Mit Algorithmus zur Methanerkennung

KIT-Forscher gewinnt »FameLab Deutschland«

18. Mai 2022, 10:30 Uhr | Tobias Schlichtmeier
Christian Scharun
Klimaforscher Dr. Christian Scharun aus dem KIT gewinnt das FameLab Germany.
© Sarah Jonek | Bielefeld Marketing

Methanemissionen von Bohrinseln in der Nordsee, die niemand genau erfasste: Dem Nachwuchsforscher Christian Scharun vom Karlsruher Institut für Technologie ließen sie keine Ruhe. So entwickelte er einen Algorithmus, um Treibhausgasemissionen aus Satellitendaten genau und effizient zu bestimmen.

Mit einem Vortrag zu dieser Forschung gelang Christian Scharun nun der Sieg bei der nationalen Endrunde des »FameLab«, einem internationalen Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation.

Beim nationalen Finale des FameLab in Bielefeld sind am Montag (16. Mai 2022) acht junge Forschende aus Deutschland mit wissenschaftlichen Kurzvorträgen gegeneinander angetreten, um Publikum und Jury zu überzeugen. Sie hatten sich zuvor in verschiedenen regionalen Auswahlrunden für die nationale Endrunde des Wissenschaftswettbewerbs qualifiziert. Während eines spannenden Abends vor rund 700 Zuschauerinnen und Zuschauern gelang es schließlich Dr. Christian Scharun, einem jungen Forscher aus dem Institut für Meteorologie und Klimaforschung (IMK) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), den ersten Platz zu erreichen. Mit seinem Sieg ist Scharun für das FameLab-Weltfinale in Großbritannien qualifiziert, bei dem er Deutschland vertritt.

Methanlecks gaben den Anstoß

Im letzten Jahr hat der Nachwuchswissenschaftler seine Promotion abgeschlossen, in der er sich mit Emissionen von Treibhausgasen und ihrem Beitrag zur globalen Erwärmung beschäftigte. «Die Idee zur Forschung kam mir, als ich nach den genauen Methanemissionen von Bohrinseln in der Nordsee recherchiert habe«, erinnert sich Scharun. »Ich hatte entdeckt, dass hunderte Bohrinseln in den einschlägigen Datenbanken für Treibhausgasemissionen gar nicht auftauchen, obwohl auch kleine Methanlecks stark klimaschädlich wirken.« Um das zu ändern, entwickelte Scharun einen Algorithmus, mit dem Emissions-Hotspots auf Grundlage von Satellitendaten spezifischen Erzeugern wie Industrieballungszentren, Städten oder eben auch Bohrinseln zugeordnet werden können.

Mit dieser Methode gelang es Scharun unter anderem nachzuweisen, dass die Bohrinseln in der Nordsee tatsächlich für beträchtliche Emissionswerte verantwortlich sind: «Nämlich ungefähr 70.000 Tonnen Methan pro Jahr. Das entspricht dem Methanausstoß aller Rinder Baden-Württembergs«, so Scharun. Mit seinen pointierten Vorträgen beim FameLab und anderen Anlässen will er das Bewusstsein für die Dringlichkeit von Klimaschutz schärfen.

Über FameLab

FameLab ist der weltweit größte Wettbewerb für Wissenschaftskommunikation, der sich an junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler richtet. Die Nachwuchsforschenden haben die Aufgabe, ein naturwissenschaftliches Thema spannend und für Laien nachvollziehbar aufzubereiten, ohne hierfür PowerPoint oder Notizen zu verwenden. Erlaubt sind ausschließlich Requisiten, welche die Teilnehmenden alleine tragen können. Sie sollten aber nicht nur ihr Publikum begeistern, sondern auch die Jury, in der prominente Vertreterinnen und Vertreter aus Forschungsförderung und Medien sitzen. FameLab findet jährlich in ca. 30 Ländern weltweit statt. Die Gewinner aller nationalen Finalrunden treten beim FameLab International im Vereinigten Königreich beim Cheltenham Science Festival gegeneinander an. 


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