Studie »Einfach Laden an Rastanlagen«

Darauf kommt es bei Lade-Hubs für E-Lkws an

21. September 2022, 10:36 Uhr | Kathrin Veigel
NOW Elektro-Lkw Ladeinfrastruktur
Der Umstieg auf Elektromobilität kann auch bei schweren Nutzfahrzeugen nur mit einer verlässlichen und bedarfsgerechten Ladeinfrastruktur gelingen.
© scharfsinn86/Adobe Stock

Damit bald verstärkt Elektro-Lkw im überregionalen Verkehr zum Einsatz kommen können, ist der Aufbau eines bedarfsgerechten Ladenetzes nötig. Diese Ladeinfrastruktur sowie ihre Integration in die Stromnetze hat nun eine neue Studie im Auftrag der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur untersucht.

Um die Klimaziele der Bundesregierung zu erreichen, müssen auch Nutzfahrzeuge klimafreundlicher werden. Bis 2030 soll etwa ein Drittel der Fahrleistung im Güterverkehr auf der Straße durch alternative Antriebe erfolgen. Ein wesentlicher Lösungsansatz ist der Umstieg auf batterieelektrische Lkw.

Für ihren erfolgreichen Einsatz auch auf langen Strecken muss nicht nur ein bedarfsgerechtes Ladenetz neu errichtet, sondern auch dessen Anbindung ans Stromnetz von Beginn an mitgedacht und geplant werden. So muss bei einem Anschluss ans Hochspannungsnetz eine Vorlaufzeit von fünf bis zehn Jahren berücksichtigt werden.

Die Studie »Einfach Laden an Rastanlagen« richtet den Fokus auf Fragen des Netzanschlusses für E-Lkw-Lade-Hubs und betrachtet dabei drei verschiedene prototypische Standorte, die sich je nach Verkehrsaufkommen von Schwerlastfahrzeugen unterscheiden. Sie wurde im Auftrag der Nationalen Leitstelle Ladeinfrastruktur von der Energiedenkfabrik ef.Ruhr durchgeführt.

Ziel der Studie ist eine strukturierte Aufbereitung wesentlicher Kriterien und Aspekte, die mit Blick auf das Netz bei der Auswahl, Bewertung und Planung von Lade-Hubs entlang des Autobahnnetzes berücksichtigt werden müssen. Betrachtet wurden prototypische Lade-Hubs an international bedeutsamen Verkehrsachsen (Magistralen), an Standorten mit mittlerem Verkehrsaufkommen sowie an bislang unbewirtschafteten Rastplätzen mit geringerer zu erwartender Nachfrage.

Aus Prognosen darüber, wie viele Ladepunkte mit wie viel Leistung in den kommenden Jahren 2027, 2030 und 2035 an den drei prototypischen Lade-Hubs benötigt werden, leiten die Autoren der Studie konkrete Anforderungen für den Anschluss an das Stromnetz ab.

Spätestens 2035 sind Hochspannungsanschlüsse nötig

Die Studie macht deutlich, dass an hochfrequentierten Standorten spätestens ab 2035 ein Anschluss ans Hochspannungsnetz erforderlich wird. Ebenso lässt die Studie Rückschlüsse zu, wann der Anschluss an das Mittelspannungsnetz ausreichend ist und welche Anforderungen an das Netz bei der Entwicklung eines deutschlandweiten Ladeinfrastrukturnetzes für schwere Nutzfahrzeuge zu berücksichtigen sind. Die Studie macht zudem das große Potential eines Lademanagements deutlich.

Für eine rechtzeitige Bereitstellung der Netzanschlüsse ist es nötig, die Netzbetreiber stärker in den Prozess der Netzplanung und Standortfindung für Lade-Hubs einzubinden. Dies wurde auch in Interviews mit ausgewählten Netzbetreibern deutlich, die im Rahmen der Studie geführt wurden.

Neue Überblicksdarstellung Ladeszenarien für schwere Nfz

Die Leitstelle hat zudem eine neue Überblicksdarstellung entwickelt, die das Gesamtsystem der unterschiedlichen Ladeszenarien für schwere Nutzfahrzeuge zeigt. Unterteilt nach öffentlicher und nicht-öffentlicher Zugänglichkeit werden die sieben typischen Ladeorte beziehungsweise -szenarien für schwere batterieelektrische Nutzfahrzeuge in einer jetzt veröffentlichten Landkarte der Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur dargestellt.

Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur schwere Nutzfahrzeuge
Überblicksdarstellung zu verschiedenen Ladeszenarien für schwere Nutzfahrzeuge
© Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur

Dazu zählen im nicht-öffentlichen Raum: unternehmenseigene Betriebsgelände, fremde Betriebsgelände und Depots und mobile Ladepunkte. Im öffentlichen Raum sind es: Lade-Hubs in Gewerbegebieten, Lade-Hubs an Achsen beim Nachtladen und längeren Pausen sowie Lade-Hubs an Achsen beim Zwischenladen und Lenkpausen. Laden an Umschlagpunkten findet sowohl im öffentlichen als auch im nicht-öffentlichen Raum statt.

Aus den Szenarien leiten sich unterschiedliche technische Anforderungen und Nutzerbedürfnisse ab, die es beispielweise bei zukünftigen Förderinstrumenten zu berücksichtigen gilt. In all diesen Szenarien muss künftig das Laden für E-Lkw einfach möglich sein, und daher frühzeitig Ladeinfrastruktur aufgebaut werden.

Umsetzung im Rahmen des Gesamtkonzepts klimafreundliche Nfz

Bis 2030 soll etwa ein Drittel der Fahrleistung im schweren Straßengüterverkehr elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe erbracht werden. Heute verursacht der Straßengüterverkehr rund ein Drittel der CO2-Emissionen des Verkehrssektors.

Zudem ist das Angebot an schweren Nutzfahrzeugen mit alternativen Antrieben noch sehr gering und die erforderliche Tank- und Ladeinfrastruktur noch nicht vorhanden. Mit dem Gesamtkonzept klimafreundliche Nutzfahrzeuge zeigt das BMDV den Weg auf, wie die Dekarbonisierung des Straßengüterverkehrs erreicht werden kann.


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