Wenn Sie ein Analog-Unternehmen wie Intersil mit einem Broadliner wie Freescale vergleichen, worin besteht für Sie der größte Unterschied? Hat Freescale hier überhaupt eine Chance?
Der größte Unterschied zu reinen Analogunternehmen besteht darin, dass Firmen wie Intersil leistungsfähige modular aufgebaute Analogprodukte entwickeln. Dabei handelt es sich mehr oder minder um Stand-alone-Produkte, denn diese Firmen verfügen über kein Digital-Know-how. Freescale dagegen bietet mit seinen Prozessoren das Herz eines Systems. Damit sind wir in der Lage, hoch integrierte Lösungen anzubieten, die neben dem Digitalteil auch den Analog- und Power-Part beinhalten. Das kann die Mehrheit der reinen Analogfirmen nicht. Wir können also beides machen: integrierte Lösungen, aber auch modular aufgebaute Analogprodukte, vorausgesetzt wir entscheiden uns dazu, und ich denke, wir werden uns dazu entscheiden.
Vom Cellular-Business einmal ganz abgesehen: Sehen sie noch andere Bereiche, in denen Veränderungen notwendig sind?
Neben dem Zellular-Geschäft haben wir noch das MCU-, Networking- und das RF/Analog/Sensor-Business. Ich bin der Überzeugung, dass alle diese Geschäftsbereiche sehr attraktiv sind. Sie bieten attraktive Wachstumschancen. Außerdem können die Brutto- und die operative Marge sehr gut sein. Dementsprechend bin ich der Meinung, dass wir auf diesen drei Bereichen gut aufbauen können. Ziel ist es, diese Bereiche auszubauen, und das durch internes Investment oder organisches Wachstum, aber auch durch Merger und Akquisitionen.
Freescale hat bereits vor Ihrem Eintritt seine Struktur geändert, und zwar von einer marktorientierten in eine produktorientierte. Wie stehen Sie dazu?
Zuerst einmal möchte ich betonen, dass durch die Produktorientierung der Marketing-Fokus nicht verloren gegangen ist. Es ist ganz klar, dass beide Strukturen ihre Vor- und Nachteile haben, und ich denke, dass beide Aspekte berücksichtigt werden müssen. Und genau das tun wir. Das heißt, auch wenn wir jetzt eine produktorientierte Struktur haben, investieren wir weiterhin viel Geld in das Segment-Marketing. Dementsprechend bin ich der Überzeugung, dass die derzeitige Struktur sehr effizient ist. Denn die Gemeinsamkeiten der Controller in den unterschiedlichen Märkten sind doch sehr groß, wodurch es sinnvoll ist, diese Produkte zusammenzufassen. Das gilt auch für den Analogbereich. Auch hier liegen die Gemeinsamkeiten bei den Produkten und nicht bei den Märkten. Aber wie gesagt, man darf die Marktsegmente nicht aus den Augen verlieren, denn auch hier gibt es Gemeinsamkeiten.
Bei Intersil hatten Sie immer betont, dass ein breites Produktspektrum wichtig sei. Freescale verfügt bereits über ein breites Produktportfolio. Glauben Sie dennoch, dass es hier noch Lücken gibt, die gefüllt werden müssen?
Wenn Sie unsere MCU-Produkte betrachten, denke ich, sind wir sehr breit aufgestellt, was sich ja auch im Erfolg widerspiegelt. Bei den Netzwerkprozessoren sind wir ebenfalls führend. Allerdings müssen wir sicherstellen, dass wir in allen interessanten Segmenten wie Access, Netzwerk-Router etc. vertreten sind. Ich denke, hier stehen uns noch Möglichkeiten offen. Das HF-Business ist für uns ein sehr gesundes Geschäft. Bislang sind wir mit diesen Produkten aber zum Großteil in der Netzwerkinfrastruktur vertreten, in Verbindung mit unseren Netzwerkprozessoren. Es gibt aber noch andere High-End-HF-Märkte wie zum Beispiel Broadcasting, die wir eventuell auch bedienen sollten.