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»Wir wachsen deutlich schneller als andere Regionen«

17. November 2022, 7:30 Uhr | Karin Zühlke
Ralf Hellwig
Ralf Hellwig, RS Group: »Wir sehen Marktplätze als ‚Frenemies’, also Freund und Feind. Sie geben uns zum einen Reichweite, die Chance werden wir auch nutzen. Allerdings mit Vorsicht, weil diese Marktplätze gleichzeitig einen unglaublichen Datenpool aufbauen.«
© RS Components

Als Managing Director ist Ralf Hellwig bei RS seit Februar 2021 für die DACH-Region verantwortlich und legte 2021 ein Wachstum von 30 Prozent hin. Neu ist auch der Markenaufritt von RS, der auf der electronica erstmals in großem Stile der Öffentlichkeit präsentiert wird.

Markt&Technik: Was macht RS aus Ihrer Sicht zu einem der gesündesten Unternehmen in der Branche, wie Sie selbst sagen?

Ralf Hellwig: Der Großhandel und die B2B-Distribution operieren großteils mit 30 Prozent Marge, während wir deutlich darüber liegen. Wie verkaufen also nicht in erster Linie über den Preis, sondern über Verfügbarkeit und Value Added Services – ganz nach dem Motto »Easy to do business with«.

Aufgrund der Tatsache, dass wir unsere Kosten im Griff haben, sind wir ein sehr profitables Unternehmen, und auch die Kultur von RS ist hochinteressant. Wir legen ausgesprochenen Wert auf Diversity-Themen, was auch mir persönlich sehr am Herzen liegt. Fair Play und Fair Pay sind Punkte, die mir sehr wichtig sind. Wir haben bei mir im Team eine Frauenquote von 60 Prozent. Und auch darüber hinaus beschäftigen wir uns bei RS intensiv mit den Themen Jugendarbeit, Grass-Roots Education, Partnerschaften mit Universitäten und Talententwicklung.

Diversity ist zweifelsohne eines der aktuellen Trend-Themen. Ähnlich hoch im Kurs steht die Nachhaltigkeit oder in Unternehmenssprache ausgedrückt ESG – Environment, Social, Government. Ein grüner Anstrich scheint momentan en vogue. Wie ist das bei RS?

Bei uns ist ESG kein Greenwashing. Wir legen auch auf diese Punkte größten Wert. Alles, was wir als Großhandelsunternehmen beeinflussen können, tun wir.
Wir selbst sind 14001-zertifiziert, und Nachhaltigkeit ist uns sehr wichtig. Wir haben an unserem Logistik-Standort Bad Hersfeld etwa die Hälfte des Stromverbrauchs über Photovoltaik abgedeckt und wollen sogar noch erhöhen.

Und im Hinblick auf unsere Lieferanten: Bei uns kann man nur strategischer Lieferant werden, wenn man entsprechende Zertifikate wie z. B. Ecovadis vorweisen kann. Kundenseitig wollen wir gemeinsam mit unseren Lieferanten sowohl nachhaltige Produkte fördern als auch technische Lösungen zu Energieeinsparungen liefern. Das bauen wir gruppenweit weiter aus und planen entsprechende Investitionen.

Was können Sie als DACH-Manager in einem globalen Konzern überhaupt beeinflussen?

Wir haben drei weltweite Regionen: Americas, Asia Pacific und EMEA. Letzteres ist der größte Bereich bei RS mit einem Umsatz von 1,8 Mrd. Euro. Die größten Regionen in EMEA sind mit 550 Millionen Euro UK, knapp 300 Millionen Euro entfallen auf Frankreich, wir in DACH haben im vergangenen Jahr 250 Millionen Euro beigetragen. Wir wachsen aber deutlich schneller als andere Regionen und haben in DACH deutlich über 30 Prozent zugelegt, trotz Brexit, Pandemie etc., und sind damit auch dabei, Frankreich spätestens nächstes Jahr zu überholen.

Aber zurück zu Ihrer Frage, was wir hier beeinflussen können: Wir tauschen uns natürlich im Management intensiv aus, und da haben wir hier in DACH schon eine laute Stimme im Konzern. Das zeigt sich auch daran, dass Pilotprojekte gerne bei uns gefahren und ausprobiert werden.

In der Vergangenheit wurde die Strategie in der Tat sehr stark von UK aus getrieben. Aber unsere Führung hat verstanden, dass besondere Gegebenheiten der Märkte ebenso berücksichtigt werden müssen.

Wir sind hier in der Vergangenheit sehr stark funktional getrieben gewesen. Das hat sich inzwischen grundlegend geändert. Wir vernetzen uns intensiv mit gemeinsamen Aktivitäten in Workshop Sessions etc. und diskutieren gemeinsam, wie wir die Kommunikation intern weiter verbessern können. Ich glaube, das kommt bei den Mitarbeitern sehr gut an.

Die aktuellen Herausforderungen sind zweifelsohne immens. Wo sehen Sie die größten Knackpunkte und wie wollen Sie die meistern?

Die größten Herausforderungen liegen in der gesamten Ökonomie-Entwicklung in der DACH-Region. Wir sind natürlich abhängig vom produzierenden Gewerbe. Und da stellt sich die Frage: Gibt es eine Rezession? Müssen Firmen Kurzarbeit anmelden oder Personal entlassen?

Natürlich müssen wir auf alle Eventualitäten vorbereitet sein und Pläne in der Schublade haben, wenn die Rezession kommen sollte. Aber wir haben eine so breite Kundenbasis, dass wir davon überzeugt sind, dass wir in jedem Fall als Worst-Case-Szenario das Ergebnis des letzten Jahres erreichen. Dahinter stehen eine ganze Menge Maßnahmen, ein Riesen-Füllhorn an Einzelmaßnahmen, teils zentral gesteuert durch unsere Marketing-Abteilung, teils auch durch unseren Sales getrieben: Dabei geht es beispielsweise darum, Kunden, die nur einmal bestellt haben, zu reaktivieren, unser Sortiment zu erweitern und so weiter.

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