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Nicht nur Herzrhythmusstörungen

Smartwatch erkennt auch schwere Durchblutungsstörungen

30. April 2020, 08:36 Uhr   |  Iris Stroh

Smartwatch erkennt auch schwere Durchblutungsstörungen
© Thomas Böhm (Universitätsmedizin Mainz)

Das Autorenteam, das die Ergebnisse im European Heart Journal veröffentlichte.

Smartwatches verschiedener Hersteller können bereits seit langem Elektrokardiogramme (EKGs) aufzeichnen und Warnungen bei unregelmäßigem Herzrhythmus versenden. Doch die Apple-Watch kann noch mehr.

Ein Ärzteteam der Cardiopraxis Mainz sowie des Zentrums für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz entdeckten, dass sich mithilfe der Apple-Watch auch Herzdurchblutungsstörungen erkennen lassen. Das berichten sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift »European Heart Journal«. Ihre Entdeckung könnte mit dazu führen, dass weltweit Herzinfarkte verhindert werden.

Die Digitalisierung kann auch in der Medizin vieles bewirken, sogar Leben retten. Dies zeigt der konkrete Fall einer 80-jährigen Patientin in Mainz. Die passionierte Apple Watch-Trägerin war in die Chest Pain Unit der Universitätsmedizin Mainz gekommen und hatte über Brustschmerzen, unregelmäßigen Puls und das Gefühl, das Bewusstsein zu verlieren, geklagt – alles typische Symptome einer Koronaren Herzkrankheit (KHK) und damit mögliche Vorboten eines Herzinfarkts. Sowohl ein daraufhin aufgezeichnetes EKG als auch eine folgende Blutuntersuchung waren jedoch unauffällig.

In EKG-Aufzeichnungen, welche die Patientin zuvor mit ihrer Uhr gemacht hatte und den Ärzten zeigte, fanden diese dann ausgeprägte Senkungen der sogenannten ST-Strecke – und damit deutliche Hinweise auf eine schwere und akute Herzdurchblutungsstörung. Daraufhin wurde die Patientin umgehend mit einem Herzkatheter untersucht, wodurch eine schwere KHK festgestellt wurde, die ohne weiteres zu einem Herzinfarkt hätte führen können. Die nahezu verschlossenen Herzkranzgefäße der Patientin wurden mit einem Ballon gedehnt und mit Stents versorgt. Zwei Tage später konnte die Patientin beschwerdefrei entlassen werden.

»Die Apple Watch bzw. deren EKG-APP wurde bisher ausschließlich zur Diagnostik von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern benutzt. Unserer Meinung nach ist dies der erste Fall, der auch Herzdurchblutungsstörungen aufzeigen konnte. Wenn man bedenkt, dass Millionen Menschen eine solche Uhr tragen, ist unsere Beobachtung dann schon sensationell. Dabei war auch von Vorteil, dass die elektronische Armbanduhr für die erkrankte Seniorin leicht zu nutzen war«, sagt Univ.-Prof. Dr. Thomas Münzel vom Zentrum für Kardiologie der Universitätsmedizin Mainz.

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