Eine neue Studie des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) zeigt: Homeoffice hat sich dauerhaft etabliert - auch wenn 'New Work' gerade aus den Schlagzeilen ist. Für Unternehmen, die Ingenieure gewinnen und binden wollen, bleibt mobiles Arbeiten ein wichtiger Wettbewerbsfaktor.
Während der Corona-Pandemie stieg der Anteil der Beschäftigten im Homeoffice sprunghaft an. Inzwischen hat sich ein neues Gleichgewicht eingependelt: Rund zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten überwiegend oder ausschließlich im Betrieb, etwa ein Viertel nutzt regelmäßig hybride Arbeitsmodelle. Nach Einschätzung des WSI haben sich für viele Beschäftigte zwei bis drei Homeoffice-Tage pro Woche als neue Normalität etabliert.
Für seine Analyse wertete WSI-Forscher Helge Emmler Daten des WSI-Erwerbspersonenpanels aus, für das seit 2020 mehrere tausend Erwerbstätige regelmäßig befragt werden.
Die Untersuchung zeigt, dass Homeoffice längst kein Randthema mehr ist. Entscheidend ist inzwischen vielmehr, ob die betrieblichen Regelungen den Erwartungen der Beschäftigten entsprechen.
Rund zwei Drittel der Befragten sind mit ihrer aktuellen Situation zufrieden oder würden sich höchstens geringfügige Änderungen wünschen. Gleichzeitig gibt rund ein Viertel an, deutlich häufiger von zu Hause arbeiten zu wollen. Besonders groß ist die Unzufriedenheit bei Beschäftigten, die von Return-to-Office-Vorgaben betroffen sind oder Familie und Beruf miteinander vereinbaren müssen.
Dabei zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen einzelnen Berufsgruppen. Während Beschäftigte mit akademischem Abschluss deutlich häufiger mobil arbeiten, ist Homeoffice in vielen gewerblichen Berufen sowie in Bereichen wie Bau, Handel, Logistik oder Gesundheitswesen naturgemäß seltener möglich. Insgesamt geben 38 Prozent der Beschäftigten an, dass sich ihre Tätigkeit vollständig oder überwiegend auch von zu Hause erledigen ließe.
Besonders deutlich fällt der Zusammenhang zwischen den Arbeitsbedingungen und dem Wohlbefinden der Beschäftigten aus. Je stärker Wunsch und betriebliche Realität auseinanderliegen, desto häufiger berichten die Betroffenen über hohe Arbeitsbelastung und gesundheitliche Probleme.
Von den Beschäftigten, deren Homeoffice-Wünsche deutlich von der tatsächlichen Regelung abweichen, klagen 18 Prozent über eine hohe Arbeitsbelastung und 28 Prozent über einen schlechten Gesundheitszustand. Bei Beschäftigten, deren Arbeitsmodell ihren Vorstellungen entspricht, liegen diese Werte mit sechs beziehungsweise 14 Prozent deutlich niedriger.
Auch die Zufriedenheit mit Familienleben, Freizeit und sozialen Kontakten fällt bei Beschäftigten geringer aus, die sich mehr Möglichkeiten zum mobilen Arbeiten wünschen.
Für Technologieunternehmen ist die Studie auch aus Sicht des Arbeitsmarktes interessant. Gerade Ingenieurinnen, Ingenieure und IT-Fachkräfte erwarten heute flexible Arbeitsmodelle, berichten Personalberater übereinstimmend.
Auch Prof. Benjamin Kormann, Dekan der Fakultät für Elektrotechnik an der Hochschule München, bestätigt das: „Neben einem wettbewerbsfähigen Gehalt sind Homeoffice/Remote-Möglichkeiten, flexible Arbeitszeiten sowie eine moderne technische Ausstattung des Arbeitsplatzes heute Pflicht. Sinnstiftende Projekte, Weiterbildungsmöglichkeiten, flache Hierarchien, Technologien am Puls der Zeit oder Sabbaticals sind eher Kür.“
Nach Einschätzung des WSI sollten Unternehmen den Wünschen ihrer Beschäftigten deshalb möglichst entgegenkommen – sofern keine zwingenden betrieblichen Gründe dagegensprechen. Oft reiche bereits ein zusätzlicher Homeoffice-Tag pro Woche aus, um die Erwartungen vieler Beschäftigter zu erfüllen.