»Die Zeit ist reif für FPGAs« lautete das Statement von Moshe Gavrielov, President und CEO von Xilinx, Anfang des Jahres. Denn durch die Krise seien alle Bedingungen so gelagert, dass Programmierbarkeit zum absoluten Muss wird.
Dass die PLD-Hersteller an ihre Produkte glauben, versteht sich von selbst. Doch in den letzten Monaten war auch von anderer Seite zu hören, dass sich derzeit viele mit einer Entscheidung, ein ASIC in Angriff zu nehmen, schwer täten. Hatte Gavrielov also Recht? Hat die Wirtschaftskrise endlich geschafft, dass die PLDs den ASICs den Garaus machen? Nein, es wird auch in Zukunft ASICs geben!
Doch sieht es so aus, als ob die FPGAs gegenüber den ASICs/ASSPs in diesem Jahr zumindest beim Design-in abermals Boden gut machen konnten. So erklärt beispielsweise Bob Blake, Product and Corporate Marketing Manager bei Altera Europe: »Die PLD-Industrie profitiert von der Verschiebung der Design-Aktivitäten aus dem ASIC-Bereich in den PLD-Bereich.« Ob dieser Trend bestehen bleibt, oder ob nicht der eine oder andere in besseren Zeiten wieder zur ASIC-Technologie zurückkehrt, wird sich zeigen.
Bereits seit Jahren schickt sich die PLD-Industrie an, den ASIC-Herstellern ihre Sockets streitig zu machen. Unter dem Begriff »programmable imperative« hat Xilinx drei Gründe zusammengefasst, die quasi automatisch zu einer Verschiebung in Richtung programmierbarer Logik führen müssen. Und diese Gründe spielen heute eine noch größere Rolle:
Fixkosten – Die Kosten, die eine ASIC- oder ASSP-Entwicklung mit sich bringt, sind »unerschwinglich « (O-Ton der PLD-Hersteller). Unerschwinglich heißt: IBS schätzt die Kosten für eine ASIC-/ASSP-Entwicklung in 40-nm-Technologie auf zirka 60 Mio. Dollar; bei 90 nm sind es 20 Mio. Dollar. PLDs hingegen sind Standardprodukte, die mit Hilfe von Software kundenspezifisch verändert werden und somit in einer Fülle von Anwendungen zum Einsatz kommen. Andreas Scheffer, Geschäftsführer bei Xilinx: »PLDs werden mit kleineren Prozessgeometrien immer kosteneffektiver, wodurch wir Schritt für Schritt immer mehr Anwendungen adressieren können.«
Risiko – »Bei der heutigen unsicheren Wirtschaftslage scheuen die meisten Kunden ein Risiko. Und PLDs sind einfach weniger risikoreich als ASICs/ASSPs. Denn im Vergleich zu PLDs sind solche Lösungen weniger flexibel, ihre Entwicklungszeit ist länger, und es besteht die Gefahr, große Lagerbestände anzuhäufen«, so Scheffer weiter.
Größerer Wettbewerbsdruck – Die OEMs müssen mehr denn je ihre Produkte gegenüber konkurrierenden Angeboten differenzieren. PLDs wiederum erlauben die größtmögliche Produktdifferenzierung, da kundenspezifisches IP einfach in die PLD-Fabric integriert werden kann.
Hinzu kommen für Blake noch die Vorteile der einfachen Anwendbarkeit und des kurzen Time-to-Markets, zumindest im Vergleich zu einem ASIC. Außerdem sei die Leistungsfähigkeit und Dichte der PLDs in letzter Zeit so dramatisch angestiegen, dass sie jetzt eine echte Alternative zu ASICs darstellen würden.