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Europäische Spallationsquelle

Lapp liefert Verbindungstechnik für die ESS


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Die ESS ist umfangreich verkabelt

Die Strahlung der Neutronenstrahlen in der ESS wird bis zu 100-mal intensiver sein als beim Hochflussreaktor am Institut Laue-Langevin in Grenoble und fünfmal so leistungsstark wie die Spallation Neutron Source des Oak Ridge National Laboratory in den USA. Entsprechend hoch sind auch die Anforderungen an die benötigten Verbindungslösungen. Hier hat Lapp gemeinsam mit Elektroskandia und Assemblin mit Know-how und Produkten zu diesem Projekt beigetragen. So wurden zur Steuerung und Überwachung im Beschleuniger mehr als 16.000 Signalkabel benötigt. Vieles ist maßgeschneidert und alles muss bis ins kleinste Detail einwandfrei funktionieren. Dies gilt insbesondere für Kabel und elektrische Komponenten, denn die Geräte sind hochempfindlich.

Die Firma Assemblin in Malmö wurde mit der Durchführung der elektrischen Installationen an den Beschleunigerteilen beauftragt. Hierfür hatte Rolf Grahl, Projektleiter bei Assemblin, von ESS ein Pflichtenheft für die zu installierenden Produkte erhalten. Benötigt wurden beispielsweise mehr als hundert verschiedene Kabeltypen. Viele davon sind Spezialkabel, mit hohen Anforderungen unter anderem an Strahlenschutz, Schirmung und Temperaturbeständigkeit. Bei der Umsetzung hat Assemblin mit dem Elektrogroßhändler Elektroskandia in Malmö zusammengearbeitet, dessen Sortiment auch die Produkte von Lapp umfasst.

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ESS
Schätzungsweise 800 Kilometer Kabel und 16.000 Signalkabel werden am Ende in der Europäischen Spallationsquelle ESS verlegt sein.
© Ulrika Hammarlund

Lapp hat sowohl Spezialkabel als auch Standardkabel, die das Unternehmen im Programm hat, geliefert. Außerdem wurden spezielle Kabel nach den Anforderungen im Pflichtenheft für ESS gefertigt und getestet. »Assemblin hat 45 Elektroinstallateure vor Ort«, berichtet Rolf Grahl und ergänzt: »Auch für sie ist das Projekt eine große Herausforderung, mit schwierigen Installationen in Umgebungen mit sehr speziellen Bedingungen. Wir sind stolz darauf, unseren Teil des ESS auszuführen.« Wenn die Arbeiten abgeschlossen sind, werden schätzungsweise 800.000 Meter Kabel verlegt worden sein.

Welche Kabel gefragt waren

Über den Großhändler Elektroskandia wurde bei Lapp vor allem nach feuerfesten und halogenfreien Kabeln für die Anlage nachgefragt. Bei ESS wurden beispielsweise die halogenfreien Steuerleitungen Ölflex Classic 130 H und ihre geschirmten halogenfreien Varianten Ölflex Classic 135 CH installiert. Sie zeichnen sich durch verbessertes Brandverhalten aus. Zum Einsatz kommen aber auch Unitronic LiHH/LiHCH. Dabei handelt es sich um halogenfreie Datenübertragungskabel mit Aderkennzeichnung nach DIN 47100 sowie ihre geschirmte Variante.

Darüber hinaus hat Lapp ein kundenspezifisches Produkt mit einem speziellen Isolations- und Mantelmaterial hergestellt, das gegen ionisierende Strahlung, die beim Spallationsprozess entsteht, resistent ist und eine Einzel- und Gesamtabschirmung aus einem Aluminiumband und mit passenden zweiadrigen Leitern versehen ist.

»Insgesamt haben wir rund 70 Varianten geliefert«, sagt Mathias Jönsson, regionaler Verkaufsleiter bei LAPP in Schweden und ergänzt: »Wir freuen uns, dass wir die Materialanforderungen für die ESS-Forschungsanlage erfüllen können und LAPP bei diesem bedeutenden Projekt dabei ist.«

Die weltweit führende Spallationsquelle ESS wird für die Forschung in Deutschland und Europa von großer Bedeutung sein. Bei der Auswahl der Instrumente wird ein möglichst breites Spektrum an Nutzerbedürfnissen abgedeckt. Auch neuere Fachgebiete wie die Strukturbiologie und Wasserstofftechnologie oder industrielle Anwendungen wie die Werkstoffprüfung und -entwicklung wurden dabei berücksichtigt. An der Entwicklung der benötigten Forschungsinstrumente für die Neutronenforschung sind in Deutschland das Forschungszentrum Jülich, das Helmholtz-Zentrum Geesthacht für Material- und Küstenforschung sowie die Technische Universität München beteiligt.

Der Bau der ESS-Forschungseinrichtung begann 2014. Die gesamte Gebäudefläche beträgt mehr als 13 Fußballfelder. Nach Angaben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung soll die Neutronenquelle 2025 im Dauerbetrieb sein.


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