»Wir verkaufen Physik, und das in Zukunft verstärkt in Form von Systemen«

19. Oktober 2009, 12:40 Uhr | Engelbert Hopf, Markt&Technik

Wo Strom mithilfe von Widerstandsmaterialien gemessen werden muss, führt fast kein Weg an Produkten der Isabellenhütte vorbei.

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Basierend auf modernstem Legierungs-Know-how, liefert das Unternehmen neben Legierungen auch äußerst genaue und leistungsfähige Bauelemente zur Strommessung und seit kurzem auch Systeme der Präzisions-Messtechnik. In Zukunft könnte sich neben Elektromobilität vor allem das Thema Strommanagement im Bereich erneuerbarer Energien als wichtiges Wachstumsfeld erweisen. 

Das Produktportfolio der Isabellenhütte umfasst derzeit die vier Bereiche Widerstandslegierungen, Thermolegierungen, passive Bauelemente (niederohmige Präzisionswiderstände) und Präzisionsmesstechnik. Letzterer wurde 2006 als eigener Geschäftsbereich vorgestellt.

In Zukunft wird ein weiterer Geschäftsbereich hinzukommen, der sich vor allem den Subsystemlösungen für OEMs in der Strom- und Spannungsmesstechnik widmet. Im Fokus stehen dabei erneut die Elektromobilität, aber auch die erneuerbaren Energien sowie das Thema Stromeinspeisung und -verbrauch. »Unsere Kunden würden uns gerne als Lieferant von Subsystemen statt als Teilelieferant sehen«, gibt Geschäftsführer Peter Müller den Wandel der letzten Jahre bei den Kundenanforderungen wieder, »unser Ziel ist es darum, in Zukunft vermehrt Systeme statt einzelner Teile anzubieten und zu liefern«.

Damit erweitert das Unternehmen seine ohnehin schon hohe Fertigungstiefe um einen weiteren Schritt. Die Isabellenhütte, die am Standort Dillenburg derzeit rund 500 Mitarbeiter beschäftigt, dürfte wohl der einzige Anbieter weltweit sein, der beim Messen von Strom mit Hilfe von Widerstandsmaterialien einen Wertschöpfungsprozess abdeckt, der von der Schmelze über das Walzwerk, die Drahtzieherei und -veredelung und die komplette Bauelementefertigung bis hin zu Komponenten und Systemen reicht.

»Durch die hohe Fertigungstiefe und Automation sowie die Konzentration auf qualitativ hochwertige und innovative Nischenprodukte steht für uns der Standort Deutschland auch in Krisenzeiten nicht zur Diskussion, versichert Müller. Um bei der Herstellung der Legierungen auch in Zukunft höchste Ansprüche in puncto Materialgüte gewährleisten zu können, wurde vor zwei Jahren mit einer Investition von 3,8 Mio. Euro ein Vakuum-Ofen in Betrieb genommen. »Der Ofen wird zur Herstellung von Speziallegierungen genutzt «, erläutert Müller. Die dort erzeugten Materialien werden entweder vor Ort in Dillenburg etwa zu Bändern oder Drähten weiterverarbeitet, oder an OEM-Kunden verkauft.

Der Umsatz des Unternehmens verteilt sich heute zu etwa gleichen Teilen auf das Legierungs- und das Bauelementegeschäft. Doch auch die breite Aufstellung (so beliefert das Unternehmen mit seinen Produkten die Automobil- und Chemie- und Luftfahrtindustrie, Steuer- und Regeltechnik sowie die Prozesstechnik und Analytik) hat die Isabellenhütte nicht vor den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise schützen können: Nach einem Umsatz von 68 Mio. im Jahr 2008 rechnen Müller und sein Geschäftsführerkollege Jürgen Brust, der Mitte dieses Jahres in das Unternehmen eingetreten ist, für 2009 mit einem zweistelligen Auftrags- und Umsatzrückgang.

Ein Umstand, der vor allem damit zu tun haben dürfte, dass das Unternehmen etwa 45 Prozent seines Gesamtumsatzes in der Automobilbranche erzielt. An der mangelnden internationalen Präsenz des hessischen Unternehmens dürfte es dagegen kaum liegen: Über 55 Prozent ihres Umsatzes erzielt die Isabellenhütte mit 36 Vertretungen im Ausland. Eine gewisse Herausforderung stellt nach Darstellung von Müller allerdings dar, dass in manchen Exportländern der Vertrieb noch auf die ursprünglichen Metallprodukte ausgerichtet ist, »dort arbeiten wir an einer verstärkten Einbeziehung des Elektronikgeschäfts indem wir den Vertretern dort die notwendigen Kenntnisse vermitteln und für entsprechende Lagerhaltung sorgen«.


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