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Trend Automatisierung

Das war der Bordnetz Kongress 2021

Screenshot der Event-Lobby
Virtuell genauso informativ wie als Live-Event: der Bordnetz Kongress.
© WEKA Fachmedien

Der 10. Bordnetz Kongress fand dieses Jahr mit mehr als 100 Teilnehmern nochmals virtuell statt. Ein besonderer Schwerpunkt waren die Vorträge zur »Innovationsinitiative Leitungssatz« unter dem Dach von ARENA 2036.

Zum zweiten Mal in Folge führte die Elektronik automotive den Bordnetz Kongress im virtuellen Raum durch. Mehr als 100 aktive Teilnehmer, Referenten und Aussteller folgten am 22. September dem technisch anspruchsvollen Programm, bestehend aus 18 Vorträgen rund um die Themen »Entwurfsprozess und automatisierte Fertigung«, »Busprotokolle/CAN und Signalintegrität« sowie »Entwurfsmethoden und Beschreibungsansätze«.

Wie schon in der Vergangenheit war auch beim diesjährigen Bordnetz Kongress der VEC Day, der in Kooperation mit ProSTEP iVIP abgehalten wurde, essenzieller Bestandteil des Kongresses. Die Vorträge stießen bei den Zuhörern allesamt auf große Resonanz, die sich in zahlreichen Fragen und Diskussionen auf der virtuellen Plattform zeigte. Ein klarer Trend beim Bordnetz Kongress 2021: Die Automatisierung der Bordnetzentwicklung.

Program Chairman Prof. Dr. Mathias Rausch von der Hochschule Landshut übernahm die Begrüßung und moderierte gemeinsam mit Prof. Götz Roderer, ebenfalls von der Hochschule Landshut, und Dr. Max Ungerer von ProSTEP iViP, das Vortragsprogramm.

Die Projekte der Innovationsinitiative Leitungssatz

Direkt nach der Begrüßung sprach Georg Schnauffer, Forschungskoordinator von ARENA 2036 (»Active Research Environment for the Next generation of Automobiles«) in seiner Keynote über die Bedeutung der »Innovationsinitiative Leitungssatz (IILS)«.

Die Initiative, in der Unternehmen der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten, um Rahmenbedingungen für eine signifikante Steigerung des Automatisierungsanteils in der Leitungssatz-Fertigung zu schaffen, entstand 2019 unter dem Dach von ARENA 2036. Ein Kernelement der gemeinsamen Arbeit ist die Definition der Gestaltungsrichtlinien für das Leitungssatz-Design, die inzwischen bei der DIN zur Standardisierung eingereicht sind.

Mit der Keynote, in der Schnauffer allgemein über die »Innovationsinitiative Leitungssatz« informierte, gab er eine Einführung in die darauffolgenden Vorträge zu IILS. Diese beleuchteten jeweils die Ergebnisse eines IILS-Teilprojekts und ließen ein besonders großes Interesse der Teilnehmer erkennen.

Christian Infanger von Komax ging in seinem Vortrag auf das Teilprojekt »Design Rules für die Automation des Leitungssatzes« ein, Dr. Martin Pöschl von BMW diskutierte das Teilprojekt »Digitale Produktbeschreibung« und dessen Ergebnisse. Als nächstes präsentierte Matthias Otte von Komax die Erkenntnisse des Teilprojekts »Automatisierung der Qualitätsprüfung« und Matthias Paukner von KUKA berichtete über das Teilprojekt »Automatisierte Montage des Leitungssatzes im Fahrzeug«.

Busprotokolle und Signalintegrität

In der parallelen Session zu den vier ARENA2036-Vorträgen gab Magnus Hell von Infineon derweilen eine Einführung in das Protokoll CANXL und den CA SIC XL Transceiver. Anschließend berichtete Yao Yao über die Anstrengungen einer Special Interest Group von CAN in Automation, mit CAN FD Light ein Protokoll basierend auf CAN FD zu entwickeln.

Dr. Tobias Islinger und Dr. Jens Repp, beide Infineon, hielten gemeinsam einen Vortrag über die Signalintegrität in Fahrzeugnetzwerken. Sie machten auf die physikalischen Rahmenbedingungen in Netzwerken aufmerksam, damit Netzwerkarchitekturen künftig in der Lage sind, noch effizientere Topologien zu entwerfen. Zum Abschuss der Session widmeten sich Jürgen Schachtschneider und César Esteban, beide KDPOF, dem Thema Multi-gigabit Networking und erklärten, warum hierfür ein vollständiges optisches Kommunikationssystem nötig ist.

In der Mittagspause gab es noch einen zusätzlichen Sponsored Track: Gerhard Angst von Concept Engineering sprach darüber, wie der digitale Bordnetz-Zwilling den Kfz-Service beschleunigen kann.

Entwurfsprozess und automatisierte Fertigung

Am Nachmittag ging es in zwei parallelen Sessions weiter. Die VEC-Day-Nachmittags-Session beschäftigte sich – wie auch die ARENA2036-Vorträge – mit dem Entwurfsprozess und der automatisierten Fertigung.

Das Vortragsthema von Julian Schäfer, Mercedes-Benz, war die »Entwurfsmethodik für ein leitungssatzoptimiertes E/E-Package im Gesamtfahrzeug«. Es folgten Vorträge von Uwe Prüfer, smartCable zu »VEC: Türöffner zum modellbasierten Prozess«, von Johannes Becker, 4soft zu »Der VEC: Mehr als ‚nur‘ ein Datenaustauschformat« sowie von Roland Roschka, RLE Mobility zu »Maschinelle Konstruktion von Leitungssätzen mittels graphenbasierter Entwurfssprachen«.

Entwurfsmethoden und Beschreibungsansätze

Bei der anderen Nachmittags-Session standen »Entwurfsmethoden und Beschreibungsansätze« im Mittelpunkt. So diskutierte Lars Braun von Bosch eine »Methode zur Sicherstellung der Versorgung von sicherheitskritischen elektrischen Verbrauchern bei der Maximierung der Verfügbarkeit«. Ömer Tan von IAV zeigte eine »Deep-Reinforcement-Learning-basierte Energiemanagement-Strategie in elektrischen Energiebordnetzen« auf.

Ein weiterer Vortrag – von Dr. Karl Dvorsky und Prof. Dr. Hans-Dieter Ließ, beide Physical Software Solutions – lieferte eine »Einheitliche Beschreibung elektrischer Komponenten zur thermischen Simulation im Bordnetz«. Den letzten Vortrag der Session bildete der Bericht von Dr. Andreas Böhm, Bayern Innovativ, über den »Arbeitskreis und Leitfaden ASIL-Metrik im Bordnetz«.

Digitale Zwillinge in der Bordnetz-Entwicklung

Zum Abschluss des Kongresstages durften sich die Teilnehmer auf die Keynote von Michael Richter, Siemens, zum Thema »Bedeutung der digitalen Zwillinge entlang der Leitungsstrang-Wertschöpfungskette« freuen. Richter erklärte, dass modellbasierte Entwicklung zunehmend zu einem Kernthema der Automobilentwicklung wird und digitale Zwillinge das Produkt folglich entlang der gesamten Wertschöpfungskette begleiten sollten. Um das reibungslose Zusammenspiel der digitalen Zwillinge zu ermöglichen, müssen jedoch die Ingenieure aller Disziplinen über ihre Silogrenzen hinaus datentechnisch kollaborieren. Hierzu ist es nötig, Medienbrüche in der Datenübermittlung sowie mangelnde Rückverfolgbarkeit zu beseitigen.

Aktuell arbeiten bereits diverse Gruppen daran, diese Entwicklungsprozesse in den Fahrzeugprojekten zu standardisieren. Ziel ist es, die nötigen Prozesse und Software-Lösungen bei Automobilherstellern, Zulieferern und Werkzeugherstellern zu etablieren und unternehmensübergreifend zu verzahnen.

In den Pausen zwischen den Vorträgen bot die Plattform die Möglichkeit zum Networking zwischen Teilnehmern und Referenten.

Der Bordnetz Kongress 2022

Für das kommende Jahr plant die Elektronik automotive dann wieder ein Live-Event. Dieses wird voraussichtlich im September 2022 an der Hochschule Landshut stattfinden – genau wie die früheren Bordnetz Kongresse. Der genaue Termin steht noch nicht fest.


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