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Probleme wegen des Halbleiter-Mangels

Spediteure fordern Unterstützung von der Automobilindustrie

30. Juli 2021, 14:29 Uhr   |  Kathrin Veigel

Spediteure fordern Unterstützung von der Automobilindustrie
© ELVIS

Kurzfristige Werkschließungen der Autobauer wegen des Chip-Mangels setzen die Transportbranche unter Druck. Die Logistikdienstleister beklagen, unverschuldet auf den entstehenden Ausfallkosten sitzen zu bleiben.

Der Ladungs-Verbund ELVIS verlangt von der Automobilindustrie angesichts des Halbleiter-Engpasses mehr Verständnis für die Situation der Logistikbranche und ruft die Autobauer zu Gesprächsbereitschaft und einer anteiligen Übernahme der durch spontane Werksschließungen entstehenden Ausfallkosten auf.

Wegen der anhaltenden Versorgungsschwierigkeiten schließen viele Hersteller immer wieder spontan ihre Produktionswerke. Für die beauftragten Transportunternehmen ist dies problematisch, da sie die ihr für Linieneinsätze geschultes Personal und das speziell angepasste Equipment nicht kurzfristig anderweitig einsetzen können. Die betroffenen Unternehmen werden vor vollendete Tatsachen gestellt, sämtliche Ausfallkosten bleiben unter dem Deckmantel produktionsbedingter Schwankungen bei den Spediteuren hängen.

»Unangekündigte Werksschließungen und die kurzfristige Verschiebung geplanter Produktionsruhen, wie sie wegen der mangelnden Verfügbarkeit von Halbleitern seit vielen Monaten an der Tagesordnung sind, setzen die Transportwirtschaft massiv unter Druck«, kritisiert Nikolja Grabowski, Vorstand der Europäischer Ladungs-Verbund Internationaler Spediteure (ELVIS). Grund für die Versorgungskrise seien zum einen Engpässe bei den Rohstofflieferanten sowie hoher Wettbewerbsdruck der durch vermehrtes Home-Office begünstigten Tech-Branche. »Wir sehen aber auch, dass viele Automobilhersteller wegen coronabedingt stillstehender Fließbänder ihre Bestellungen reduziert oder teilweise sogar storniert haben. Diese Produktionen können nun nicht ohne weiteres wieder anlaufen«, erklärt Grabowski.

Spediteure fühlen sich mit der schwierigen Situation allein gelassen

Das sprunghaft wechselnde Geschäft, insbesondere mit kaum Vorlauf kommunizierte Schließperioden von nur wenigen Tagen, stellten die betroffenen Fuhrunternehmen vor eine unlösbare Aufgabe: Die gesamte Transportkette ist eng getaktet und individuell auf den jeweiligen Kunden zugeschnitten, häufig sind kontraktlogistische Dienstleistungen vorgeschaltet. Selbst wenn gewollt, könnten spontan freiwerdende Ressourcen in so kurzer Zeit nicht einfach andernorts eingesetzt werden.

»Dazu kommt, dass die Fahrzeuge mit speziellen Vorrichtungen für die entsprechenden Vorprodukte ausgerüstet sind. Zudem können die Unternehmen ihr teils extra für solche Aufträge angestelltes und geschultes Personal nicht plötzlich im Fernverkehr einsetzen«, so der ELVIS-Vorstand. Die Folge seien kostspielige Standzeiten der Lkw, für die sich die Automobilindustrie offenbar nicht verantwortlich fühle: »Hierbei handelt es sich nicht um erwartbare Produktionsschwankungen, sondern eine deutliche Reduzierung der vertraglich vereinbarten jährlichen Arbeitstage, die Grundlage jeglicher Kalkulationen sind«, sagt Grabowski.

Wann sich die Lage entspannt, sei derzeit nicht abzusehen. Viele Experten rechnen damit, dass die Auswirkungen noch 2022 spürbar sind. Der ELVIS-Vorstand wirbt daher um Verständnis für die Lage der Spediteure: »Die Situation ist für viele Transportunternehmen wirtschaftlich nicht länger tragbar. Wir fordern einen Dialog über die Folgen des Vorgehens und eine zumindest anteilige Übernahme der Ausfallkosten durch die Hersteller«, so Grabowski.

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