Als Reaktion auf die veränderten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seit dem September des Vorjahres, hat sich das bereits in achter Generation familiengeführte Unternehmen relativ früh in diesem Jahr zur Einführung der Kurzarbeit entschlossen. »Wir werden diese Möglichkeit voraussichtlich noch bis Anfang 2010 nutzen«, erläutert Müller, »bis sich die Lage auf unseren wichtigsten Anwendermärkten wieder stabilisiert hat«.
Entwicklung des Werkstoffs Manganin
Die technische Basis, gerade auch für den Erfolg im Automotive-Bereich, wurde bereits vor über 100 Jahren gelegt. Schon 1889 hat die Isabellenhütte den Werkstoff Manganin entwickelt, eine Kupfer-Mangan-Nickel-Legierung. Deren elektrischer Widerstand ist nur sehr gering von der Temperatur abhängig, darum wurde das Material häufig als Messdraht eingesetzt. Heute verwendet man in Dillenburg das Material um auf zweierlei Art, um Strommess-Shunts herzustellen. Die in Dünnschichttechnik hergestellten Produkte werden unter dem Markennamen ISA-PLAN auf den Markt gebracht, bei den ISAWELD-Lösungen dagegen handelt es sich um Widerstände aus Elektronenstrahl-geschweißtem Verbundmaterial.
Beide Produktgruppen zeichnen sich durch hohe Dauerleistungen bei kleinen Bauformen, sehr niedrige Temperaturkoeffizienten, engste Toleranzen, sehr gute Langzeitstabilität, hohe Pulsbelastbarkeit und niederohmige Widerstandswerte ab 0,1 mOhm aus.
Als mit der steigenden Elektrifizierung der Autos in den 1990er-Jahren auch die Belastung für die Fahrzeugbatterien, vor allem im Stillstand, stieg, nutzte man in der Entwicklung der Isabellenhütte die Vorteile der Manganin-basierten Bauelemente, um sie als Herzstück eines Batteriemanagement-Systems zum Einsatz zu bringen.
Die besondere Herausforderung bei dieser Applikation bestand darin, dass der Sensor sowohl den Anlasserstrom von 1000 A und mehr mit hoher Dynamik messen, als auch den Ruhestrom des Fahrzeugs mit einer Auflösung von wenigen mA sicher auflösen muss. Als Shunts kommen dabei heute aus elektronenstrahlgeschweißtem Verbundmaterial gefertigte Lösungen zum Einsatz, die Widerstände von 50 bis 200 μOhm aufweisen.
Der von Isabellenhütte zusammen mit einem Halbleiterhersteller entwickelte ASIC für dieses Batteriemanagementsystem stellt im Prinzip ein hochgenaues, Offset-freies Vier-Kanal-Messwerterfassungssystem für die Detektion von sehr niedrigen Spannungen bis in den Millivoltbereich hinein dar.
2002 stellte die Isabellenhütte dann am Markt das erste komplette, voll integrierte Messwert-Erfassungssystem für elektronisches Batteriemanagement im Automobil vor. BMW nutzte als erster Automobilhersteller diese Technologie und entwickelte mit Hella einen intelligenten Batteriesensor (IBS) für die Montage in der Batterie-Pol-Nische. Seit 2003 läuft dieses Produkt bei BMW in Serie, inzwischen liefert die Isabellenhütte Komponenten für über 8 Mio. Einheiten jährlich.
»Wir verkaufen Physik«, erläutert der technische Geschäftsführer Brust, der bereits vor seiner Tätigkeit in Dillenburg lange Jahre in der Automobilbranche tätig war. »Als Technologieführer bewegen wir uns dabei in Marktnischen und müssen immer wieder sicherstellen, dass wir durch Innovationen zukünftige Umsatzträger kreieren, die das Geschäft langfristig tragen.« Sein Kollege Müller wählt für diese ständige Herausforderung und den dafür nötigen Balanceakt einen einprägsamen bildlichen Vergleich: »Wir wollen in unserem Tätigkeitsbereich die S-Klasse anbieten, aber keinen Rolls Royce«.
Angesichts der Erfahrungen des Applikations-Know-hows, welches die Widerstandsspezialisten aus Dillenburg in den letzten Jahren im Bereich Batteriemanagementsysteme gesammelt haben, erscheint es nur konsequent, dass die Isabellenhütte als nächste Innovationsstufe die Diskussion um Hybrid- und Elektrofahrzeuge aufgreift, um eine Lösung für die Batteriestrommessung von Lithium-Ionen-Systemen anzubieten.