Im zweiten Quartal 2026 ist die Nachfrage nach IT-Fachkräften deutlich eingebrochen, zugleich werden Elektroingenieure erheblich seltener gesucht. Besonders drastisch fällt das Minus bei IT-Security-Spezialisten aus, zeigt der aktuelle Hays-Fachkräfte-Index.
Die aktuell schwache Nachfrage am Arbeitsmarkt erreicht Berufsprofile, die über Jahre zu den besonders schwer zu besetzenden zählten – etwa IT-Security-Spezialisten. Der Hays Fachkräfte-Index für IT-Berufe fällt gegenüber dem ersten Quartal um 38 Prozentpunkte auf 59 Prozent. Besonders kräftig ist das Minus bei IT-Security-Spezialisten mit 136 Punkten, gefolgt von IT-Beratern mit 55 und IT-Entwicklern mit 31 Punkten.
Auch Elektroingenieure bleiben von der Entwicklung nicht verschont: Ihre Nachfrage sinkt binnen eines Quartals um 21 Prozentpunkte. Einen Gegenakzent setzen Datenbankentwickler mit einem Plus von acht Punkten. Dahinter könnte der wachsende Bedarf an belastbaren Datenstrukturen für den produktiven Einsatz von KI stehen.
Über alle untersuchten Berufsgruppen hinweg fällt der Hays Fachkräfte-Index im zweiten Quartal gegenüber dem ersten Quartal um 26 Prozentpunkte auf 36 Prozent. Im zweiten Quartal 2025 lag er noch bei 59 Prozent, im entsprechenden Zeitraum 2024 bei 113 Prozent. Sämtliche untersuchten Berufsgruppen verzeichnen weniger Stellenausschreibungen als in den ersten drei Monaten dieses Jahres.
Dass Datenbankentwickler entgegen dem IT-Trend stärker gesucht werden, könnte auf veränderte Investitionsschwerpunkte hindeuten. Unternehmen, die KI-Anwendungen aus dem Versuchsstadium in den produktiven Betrieb bringen wollen, brauchen dafür eine entsprechende Daten- und Systeminfrastruktur.
„Dass ausgerechnet Datenbankentwickler gegen den Trend stärker gefragt sind, ist ein strategisches Signal. Viele Unternehmen erkennen, dass sich KI nicht auf unzureichenden Datenstrukturen aufbauen lässt“, sagt Andreas Sauer, Bereichsleiter Technology bei Hays. Wer Datenbestände nutzbar machen und KI produktiv einsetzen wolle, müsse zunächst in eine belastbare System- und Dateninfrastruktur investieren.
Auch auf Branchenebene zeigt sich die Abkühlung: Der Index für die IT-Branche sinkt gegenüber dem Vorquartal um 24 Punkte.
Im verarbeitenden Gewerbe sinkt der Index im zweiten Quartal um weitere 13 Prozentpunkte auf minus 14 Prozent. Es ist damit der einzige untersuchte Wirtschaftsbereich mit einem negativen Indexwert. Die Nachfrage liegt inzwischen unter dem Ausgangsniveau der Erhebung im ersten Quartal 2015.
Neben Elektroingenieuren werden auch andere Ingenieurprofile seltener gesucht. Bei Bauingenieuren beträgt das Minus 35 Prozentpunkte, bei Projektingenieuren 23 Punkte. Laut Hays hängt die Nachfrage zunehmend davon ab, ob Stellen mit Investitionen in Wachstums- und Transformationsfelder wie Energiewirtschaft, Infrastruktur oder Bau verbunden sind.
Für Elektroingenieure ist das ungewohnt - werden ihre Kompetenzen doch für Elektrifizierung, Energieversorgung, Automatisierung und die Digitalisierung industrieller Prozesse benötigt. Doch dieser Bedarf schlägt sich derzeit nicht in einer steigenden Zahl von Stellenausschreibungen nieder.
Auch Finance, HR, Einkauf, Legal und Healthcare verzeichnen rückläufige Werte. Auf Branchenebene fällt das Baugewerbe mit minus 54 Punkten am stärksten zurück, gefolgt von Personaldienstleistern mit minus 37 Punkten und der öffentlichen Verwaltung mit minus 30 Punkten.
„Zwar sinkt die Nachfrage insgesamt und der Arbeitsmarkt befindet sich aktuell in einer stärkeren Auswahlphase“, resümiert Alexander Heise, Hays CEO Deutschland und Europa. Weiterhin gesucht würden vor allem Fachkräfte für Aufgaben, deren wirtschaftlicher Nutzen unmittelbar sichtbar sei und die Daten, Infrastruktur, Regulierung oder konkrete Transformationsvorhaben absicherten.
Für IT- und Elektronikfachkräfte heißt das: Technisches Know-how bleibt gefragt, vor allem dort, wo es unmittelbar für Investitionen und konkrete Technologieprojekte gebraucht wird.
Der Hays Fachkräfte-Index basiert auf einer quartalsweisen Auswertung der Index Internet und Mediaforschung GmbH. Einbezogen werden Stellenanzeigen der meistfrequentierten Online-Jobbörsen, von Tageszeitungen sowie des Business-Netzwerks Xing. Der Index zeigt die prozentuale Veränderung gegenüber dem Ausgangswert des ersten Quartals 2015.