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Luft- und Raumfahrtsektor konkurriert um Ressourcen

2. August 2022, 9:59 Uhr | Karin Zühlke
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Auch die Luft- und Raumfahrtindustrie bekommt die Probleme der Lieferketten zu spüren. Dabei wurden hier bisher ganz andere Ansätze in der Beschaffung gefahren, die diese Industrie vermeintlich robust gegenüber Lieferkettenproblemen machten. Doch auch diese Konzepte müssen künftig ergänzt werden.

Die Beschaffung elektronischer Komponenten wurde im Jahr 2020 aufgrund der weltweiten Quarantäne als Reaktion auf die Pandemie immer schwieriger. Während andere Branchen die unmittelbaren Auswirkungen auf ihre Lieferketten zu spüren bekamen, war dies in der Luft- und Raumfahrt zunächst nicht der Fall. Die verzögerten Auswirkungen auf die Luft- und Raumfahrtindustrie konnten der von den Unternehmen umgesetzten Managementmethode für Pufferbestände zugeschrieben werden.

Alle drei Segmente der Luft- und Raumfahrt­industrie – Verbraucher, Handel und Verteidigung – nutzten die Vorratslagermethode.

Aber auch mit dieser Methode ließen sich die fast drei Jahre andauernden, verschiedenen pandemiebedingten Unterbrechungen sowie eine steigende Nachfrage aus anderen Branchen nach elektronischen Komponenten nicht kompensieren. Die zunehmende Belastung durch weitere Branchen, die auf die Marktbestände an Komponenten zurückgriffen, trieb die Nachfrage schnell in die Höhe, was zu zusätzlichen Schwierigkeiten führte, die Nachfrage in der Lieferkette für alle Branchen befriedigen zu können.

[Just-in-Time (JIT) war nicht immer pünktlich

Unternehmen aus der Automobil- und Unterhaltungselektronikbranche arbeiteten mit kurzfristigen Prognoseplänen und nutzten das JIT-Liefermanagementkonzept. Dies bedeutete, dass Komponentenbestellungen auf Basis der Kundennachfrage erfolgten und keine Lagerbestände erforderten. Letztendlich war JIT nur sinnvoll, wenn das Angebot mit der Nachfrage Schritt halten konnte und ein Hersteller starke Partnerschaften mit Lieferanten pflegte. Dadurch wurden Unternehmen jedoch anfällig, als Covid-19 in Verbindung mit zusätzlichen Herausforderungen in der Lieferkette, wie extremen Wetterereignissen und unvorhersehbaren Fabrikvorfällen, z. B. Bränden, die Lieferanten vor Probleme stellte.

[Der Fall für Vorratslager

Die Luft- und Raumfahrtindustrie arbeitete in der Vergangenheit nach langfristigen Prognoseplänen. Längere Fristen bedeuteten, dass sich Schwankungen in der kurz- und mittelfristigen Nachfrage nicht so stark auf Verfügbarkeiten für die Komponentenfertigung auswirkten. Da außerdem jeder Projektbau größer war und länger dauerte, hatte sich im Laufe der Zeit der Erwerb von Vorratsbeständen an notwendigen elektronischen Komponenten bewährt, um das Versorgungsrisiko zu mindern.

Ein typisches Flugzeugdesign erfordert Chips für Softwaresysteme, die nicht so häufig aktualisiert werden müssen wie ein üblicher Hardwarebau vor Ort. Weniger häufige Upgrade-Anforderungen führten zu längeren Lebenszyklen der Komponenten und verlangsamen die Notwendigkeit, auf neuere Chipmodelle umzusteigen, um mit der Nachfrage Schritt zu halten. Trotz dieses Vorteils bei anfänglichen pandemiebedingten Schließungen benötigten die Luft- und Raumfahrtsegmente unweigerlich Komponenten, um zukünftige Bauprojekte umsetzen zu können.

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