Passbilder Behörden reagieren auf Morphing

Das Passbild ist mit Facemorphing manipuliert. Bei einer Identifikation über automatisierten Bildvergleich würden beide Frauen als Passinhaber akzeptiert.
Das Passbild ist mit Facemorphing manipuliert. Bei einer Identifikation über automatisierten Bildvergleich würden beide Frauen als Passinhaber akzeptiert.

Bildverarbeitungssysteme zur Passbildkontrolle lassen sich durch Morphing austricksen. Das Innenministerium reagiert mit einem Gesetzentwurf. Das Fraunhofer IDG mit KI-Forschung.

Facemorphing ist eine bekannte Methode, um Software zur automatischen Bilderkennung auszuhebeln. Dabei werden zwei oder mehrere Gesichter so zu einem Bild zusammengefügt, dass die von der Software genutzten Vergleichspunkte exakt übereinander liegen. Wird mit solchen Bildern ein Pass beantragt, könne er nicht nur vom Passinhaber, sondern auch von den Personen, deren Gesichtszüge im Passbild enthalten sind, zum Grenzübertritt genutzt werden, heißt es in einem aktuellen Gesetzentwurf des Innenministeriums. Den Präzedenzfall schuf eine Künstlergruppe. 2018 beantragte sie erfolgreich einen Reisepass und übermittelte den Behörden dazu ein mit Morphing manipuliertes Bild. Das Innenministerium will nun, dass biometrische Passfotos unter behördlicher Aufsicht erstellt werden müssen. Als mögliche Alternativen dazu heißt es im Gesetzesentwurf vielsagend: Keine.

Wer doch nach einer sucht, wird früher oder später auf das Fraunhofer-Institut für graphische Datenverarbeitung (IGD) stoßen. Es ist Teil des nationalen Forschungszentrums für angewandte Cybersicherheit Athene (bis 2015 CRISP) und beschäftigt mehrere Biometrie-Experten mit Schwerpunkt auf Passbildern. AM IDG werden Morphingverfahren intensiv untersucht und Methoden entwickelt, um Manipulationsindizien zu erkennen. Für Testzwecke ist, basierend auf maschinellem Lernen, eine Bilddatenbank mit tausenden gemorphten Bildern entstanden, die mit bisherigen Mitteln nicht als solche erkennbar sind. Mit KI-gestützter Auswertesoftware sollen Behörden zukünftig in der Lage sein, eingereichte Bilder auf Manipulation zu prüfen.