Frühjahrsgutachten des IW

Trotz Stellen-Flaute: E-Technik-Studium bleibt weiter erste Wahl

21. Mai 2025, 10:38 Uhr | Corinne Schindlbeck
Die Automobilzulieferer drücken auf die Investitionsbremse.
© bao / stock.adobe.com

Krise hin oder her: Die Fachkräftelücke im MINT-Bereich bleibt trotz der konjunkturellen Probleme hoch. Das zeigt der MINT-Frühjahrsreport des Instituts der Deutschen Wirtschaft. Besonders gesucht sind Fachkräfte in Elektro- und Energietechnik.

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Der Rückgang der gesamtwirtschaftlichen Dynamik hinterlässt auch im Arbeitsmarkt für MINT-Berufe Spuren, vor allem in der Elektro- und Informationstechnik. Laut einem Frühjahrsgutachten des Instituts der Deutschen Wirtschaft fehlen in Energie- und Elektroberufen über 57.000 Fachkräfte, so viele wie in keinem anderen MINT-Bereich. Dahinter folgen Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit 32.400 sowie Bau- und Metallberufe mit jeweils über 24.000 offenen Stellen (siehe Grafik).

Strukturwandel verstärkt den Bedarf

Die weiterhin hohe Nachfrage ist laut IW-Gutachten vier parallelen Transformationsprozessen geschuldet: Digitalisierung, Dekarbonisierung, demografischer Wandel und De-Globalisierung.

Laut Unternehmensbefragungen durch das IW erwarten 44 Prozent der Betriebe in den nächsten fünf Jahren einen steigenden Bedarf an beruflich qualifizierten MINT-Kräften (besonders dabei im Fokus: die Elektro- und Energietechnik) zur Entwicklung klimafreundlicher Technologien.

Auch finanziell zahlt sich ein MINT-Studium aus                                                                    

Mittlere Bruttomonatsgehälter (Median) in Euro
BerufsgruppeMedian Brutto/Monat
MINT-Berufe (gesamt)4.498 €
Alle Berufe (Durchschnitt)3.796 €

Laut Bundesagentur für Arbeit liegen die mittleren Bruttomonatsgehälter von Vollzeitbeschäftigten mit MINT-Abschluss spürbar über dem Durchschnitt anderer Berufsgruppen.

Über alle Qualifikationsniveaus hinweg verdienen MINT-Fachkräfte im Mittel 4.498 Euro – rund 700 Euro mehr als der Durchschnitt aller Vollzeitbeschäftigten, zeigt der Frühjahrsreport. Dieser Einkommensvorteil zeigt sich sowohl bei Fachkräften mit Ausbildung als auch bei Akademikern und zieht sich durch alle Altersgruppen. Damit bietet ein MINT-Studium nicht nur gute Arbeitsmarktchancen, sondern auch überdurchschnittliche Verdienstmöglichkeiten.

Empfehlung für ein Studium der Elektrotechnik 

Mit Verweis auf den aktuellen MINT-Frühjahrsreport betont Dr. Michael Schanz vom VDE, dass im Vergleich mit allen MINT-Berufsgruppen es derzeit am schwersten sei, Fachkräfte für Energie und Elektro zu finden – sowohl mit Studium als auch mit Ausbildung. 

Zwar sei der Engpass gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen, was angesichts der wirtschaftlichen Lage nicht überrasche. Doch seit Jahresbeginn zeige sich, dass die Nachfrage wieder anziehe. „Der Arbeitsmarkt entwickelt sich für unsere Berufe wieder in Richtung der Beschäftigten“, sagt Schanz. „Ein Studium der Elektro- und Informationstechnik ist und bleibt deshalb meine klare Empfehlung.“

 

MINT-BereichFehlende Fachkräfte
Energie- und Elektroberufe57.800
Maschinen- und Fahrzeugtechnik32.400
Bauberufe26.100
Metallverarbeitung24.200
IT-Berufe11.200
Sonstige MINT-Berufe11.900

MINT-Fachkräftelücken nach Bereichen (April 2025)

Internationale Zuwanderung dämpft 

Die Bedeutung ausländischer Fachkräfte nimmt dabei zu. Zwischen 2012 und 2024 stieg die Zahl der Beschäftigten aus Drittstaaten in akademischen MINT-Berufen um mehr als 220 Prozent. Ohne diese Entwicklung wäre die aktuelle Fachkräftelücke nochmals um fast eine halbe Million höher, so das IW. 


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