Entwicklerbedarf boomt

Plus 81 Prozent in EMEA

2. August 2022, 11:39 Uhr | Karin Zühlke
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Im vergangenen Jahr verzeichnete Mouser erneut einen fulminanten Anstieg bei Umsatz, Kundenzahl und Website-Traffic. Und in diesem Jahr soll auch das Distributionszentrum in Texas noch weiter wachsen.

Wer wie Mouser als Distributor vor allem den Bedarf von Entwicklern für neue Projekte deckt, kann sich vor Aufträgen kaum retten: Die Kleinmengen- oder je nach Wording Online-Distribution für derartige Bedarfe brummt. Im Jahr 2021 stieg der weltweite Gesamtumsatz um 62 Prozent, wobei EMEA um 81, Amerika um 46 und Asien um 69 Prozent zulegte.

Dem Wachstum zieht Mouser auch seine Mitarbeiterzahl nach: »In den vergangenen fünf Jahren haben wir unsere weltweite Belegschaft fast verdoppelt. Im Jahr 2017 hatten wir 1843 Mitarbeiter; im Mai 2022 waren es 3382 Mitarbeiter, Tendenz steigend. Die aktuellen Zahlen: 190 Mitarbeiter in Europa, 1302 Mitarbeiter im globalen Vertriebszen­trum in Texas und 861 neue Mitarbeiter in der Hauptgeschäftsstelle«, so Mark Burr-Lonnon, SVP von Mouser für EMEA.

[Mouser hält an Zentrallager in Texas fest

Weiter treu bleibt Mouser seiner Ein-Standort-Politik was das Lager anbelangt: Alles läuft zentralisiert in Texas ab. Regionale Hubs sind bis auf Weiteres nicht geplant. Burr-Lonnon sieht viele Vorteile in dieser Strategie, auch in Allokationszeiten. So sei alle verfügbare Ware an einem zentralen Ort; man müsse nicht erst Ware von A nach B transferieren, um sie dann von dort weiter zu bearbeiten.

Auch der Brexit bereite in dieser Hinsicht keine Probleme, so Burr-Lonnon, dafür habe man die Versandprozesse entsprechend angepasst: Die Ware für Europa geht weiterhin über Paris CDG; für UK wird nach London Stansted geflogen. Sämtliche Zollformalitäten werden derweil beim Transatlantikflug von den Carriern an Bord erledigt. Für Europa arbeitet Mouser diesbezüglich mit FedEx zusammen. Asien wird über DHL, UPS und FedEx bedient und die USA über den UPS-Dienst.

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Mark Burr-Lonnon, Mouser »In den vergangenen fünf Jahren haben wir unsere weltweite Belegschaft fast verdoppelt. Im Jahr 2017 hatten wir 1843 Mitarbeiter; im Mai 2022 waren es 3382 Mitarbeiter, Tendenz steigend.«
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Im Sommer 2022 wird zudem laut Auskunft von Burr-Lonnon der erste Spatenstich für eine neuerliche Erweiterung des Distributionszentrums in Texas um 400.000 Quadratmeter erfolgen. Es wird drei Mezzanin-Ebenen geben, was einer Fläche von fast einer Million Quadratmetern entspricht. »Damit können wir unsere Kapazitäten für weiteres Wachstum ausbauen«, bekundet Mousers EMEA-Chef. »Neben den Expansionsplänen für das Distributionszentrum investieren wir weiterhin in fortschrittliche Automatisierung, um die Auftragsabwicklung, Genauigkeit und Geschwindigkeit zu erhöhen.« Mouser hat dazu 120 Vertikalliftmodule (VLMs) installiert, die nach eigenen Angaben größte Anlage der Welt. VLMs sind im Wesentlichen riesige vertikale Aktenschränke mit beweglichen Regalen, die die Komponenten an den Arbeitsplatz des Mitarbeiters bringen. Dies erhöht die Effizienz und den Platzbedarf und kann die Gehzeit der Mitarbeiter um 45 Prozent oder mehr reduzieren. Das Distributionszentrum verfügt auch über mehrere Ultipack- und I-Pack-Maschinen – automatische Systeme zum Versiegeln und Etikettieren von Sendungen, die bis zu 14 Bestellungen pro Minute verarbeiten können. Zudem wird ein OPEX-Perfect-Pick-System für die Konsolidierung und ein AutoStore installiert. »Diese Investitionen zielen darauf ab, dass Aufträge in kürzester Zeit bearbeitet, kommissioniert, verpackt und versandt werden«, schildert Burr-Lonnon.

Über 20.000 Pakete verlassen das Lager täglich. Nur etwa 15 Minuten braucht eine Bestellung von der Order bis sie gepackt ist. Derzeit lagern Bestände im Wert von 974 Millionen US-Dollar im Mouser-Distributionszentrum. Das sind laut Mouser 15 Prozent mehr als der Höchststand im letzten Jahr. Insgesamt sind mehr als 6,8 Millionen Produkte auf Mouser.com gelistet. Im 1. Quartal 2022 hat Mouser mehr als 9502 neue Teilenummern auf den Markt gebracht, von denen allein im März über 4000 versandbereit waren.

Aktuell führt Mouser über 1200 Herstellermarken, darunter 113 neue Hersteller im Jahr 2021 und bisher 24 neue Marken im Jahr 2022.

[Investitionen in Online Tools und Ressourcen

Mouser hat außerdem weiter in Online Tools investiert, um den Auswahl- und Kaufprozess zu vereinfachen und zu optimieren. »Sie helfen den Kunden bei der einfachen Suche, Auswahl und dem Kauf von Produkten«, erklärt Burr-Lonnon. Die Mouser-Seite »Services and Tools« und das Help Centre bieten Kunden die Möglichkeit, Bestellungen einzusehen und zu verfolgen, technischen Support und Datenblätter anzufordern und Bestellungen über API oder EDI aufzugeben. Die Seite Services und Tools bietet unter anderem ein BOM Tool, Ressourcen zur Auftragsautomatisierung und eine umfangreiche ECAD-Design-Bibliothek. »Außerdem bauen wir das Technical Resource Centre weiter aus und haben nützliche Umrechnungsrechner und die Purchasing Resource Library entwickelt«, führt Burr-Lonnon weiter aus.

[Industrie weiter stark, Zukunftsmarkt »Gesundheitswesen«

Und welche Sektoren wachsen bei Mouser am meisten? »Der Industriesektor ist nach wie vor ein wichtiger Markt für uns. Aber auch andere Bereiche wachsen schnell und werden es auch in Zukunft tun. Nehmen Sie zum Beispiel die Automobilindustrie. Die Elektrifizierung und Digitalisierung der Automobilplattform ist ein unaufhaltsamer Trend, und wir werden weiterhin mehr Innovationen sehen. Allerdings wird dies nicht auf die großen OEMs beschränkt bleiben. Die Entwicklung der E-Mobilität wird sich stärker verteilen, da Anbieter aus der zweiten und dritten Reihe mit innovativen Produkten auf den Markt kommen – nicht nur für Automobilanwendungen, sondern auch für andere Transportmittel wie Boote und landwirtschaftliche Fahrzeuge«, schildert Burr-Lonnon.

Ein weiterer Bereich, den Mouser als wachstumsträchtig identifziert hat, ist das Gesundheitswesen. Es handelt sich hier um einen Sektor mit geringen Stückzahlen und hohem Wert, und die meiste Designkreativität bei den Geräten geht mit dem Bedarf an hochwertiger Markenelektronik einher. Auch die Bereitstellung von Gesundheitsdienstleistungen entwickelt sich weiter. Telemedizin wird immer alltäglicher, und tragbare Geräte, die Sensoren und Vitalparameter überwachen können, haben sich bereits durchgesetzt. Für die Elektronik-Industrie hält dieser Sektor nach Ansicht von Mouser demnach noch viel Potenzial bereit.


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