Jobangebote als Gehaltshebel

Männer profitieren häufiger als Frauen

20. Juli 2026, 11:19 Uhr | Corinne Schindlbeck
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Externe Stellenangebote führen bei Männern häufiger zu einer Gehaltserhöhung im bestehenden Arbeitsverhältnis als bei Frauen, zeigt eine neue Studie. Frauen wechseln bei attraktiven Angeboten zwar ebenso häufig den Arbeitgeber wie Männer, nutzen diese aber seltener für Gehaltsnachverhandlungen.

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Externe Jobangebote können Beschäftigten eine stärkere Verhandlungsposition verschaffen. Doch davon profitieren Männer offenbar häufiger als Frauen.

Das zeigt eine Studie der Rockwool Foundation Berlin. Männer nutzen ein attraktives Stellenangebot häufiger, um beim aktuellen Arbeitgeber mehr Gehalt auszuhandeln. Frauen wechseln bei vergleichbaren Angeboten dagegen eher den Arbeitgeber.

„Unter Beschäftigten am selben Arbeitsplatz und in derselben Tätigkeit verdienen Männer im Durchschnitt acht Prozent mehr als Frauen – selbst in Schweden“, sagt Studienautor Dogan Gülümser von der Rockwool Foundation Berlin. Nach Einschätzung der Autoren sind Unterschiede bei Gehaltsnachverhandlungen die wahrscheinlichste Erklärung dafür, dass sich diese Lohnlücke im Laufe der Zeit weiter vergrößert.

Für ihre Untersuchung nutzten die Wissenschaftler ein sogenanntes natürliches Experiment. Immer dann, wenn Arbeitgeber von Eltern oder Geschwistern neue Mitarbeiter suchten, gingen die Forscher davon aus, dass Beschäftigte von diesen Stellen erfuhren und damit eine realistische Jobalternative hatten. Für Männer und Frauen erhöhte sich dadurch die Wahrscheinlichkeit eines Arbeitgeberwechsels um etwa das Dreifache.

Entscheidend war jedoch, wie beide Geschlechter mit dieser Chance umgingen. Männer erreichten häufiger eine Gehaltserhöhung, ohne den Arbeitgeber zu wechseln. Frauen wechselten bei vergleichbaren Stellenangeboten dagegen fast genauso häufig den Arbeitgeber wie Männer, erzielten beim bisherigen Arbeitgeber jedoch keine vergleichbaren Gehaltszuwächse. Nach Angaben der Forscher waren die angebotenen Stellen für beide Geschlechter gleich attraktiv. Die einstellenden Unternehmen unterschieden sich weder bei der Bezahlung noch bei Produktivität oder Standort.

Nach Berechnungen der Autoren lässt sich damit etwa die Hälfte der zusätzlichen Lohnlücke erklären, die sich im Laufe der Beschäftigungsdauer zwischen Männern und Frauen in derselben Tätigkeit und im selben Unternehmen entwickelt. Warum Frauen externe Angebote seltener für erfolgreiche Gehaltsnachverhandlungen nutzen, beantwortet die Studie allerdings nicht eindeutig. Die Autoren halten Unterschiede im Verhandlungsverhalten für die wahrscheinlichste Erklärung. Andere Ursachen – etwa unterschiedliche Erfolgsaussichten bei Gehaltsverhandlungen oder stärkere räumliche Einschränkungen – können sie mit ihren Daten jedoch nicht ausschließen.

Ein weiteres Ergebnis stützt diese Interpretation: Bei gewerblichen Beschäftigten mit tariflich geregelten Löhnen profitierten weder Männer noch Frauen von höheren Gehältern infolge externer Stellenangebote. Dort, wo individuelle Gehaltsverhandlungen kaum möglich sind, verschwindet auch der geschlechtsspezifische Unterschied.

Mit Blick auf die EU-Entgelttransparenzrichtlinie sehen die Autoren deshalb weiteren Handlungsbedarf. Mehr Transparenz könne helfen, Lohnunterschiede sichtbar zu machen. Um den Gender Pay Gap dauerhaft zu verringern, seien jedoch zusätzlich strukturierte Verfahren zur Lohnfestlegung, regelmäßige Gehaltsüberprüfungen und eine stärkere Unterstützung bei Gehaltsverhandlungen sinnvoll.


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