Schwerpunkte

Digital gesteuerte Verkehrsrouten

Öffentliche Navirouten verhindern Staus

10. Dezember 2020, 08:00 Uhr   |  Irina Hübner

Öffentliche Navirouten verhindern Staus
© LightAndShare | Shutterstock.com

Verkehrsforscher halten ein Ende verstopfter Straßen für möglich: Navigationsdienste mit »öffentlicher Routenführung« sollten zunächst Fahrzeugflotten von Lieferdiensten, Carsharing-Anbietern oder Taxi-Unternehmern digital vernetzt durch die Straßen leiten. So könnten sich Staus auflösen lassen.

»Wenn der fließende Verkehr einer von der Stadt in Echtzeit vorgeschlagenen Route folgt wird es möglich, eine knappe Ressource wie die Straße effizienter zu nutzen«, erklärt Gerd Gröbminger von Kapsch TrafficCom. »Damit lassen sich Fahrzeuge über eine digital gesteuerte Verkehrsführung der Stadt so im Straßennetz verteilen, dass es an Engpässen gar nicht erst zu Staus kommt. Eine aktive Verschmelzung dieser kooperativen Navigation mit bestehenden Verkehrsmanagementsystemen maximiert diesen Effekt. Die kritische Masse an Fahrzeugen, die in eine Routenänderung eingebunden werden müssen, ist dabei schneller erreicht als oftmals angenommen.«

Anreize für Teilnahme an der kooperativen Navigation schaffen

Um eine solche kritische Masse zu erreichen, bieten sich in einem ersten Schritt Fahrzeugflotten als Partner der Städte an. Bislang sind diese meist unkoordiniert unterwegs. Für Taxis, Lieferdienste oder Carsharing-Anbieter ließe sich die Teilnahme an der kooperativen Navigation beispielsweise steigern, indem Verkehrsbehörden im Gegenzug Erleichterungen erlauben. Zu den Anreizen könnte unter anderem zählen, Bus-Spuren für die Fahrzeuge freizugeben oder kurzfristig freies Parken zu erlauben. Fahrzeuge der Stadtreinigung, Grünanlagenpflege oder sonstiger Behördendienste lassen sich ebenfalls einbinden.

Einbindung der Bürger von Anfang an

Darüber hinaus sollte Bürgerinnen und Bürgern das digitale Verkehrsleitsystem ebenfalls von Anfang an offenstehen, um den Paradigmenwechsel möglichst flächendeckend umzusetzen. Der Vorteil für alle: Die Gesamtbelastung durch Staus verringert sich deutlich, die Vorhersagequalität wird signifikant verbessert. So können Informationen über lokale Baustellen, besondere Events oder kurzfristig eintretende Verkehrshindernisse für die bestmögliche Streckenführung berücksichtigt und dem Fahrer individuell mitgeteilt werden. Das Phänomen bei Staus ist, dass nur sehr wenige Fahrzeuge ausreichen, um einen Stillstand im Verkehrsfluss auszulösen. Wenn diese kritische Anzahl an Autos oder LKWs rechtzeitig auf eine alternative Route umgeleitet wird, sinken die Stauquoten bereits deutlich.

Flotten sind in der Regel bereits mit Navigationstools ausgestattet. Zudem hat fast jeder private Autofahrer inzwischen ein Handy mit Ortungs-Programmen an Bord. Auf dieser Basis lässt sich ein solches Verkehrsmanagementsystem in einer Stadt sehr zügig und kostengünstig installieren.

ÖPNV erst in fünf Jahren wieder auf Vorkrisenniveau

Kapsch hat in Metropolen wie Madrid, Buenos Aires oder San Francisco mit digital gesteuerten Mobilitätskonzepten bereits große Erfolge erzielt. »Wir gehen davon aus, dass die gegenwärtige Renaissance des Individualverkehrs anhalten wird und der öffentliche Nahverkehr erst in etwa fünf Jahren das Vorkrisenniveau erreicht. Bis dahin suchen die Menschen als Reaktion auf die Corona-Pandemie Sicherheit und sitzen lieber im Auto als in überfüllten Bussen oder Bahnen. Städte sollten ihre Mobilitätskonzepte der Zukunft auf diese neue Ausgangslage anpassen. Eine Verknüpfung bestehender Verkehrsinfrastrukturen mit kooperativer Navigation ist für diesen Zweck ein wichtiger Start.«

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