Eine unabhängige Jury hat unter den zahlreichen Einreichungen drei Unternehmen für den Hermes Award 2026 nominiert: Festo, Schaeffler und Ziehl-Abegg. Der Gewinner wird im Rahmen der feierlichen Eröffnung der Hannover Messe am 19. April 2026 bekannt gegeben.
Die Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Holger Hanselka, Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, ist besetzt mit hochkarätigen Experten aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Medien. Überreichen wird den Preis die Bundesministerin für Forschung, Technologie und Raumfahrt, Dorothee Bär.
Der Hermes Award gilt als einer der weltweit renommiertesten Industriepreise und wird jährlich im Rahmen der Hannover Messe für eine herausragende Innovation verliehen. Ausgezeichnet werden Produkte und Lösungen mit einem besonders hohen technologischen Innovationsgrad. Auch Marktreife und Wirtschaftlichkeit spielen bei der Preisvergabe eine entscheidende Rolle.
»Die drei Nominierten greifen gesellschaftliche Herausforderungen auf und zeigen konkrete Lösungswege«, sagt Prof. Holger Hanselka. »Die kostengünstige Herstellung von Medizinprodukten, Automatisierung und Robotik sowie der Ersatz kritischer Materialien geben neue Impulse für Wachstum und Beschäftigung und stärken die Sichtbarkeit unseres Landes als Innovationsmotor.«
Festo, Esslingen: Bei dem nominierten Projekt handelt es sich um hochintegrierte Manifolds, also mehrlagige Kunststoff-Verteilerplatten, die Flüssigkeiten steuern, dosieren, mischen und sensorisch erfassen. Im Vergleich zu herkömmlichen Kanalplatten, die überwiegend passive Verteilerfunktionen übernehmen, integriert das Festo Manifold aktive Funktionen auf engem Bauraum: optimierte Mischkanäle, medientrennende Ventiltechnologien mit minimiertem Totvolumen sowie eingebrachte Sensorik unter anderem für Temperatur, Durchfluss, Druck, Farbigkeit und pH-Wert. Die Herausforderung lag im Design und der Herstellung der nutzerfreundlichen Plattform. Die technische Neuheit ist die Kombination aus fein strukturierten, mehrlagigen Mikrokanälen sowie integrierten Ventil- und Dosierelementen, direkt eingebetteten sensorischen Messpunkten sowie einem fertigungstechnischen Prozessdesign, das diese Funktionalitäten wirtschaftlich in Serie ermöglicht und damit kompaktere, zuverlässigere und leichter validierbare Systeme für Biotech, Medizintechnik und Halbleiteranwendungen ermöglicht.
Schaeffler, Herzogenaurach: Nominiert wurde eine Plattform für hochintegrierte Aktuatoren, speziell konstruiert für die Anwendung in den Gelenken humanoider Roboter. Die Plattform umfasst hocheffiziente Servo-Elektromotoren mit integrierter Leistungselektronik sowie Encodern und lässt sich je nach Kundenanforderung mit zweistufigen Planetengetrieben oder Wellgetrieben konfigurieren. Bei der Entwicklung der Aktuatoren wurde konsequent das Ziel eines geringen Bauraums und eines hohen Dauer-Drehmoments verfolgt. Im Vergleich zu den neuesten Lösungen am Markt ließ sich der Bauraum um rund 20 Prozent reduzieren. Um ein niedriges Temperaturniveau bei hohen Drehmomenten zu gewährleisten, wurde der Kupferfüllfaktor in der rahmenlosen PSM-Maschine erhöht. Die Aktuatorplattform senkt die Systemkosten deutlich und schafft damit eine zentrale Voraussetzung für die schnelle Skalierung der Servicerobotik.
Ziehl-Abegg, Künzelsau: Nominiert wurde das Unternehmen für eine elektrische Aufzugssynchronmaschine, die ohne Magnete aus Seltenen Erden auskommt und dabei dennoch eine gleichbleibend hohe Leistung bietet. Die neue Aufzugsmaschine arbeitet mit Ferritmagneten und verzichtet vollständig auf kritische Rohstoffe wie Neodym oder Dysprosium, die bislang aufgrund ihrer hohen Leistungsdichte als unentbehrlich für Hochleistungsantriebe galten. Die Innovation liegt in einem komplett neuen Motordesign. Dadurch bleibt die Drehmomentdichte hoch, die Laufruhe erhalten und die Energieeffizienz auf dem Niveau bisheriger Premiumlösungen. Der Verzicht auf Seltene Erden reduziert die Abhängigkeit von kritischen Rohstoffen. Ferritmagnete sind hingegen weltweit verfügbar, zuverlässig lieferbar und deutlich umweltfreundlicher in der Herstellung.
Die Hannover Messe definiert sich als Weltleitmesse für die produzierende Industrie. Dort versammeln sich rund 3500 ausstellende Unternehmen aus dem Maschinenbau, der Elektro- und Digitalindustrie sowie der Energiewirtschaft, um Lösungen für eine wettbewerbsfähige und nachhaltige Industrie zu präsentieren. Die Hauptausstellungsbereiche sind Automatisierung & Digitalisierung, Energie & Industrieinfrastruktur sowie Forschung & Technologietransfer. Das Thema Künstliche Intelligenz zieht sich wie ein roter Faden durch alle Ausstellungsbereiche. Ein vielfältiges Konferenzprogramm ergänzt die Ausstellung. Die nächste Ausgabe der Hannover Messe wird vom 20. bis zum 24. April 2026 in Hannover ausgerichtet. Brasilien ist Partnerland.
Kostenlose Fachbesucher-Tickets für die Hannover Messe 2026 sind über diesen Link erhältlich.