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Interview mit Peter Marek, Advantech

»Kundenspezifische Entwicklungen sind Teil unserer DNA«


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

»In München wird richtig entwickelt und nicht nur Projektmanagement betrieben«

Wie arbeitet das Münchner Team mit den Abteilungen in Taiwan zusammen? Ist es schwierig, das Produkt Know-How aus Asien nach Europa zu bringen?

Das ist ein wichtiger Aspekt, dem wir viel Aufmerksamkeit schenken. Zum einen funktioniert der Transfer lediglich reibungslos, wenn die Entwicklungsprozesse und Werkzeuge angeglichen sind – eine Grundvoraussetzung, die wir früh umgesetzt haben. Zum anderen muss man das Wissen lokal aufbauen und weiterentwickeln. Deshalb unterhalten wir in Europa sehr enge, strategische Beziehungen zu unseren Partnern in der Halbleiterindustrie.

Außerdem gewährleisten wir, dass unser lokales Team immer über die aktuellen Entwicklungen im Unternehmen informiert ist. Unsere lokalen Entwickler sehen die Muster aus Taiwan schon früh und können sie intensiv testen. Das Feedback nehmen die Kollegen gerne an, da so die Marktanforderungen und Erwartungen aus Europa stärker in die Entwicklung einfließen.

Standardproduktentwicklung und kundenspezifische Designs greifen also ineinander. Wäre es nicht einfacher, die kundenspezifischen Produkte gleich in den Produktabteilungen umzusetzen?

Der Ansatz wird von einigen Wettbewerbern so gelebt. Wir haben uns jedoch bewusst dagegen entschieden und der Erfolg gibt uns Recht. Hierfür gibt es mehrere Gründe: Zunächst einmal sind die Standardprodukt-Roadmaps technologie- und marktgetrieben. Neue Plattformen sollen möglichst schnell und gemäß den Anforderungen des Zielmarktes eingeführt werden. Darauf verlassen sich viele Kunden, die unsere Standardprodukte einsetzen.

Im Gegensatz dazu sind DMS-Projekte kundengetrieben. Alle Anforderungen sind für einen einzelnen Kunden optimiert, der dann die volle Aufmerksamkeit fordert. Die unterschiedlichen Herangehensweisen bergen einen Konflikt, der bei geringfügigen Anpassungen in den Standardproduktabteilungen noch aufzulösen ist. Je umfangreicher und spezieller die Anpassungen sind, desto weniger funktioniert jedoch das Modell, Standard- und kundenspezifische Entwicklung in einer Abteilung zu mischen.

Das führt zu zwei Szenarien: Entweder wird dem DMS-Kunden zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt oder die Standardproduktentwicklung leidet unter der Prioritätsverschiebung zum Kundenprojekt. In letzterem Fall bricht einem über kurz oder lang die Marktführerschaft bei den Standardprodukten weg, das Leading Edge. Zum anderen ist die Ausrichtung in den Bereichen Standardprodukt und DMS sehr unterschiedlich. Im Standardproduktbereich geht es darum, unterschiedliche Anforderungen abzuwägen, um das beste Produkt zu definieren und in den Markt zu bringen. Anforderungen, die man zu spät in den Prozess einbringt, werden als Störfeuer ausgeblendet. Konträr hierzu startet DMS damit, die Anforderungen eines einzelnen Kunden möglichst effektiv umzusetzen. Bringt der Kunde neue Anforderungen oder Änderungen ein, müssen wir flexibel darauf reagieren – das ist extrem wichtig für den Kunden und somit für uns.

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DMS Advantech
Das Bild zeigt wie Advantech seine Design & Manufacturing Servies – DMS – verwirklicht.
© Advantech

Demnach setzt Advantech alle DMS-Projekte lokal in Europa mit einem eigenen Team um?

Mit eigenen Teams ja, jedoch nicht ausschließlich in Europa. Wie bereits gesagt, bietet Advantech schon seit langem DMS an – in Taiwan gibt es Abteilungen, die sich ausschließlich hiermit beschäftigen. Daher ist DMS von jeher ein Teil unserer DNA. Die DMS Abteilungen in Taiwan bringen einen reichen Erfahrungsschatz mit und garantieren, dass wir DMS als Dienstleistung jederzeit anbieten können. Ein Kunde, der mit uns zusammenarbeitet, braucht die Gewissheit, dass wir ihn in drei bis fünf Jahren bei einem Refresh nicht nur technisch, sondern ebenso in der Breite unterstützen können.

Wir setzen daher das lokale DMS-Team ganz gezielt komplementär zu den Teams in Taiwan ein, um zusätzlichen Mehrwert zu schaffen. Es kann zum Beispiel darum gehen, dem Kunden lokale Ansprechpartner für das Projektmanagement und die Technik zur Verfügung zu stellen. Als nächste Stufe bringen sich unsere Experten in die Konzeptphase beim Kunden ein, um verschiedene Ansätze zu evaluieren und die Umsetzbarkeit zu prüfen. Es soll ein Konzept entstehen, das mit wenig Risiko gemäß Terminplan umsetzbar ist. Sobald das Konzept steht, kann die Umsetzung oft ebenso in Taiwan erfolgen. Ein solches Stufenmodell kann man Schritt für Schritt erweitern. Letztendlich bis zu dem Punkt, an dem die komplette Entwicklung samt Fertigung lokal umsetzbar ist. Zwischen den beiden Extremen gibt es jegliche Variationen – jeder Kunde und jedes Projekt sind anders.

Heißt das, das Team in München ist lediglich der verlängerte Arm nach Taiwan?

Nein, in München wird ebenfalls richtig entwickelt und nicht nur Projektmanagement betrieben. Jedoch setzen wir unsere lokalen Ressourcen sehr gezielt ein. Es muss ein klarer Mehrwert für den Kunden entstehen. Beispielsweise in der Konzeptionsphase: Mit Board-Designs können wir einem Kunden ein 3D-Modell der Baugruppe liefern. So können wir bereits in einer frühen Projektphase prüfen, ob das Board in das System integrierbar ist, die Kabellängen passen und so weiter. Ebenso können wir bereits thermische Simulationen auf Systemebene erstellen. Das mechanische/thermische Co-Design hilft, früh Schwierigkeiten zu erkennen und zu vermeiden.

Bringen die lokalen Strukturen und das frühe Design Vorteile in der Qualitätssicherung mit sich?

Auch das ist ein Vorteil unserer lokalen Strukturen. Benötigt ein Kunde einige wenige Anpassungen an einem existierenden Produkt, können wir sie ebenso für unsere Kollegen in Asien nutzen. Unsere Ingenieure setzen Anpassungen sehr genau, effizient und mit hoher Qualität um. Ausschlaggebend ist hierfür unsere Qualitätssicherung in der Entwicklung. Wir haben Personal, das sich ausschließlich damit beschäftigt. Besonders wichtig ist dabei die Schnittstelle zwischen Entwicklern und Qualitätssicherung. Sie steht für ein funktionierendes Life-Cycle-Management.

Wo sehen sie die Schwerpunkte bei DMS?

Es ist wichtig, ein Projekt in die richtige Richtung zu lenken und stetig zu begleiten. Das ist eine Art Fundament bei DMS-Projekten – darauf baut vieles auf. Einen großen Fokus legen wir darauf, Standardprodukte in einer kundenspezifischen Anwendung zu vereinen.

Das kann zum Beispiel ein Computerboard sein. Es wird mit oder ohne Anpassung der Bestückung und/oder des BIOS – zusammen mit anderer Peripherie – in ein kundenspezifisches Gehäuse integriert, die Kühlung dafür entwickelt, durch die Zulassungen begleitet und anschließend in die Serienfertigung überführt. Natürlich können wir ebenso Board Support Packages (BSPs) anpassen und erweitern oder Middleware wie Media Stacks und KI-Pakete integrieren.

Häufig kombinieren wir mehrere Advantech Standardprodukte wie Motherboards mit unseren eigenen Speichermodulen, SSDs, Wireless Schnittstellen oder Displays. Häufig entstehen so ganz neue Plattformen, die besser sind als die Summe der Einzelteile.

Mit wie vielen Mitarbeitern setzen Sie DMS und alle zugehörigen Dienstleistungen in Europa um?

Derzeit sind über 500 Mitarbeiter bei Advantech in Europa beschäftigt. Wir wachsen und investieren beständig weiter, so viel ist gewiss.

Vielen Dank für das Gespräch Herr Marek.


  1. »Kundenspezifische Entwicklungen sind Teil unserer DNA«
  2. »In München wird richtig entwickelt und nicht nur Projektmanagement betrieben«

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