Simulation für alle Das Stromnetz in Deiner Hand

Prof. Dr.-Ing. Martin Wolter in der modernen Leitwarte zur Überwachung und Steuerung europäischer Energienetze an der Universität Magdeburg, die künftig Besuchern offenstehen wird.
Prof. Dr.-Ing. Martin Wolter in der modernen Leitwarte zur Überwachung und Steuerung europäischer Energienetze an der Universität Magdeburg, die künftig Besuchern offenstehen wird.

Was tun, damit das Stromnetz nicht zusammenbricht, wenn eine Windfront über das Land zieht? An der Uni Magdeburg kann ab sofort jeder ausprobieren, ob er das Netz bei jedem Wind und Wetter kontrollieren und stabil halten könnte.

An der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg steht eine der modernsten Leitwarten zur Überwachung und Steuerung des gesamten europäischen Energienetzes künftig nicht nur Experten, sondern auch interessierten Besucherinnen und Besuchern offen. Nach vorheriger Anmeldung können Besuchergruppen die Simulation selbst ausprobieren. Das Interesse sei da, sagt Martin Wolter, Professor am Institut für Elektrische Energiesysteme. Die erste Gruppe hat sich bereits angemeldet.

Das mit einer 5 x 1,5 m großen Projektionswand ausgestattete Kontrollzentrum in der Fakultät für Elektrotechnik und Informationstechnik ermöglicht eine präzise Nachbildung des europäischen Energienetzes. Es kann Störungen und Havarien sekundenschnell erkennen und lokalisieren sowie Bedarfe und unterschiedliche Einspeisungen regenerativer Energien steuern. Eine Besonderheit der Leitwarte ist eine Schnittstelle zur Simulationssoftware Matlab, mit der die Warte ferngesteuert werden kann. So können Eingriffe in eine gestörte oder zu optimierende Energieversorgung unverzüglich und präzise erfolgen.

Mit der Öffnung für Besucher wollen die Forscher ihre Arbeit erklären, aber auch zeigen, wie tagtäglich dafür gesorgt wird, dass das Stromnetz nicht wegen Überlastung zusammenbricht. Dabei hilft die wandfüllende Simulation der Leitwarte. In verschiedenen Szenarien kann geübt werden, wie das Netz auch dann stabil bleibt, wenn plötzlich eine Windfront über die Region zieht oder die Sonneneinstrahlung besonders hoch ist.

Mit der Öffnung des Forschungsgeräts als »begehbaren Ort« hofft Wolter auf einen weiteren Effekt: Von Schulen bis Kegelclubs könne sich jeder anmelden. »Aber wenn ein Schüler dabei ist, der das spannend findet und dann Elektrotechnik studieren will, dann haben wir viel gewonnen.«