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Lieferprobleme verbinden

29. Oktober 2018, 9:30 Uhr | Anja Zierler

Fortsetzung des Artikels von Teil 2

»Mal gewinnst du, mal verlierst du«

In einem ähnlichen Wachstumsbereich befindet sich Erni. Das Unternehmen ist im Geschäftsjahr 2017 mit 20 Prozent und im ersten Halbjahr 2018 bereits um etwa 15 Prozent gewachsen. »Auch auf dem welken Horizont der Automatisierungsbranche sehe ich immer noch eine Tenzenz zur Übererfüllung gegenüber den Forecasts. Dasselbe sehe ich auch in der Automobilbranche«, so Michael Singer, Vice President Marketing bei Erni Deutschland. »Die Elektrifizierung im Auto und in der Industrie wächst, deshalb sehen wir zwar wachsam, aber sehr positiv in die Zukunft.«

Ein Problem sieht er in der steigenden Zahl abgekündigter Produkte: »Wir hatten bereits mit einigen Abkündigungen zu tun, weil unsere Lieferanten nur profitable und zukunftsträchtige Produkte verfolgen wollen.«

Ein weiterer Punkt, der aktuell für Engpässe in der Lieferkette sorgt, ist die Galvanik. »Galvanik ist ein wichtiges Thema. Und es ist das, was viele Unternehmen außer Haus geben. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl guter Galvaniken und somit entsteht hier natürlich relativ schnell ein Engpass«, erklärt Manuela Gutmann. »Wenn man als Steckverbinderhersteller aus der Historie heraus eine eigene Galvanik hat, ist das im Moment definitiv von Vorteil.« Zu diesen Glückspilzen zählt neben Harting zum Beispiel auch Odu. »Wir machen fast alles selbst und wir investieren jetzt auch wieder weiter in die Galvanik. Wir wollen kein Stück weg von unserer Fertigungstiefe«, so Giba.

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Bei Würth Elektronik eiSos ist es bisher bei einer Produktgruppe zu Verzögerungen wegen Engpässen bei der Galvanik gekommen, »aber im weiten Portfolio ist es bisher kein Thema«, sagt Robok. »Vieles wird bei uns schon über die Lagerhaltung abgepuffert.«

Auch beim Thema Kupfer bestehe ein Risiko: »Wenn Sie über ein Jahr hinweg fallende Kup­ferpreise haben, kaufen Sie als Kabelhersteller immer teurer ein, als Sie verkaufen«, so Moebus. »Das heißt, es kann Ihnen natürlich auch mal ganz schön das Ergebnis verhageln, aber so ist das mit Kupfer: Mal gewinnst du, mal verlierst du. Und mittels Hedging – wie es an der Börse üblich ist, kann man sich vor solchen Risiken natürlich absichern.« Unter Hedging versteht man das Eingehen eines Absicherungsgeschäfts, um das durch ein anderes Geschäft entstandene Risiko zu minimieren.

Die Experten merken, dass generell mehr längerfristige Rahmenverträge abgeschlossen werden. Dabei stellen die Vertragspartner vor der Bestellung sicher, dass die benötigten Materialien vorrätig sind, sobald sie gebraucht werden. Für diese Fälle hat Weidmüller vor einigen Jahren die sogenannte Orange-Selection eingeführt. Bei der Linie handelt es sich um Produkte, für die das Unternehmen Lieferverfügbarkeit garantiert. »In letzter Zeit haben wir uns darauf fokussiert, sicherzugehen, dass diese Produkte auch weiterhin global verfügbar bleiben.«

Fakt ist, dass Bezugspreise von Rohmaterialien steigen. Aber: »Wir Steckverbinder- und Kabelhersteller sitzen alle im selben Boot«, sagt Lambauer. »Wir alle haben den Bedarf an Silber, Gold und Nickel für Kontaktbeschichtungen. Da teilen wir uns ein Stück weit die Situation. Und letztendlich ist das Verhalten in dem Marktbereich auch sehr ähnlich.«


  1. Lieferprobleme verbinden
  2. Geschäftszahlen 2018
  3. »Mal gewinnst du, mal verlierst du«
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