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Vision aus dem Übermorgen

Was erwarten Porsche-Fahrer vom Interieur der Zukunft?

27. Juli 2021, 09:19 Uhr   |  Irina Hübner

Was erwarten Porsche-Fahrer vom Interieur der Zukunft?
© Porsche

Äußerlich futuristisch und kantenfrei – innen eine modulare Reisekabine. Das ist die Porsche-Designstudie »Renndienst«, ein Van für bis zu sechs Personen.

In dem Buch Porsche Unseen veröffentlichte der Sportwagenhersteller kürzlich 15 bislang geheime Designstudien, darunter auch die Vision »Renndienst«. Im Namen trägt der Van für bis zu sechs Personen eine Reminiszenz an den VW-Renndienst-Transporter, der einst dem Werksrennteam als Servicewagen diente.

Die Porsche-Vision »Renndienst«

Innenraum der Porsche-Studie »Renndienst«. Die Designer von Style Porsche in Weissach reisen gedanklich weit in die Zukunft der Mobilität. Sie denken und gestalten Visionen für übermorgen, um daraus Schritte für das Morgen abzuleiten.
Raumkapsel: Der Karosseriekörper entstand als Konsequenz des modularen Innenraums.
Asymmetrie: Sichtschutz auf der linken Seite und eine große Schiebetür auf der rechten.

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Interieur der Zukunft

»Wir haben überlegt, wie wir einem Innenraum, der so weit weg ist vom klassischen Sportwageninterieur, dennoch eindeutig Porsche-Flair verleihen können. Und wie sich autonomes Fahren gestalten ließe«, erklärt Porsche-Designchef Michael Mauer. Der zweite Aspekt ist durchaus diskussionswürdig. Stehen Sportwagen doch für Selbstbestimmung. »Wir gehen nicht davon aus, dass unsere Kunden das Lenkrad aus der Hand geben möchten«, sagt Mauer. Aber um Zukunft frei denken zu können, müssen Grenzen überschritten werden. So sei die zentrierte Fahrerposition im »Renndienst« entstanden.

»Wenn ich fahren möchte, habe ich mehr Cockpitgefühl als in jedem anderen Auto. Und wenn nicht, lässt sich der Fahrersitz um 180 Grad drehen – mit einem Schwenk wendet er sich den übrigen Passagieren zu. Diese Grundgedanken haben wir etwa ein Jahr lang materialisiert«, führt der Designchef aus.

Das Gesamterlebnis UX widmet sich bei der Innenraumgestaltung dem digitalen Lifestyle sowie der Beziehung zwischen Fahrer, Passagieren und Fahrzeug. »Mit dem Taycan haben wir gezeigt, wie sehr wir nach vorne denken«, sagt Ivo van Hulten, Director of User Experience Design (UX). »Jetzt beschäftigten wir uns mit einer möglichen nächsten Gesamtinnovation. Hierfür haben wir von innen nach außen gedacht und gearbeitet.«

Geborgenheit und Komfort

Die Seitenfenster sind asymmetrisch gestaltet. »Eine Seite ist geschlossen, die Passagiere können sich dort zurückziehen«, erklärt Interieur-Designchef Markus Auerbach. »Die andere ziert eine große Fensterfront für den ungetrübten Blick nach draußen. Wenn wir die Türen schließen, fühlt sich der Innenraum wie eine schützende Kapsel an.«

Geborgenheit und Komfort dominieren das modulare Interieur. Die Passagiere der ersten Reihe sitzen rechts und links versetzt in ergonomisch geformten Schalen. Sie genießen den ungehinderten Blick nach vorne und auf ihre eigenen Bildschirme am Armaturenbrett. Die Kopfstützen der Rückbank sind schwebend installiert, das erlaubt eine freie Sicht durch die Heckscheibe. Den Luxus des wandelbaren Raums ermöglicht die Antriebstechnologie: vollelektrisch und im Unterboden versteckt.

Erfolgsfaktor UX

Ivo van Hulten beschäftigt sich mit der zukünftigen Kundschaft – der Generation Smartphone. »Früher war der Hunger nach etwas Neuem mit dem Erwerb des Produkts gestillt. Heute sind viele junge Menschen nicht mehr nur fasziniert von der Ästhetik eines Produkts, sondern von den Möglichkeiten, die es ihnen bietet.« Die Ästhetik des Interieurs hänge also von viel mehr Faktoren ab als von Formen und Materialien.

»Die Fragen lauten: ‚Ist das Interieur modular genug, um sich auch ein paar Jahre nach dem Kauf veränderten Lebensumständen anzupassen? Kann ich aus der Ferne rund um die Uhr Updates durchführen?‘« Van Hulten ist zuversichtlich, Antworten in Form einer neuen Ästhetik zu finden.

Kollege Markus Auerbach ergänzt: »Ein Auto ist ein Raum, der sich bewegt, ob ich selbst fahre oder nicht. Die Sitze in diesem Van sind für Bewegungen konzipiert worden, sie halten und unterstützen den Körper.« Er deutet vom Sportsitz in der zweiten Reihe auf die Rückbank, die an eine Lounge erinnert. »Die Bank lässt durch die gebogenen Seiten einen anderen Sitzwinkel zu, wir können uns einander zuwenden. Sie ist ein besonders kommunikativer Bereich mit Relax-Charakter, bietet alternative Sitzpositionen zum Reden, Arbeiten und Entspannen.«

Materialien der Zukunft sind für den 57-Jährigen unter anderem nachwachsende Rohstoffe wie Holz, neu interpretiert und kombiniert mit Metallen oder nachhaltigen Kunststoffen. Außerdem setzt Auerbach auf sogenannte Smart Materials, die etwas Besonderes können – zum Beispiel auf externe Faktoren reagieren und sich selbst illuminieren, ohne direkt beleuchtet zu werden. Oder Materialien, die ihre Formen wiederholt ändern, sodass sie perfekt zur Ergonomie der Insassen passen.

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