Dr. Thomas C. Simmons, CEO AMA Verband »Die Bedenken sind hoch, aber...«

Dr. Thomas C. Simmons, Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik e.V. in Berlin
Dr. Thomas C. Simmons, Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik e.V. in Berlin

Der AMA Verband sieht ein Umdenken in China. Langsam aber sicher würden die Forderungen deutscher Hersteller nach IP-Schutz ernst genommen.

Der chinesische Markt ist für viele deutsche Hersteller interessant. Insbesondere der wachsende Bedarf an Sensoren in China lässt viele unserer Mitglieder da­rüber nachdenken, Partnerschaften mit chinesischen Firmen einzugehen. Jedoch grassiert unter den Herstellern die Furcht, China könnte langwierig und kostenintensiv entwickelte Technologien kopieren und damit die deutschen Unternehmen vom Weltmarkt verdrängen. Die Bedenken sind hoch und in der Vergangenheit wurde viel Vertrauen zerstört.

Daher waren wir als Branchenverband froh, gemeinsam mit der China Sensors and IoT Industry Association ein Treffen mit verschieden Akteuren zum Thema Schutz des geistigen Eigentums in China zu organisieren. Während der Sensor+Test 2019 trafen sich ranghohe chinesische Vertreter mit AMA Mitgliedern zum offenen Austausch. Die Teilnehmer berichteten von gemischten Erfahrungen, das Interesse am chinesischen Markt ist und bleibt seitens der Sensorik-Hersteller groß. Andererseits sind die Bedenken hoch, da die chinesische Initiative »Made in China 2025« die weltweite Schlüsselposition für Industrieprodukte anstrebt und staatlich gefördert wird.

Das lässt unsere Mitglieder zögern. Einige Vertreter mittelständischer Unternehmen berichteten von Kopien und den vermutlich aussichtslosen Klagen gegen staatlich subven­tionierte Unternehmen in China. Das Problem betrifft bei weitem nicht nur ausländische, also deutsche Unternehmen. Eines unserer chinesischen Mitglieder berichtete ebenfalls davon, Opfer von Raubkopien geworden zu sein. Schließlich gelang es ihm aber seinen Anspruch durchzusetzen.

Wenn wir auf diesem Treffen auch keine Lösungen herbeidiskutieren konnten, so war es dennoch ein erster Schritt in die richtige Richtung. Erstmals zeigten hochrangige Vertreter aus China ernsthaftes Interesse an den vorgetragenen Bedenken der Sensor-Hersteller.

Mein persönliches Fazit: Die neue Diskussionsbereitschaft der Chinesen macht uns Hoffnung, dass ein Prozess des Umdenkens begonnen hat. Es liegt natürlich auch an uns, diese Diskussion öffentlich zu fordern, zu führen und zu fördern. Wir hoffen, dass die chinesische Regierung unsere Bedenken ernst nimmt, konstruktive Lösungen findet sowie die Ursachen und das Ausmaß glaubhaft eindämmen wird. China ist und bleibt ein interessanter Markt für die Branche Sensorik und Messtechnik.

 

Dr. Thomas C. Simmons

ist Geschäftsführer des AMA Verbands für Sensorik und Messtechnik e.V. in Berlin. Nach dem Physikstudium an der University of Texas at Austin und an der Freien Universität Berlin promovierte er an der FU Berlin in experimenteller Festkörperphysik. Er arbeitete als Direktor Business Development bei Aktiv Sensor, war Dozent an der Beuth Hochschule für Technik Berlin und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fritz-Haber-Institut der Max-Planck-Gesellschaft.