Schwerpunkte

Halbleiterhersteller

Wie wirkt sich die Konsolidierung auf die Kunden aus?

16. Dezember 2016, 11:38 Uhr   |  Iris Stroh

Wie wirkt sich die Konsolidierung auf die Kunden aus?
© Markt & Technik

Markt&Technik-Forum Halbleiter

2016 ist dem Trend von 2015 gefolgt: Die Konsolidierung in der Halbleiterbranche ging in großen Schritten weiter. Fast kein Halbleiterhersteller ist mehr vor einer Übernahme sicher – von ein paar ganz wenigen Ausnahmen abgesehen.

Die Kunden müssen sich also darauf einstellen, dass langjährige Partner einfach verschwinden – eine beunruhigende Vorstellung?

Bei unserem letzten Halbleiterforum waren vier von sieben Teilnehmern direkt von der Konsolidierungswelle betroffen, entweder als Käufer oder als Gekaufter. Inwieweit die Konsolidierung zu einer Verunsicherung im Markt führt, bewerten sie ganz unterschiedlich. Jürgen Weyer beispielsweise, Vice President Automotive Sales EMEA bei NXP Semiconductors, der mit seinem Unternehmen quasi von einer Übernahme in die nächste schlittert (Anfang des Jahres wurde Freescale durch NXP übernommen, jetzt steht die Übernahme von NXP durch Qualcomm bevor), sieht keinen Grund für eine Verunsicherung – zumindest in Hinblick auf die „Zweifach-Konsolidierung“ von Freescale/NXP/Qualcomm. Bei der Übernahme von NXP und Freescale habe es erstens kaum Überlappungen auf der Produkteseite gegeben. Damit war schon mal die Gefahr einer umfassenden Bereinigung des Produktspektrums gebannt, aus Kundensicht sicherlich ein wichtiger Punkt. Zweitens sei die NXP-Freescale-Übernahme von Vorteil für die Kunden, denn damit könne das Unternehmen dem Wunsch nach umfassenderen Systemlösungen besser nachkommen. Folglich: »Das Feedback seitens unserer Kunden war überaus positiv«, so Weyer.

Und die jetzt bevorstehende Übernahme durch Qualcomm? Hier dürfte der eine oder andere Kunde zumindest Fragen haben. Klar, damit ist nicht die Automobilindustrie gemeint, denn genau der Automotive-Bereich von NXP war ausschlaggebend, dass Qualcomm NXP übernommen hat. Weyer: »Das Auto kommt als größter Knoten im IoT in Zukunft hinzu. Und hier ergänzen sich die Kernkompetenzen von Qualcomm und NXP, und es gibt keine Überlappungen im Produktspektrum. Ich stehe der Übernahme also sehr positiv gegenüber, und das bisherige Feedback unserer Kunden war genauso.« Außerdem profitierten auch in diesem Fall die Kunden, allerdings aus einem anderen Grund: Zukünftige Innovationen sind extrem kostenintensiv. Um das stemmen zu können, muss ein Unternehmen eine gewisse Marktposition und den entsprechenden Umsatz haben. Weyer: »Economy of Scale spielt in der Halbleiterindustrie immer noch eine Rolle. Durch die Übernahme durch Qualcomm haben wir die finanzielle Kraft, um komplexe Themen wie vollautomatisiertes Fahren adressieren zu können.«

Aber NXP ist ja nicht nur im Automotive-Markt aktiv, immerhin kommen 60 Prozent des Umsatzes aus Segmenten jenseits der Automobil-Industrie. Wie sieht es damit aus? Ist Qualcomm daran auch interessiert? Doch auch in diesem Fall ist Weyer zuversichtlich. Die Stärke von Qualcomm bei Wireless-Geräten füge sich hervorragend in die anderen Kernkompetenzen von NXP ein: Das Know-how im Networking-Segment und bei den HF-Technologien passe hervorragend zu Wireless. Und Security/Connectivity sei ein Thema, das in Automotive-, Industrie- und IoT-Applikationen immer wichtiger werde. Weyer: »Das Thema Security hat bei der Übernahme sicherlich auch eine entscheidende Rolle gespielt, denn in Zukunft gibt es fast keinen Bereich mehr, in dem Security kein Rolle spielt.«

Nicht ganz so positiv beurteilt Norbert Siedhoff, Geschäftsführer und European Sales Director von Microchip Technology, die Situation. Er glaubt zwar nicht, dass die Kunden schon nervös sind, aber die Sensibilität gegenüber dem Thema „langfristige Partnerschaft“ würde steigen. Das zeige sich allein schon daran, dass Kunden heute viel stärker auf die finanzielle Stabilität des Halbleiterunternehmens achten, um sich sicher zu sein, dass man auch in fünf Jahren noch auf den Partner zurückgreifen kann.

Allerdings zeigt das Beispiel mit Linear Technology, dass auch dieser Punkt keine Garantie gibt: Linear Technology ist eines der gesündesten Unternehmen, und wahrscheinlich hatte kaum jemand erwartet, dass das Unternehmen gekauft wird, und dennoch wurde es von Analog Devices übernommen. Also stellt auch finanzielle Stabilität keine Sicherheit mehr vor einer Übernahme dar.

ROHM, Günter Richard
© Markt&Technik

Günter Richard, Rohm Semiconductor: »Durch die Konsolidierungswelle reduziert sich die Anzahl der Halbleiterhersteller und damit natürlich auch der Wettbewerb.«

Seite 1 von 4

1. Wie wirkt sich die Konsolidierung auf die Kunden aus?
2. Großkunden sind sicher, aber wie sieht es mit den kleineren Unternehmen aus?
3. Wie kommen die Mitarbeiter bei Übernahmen zurecht?
4. Vom Broadliner - zum Spezialisten - zum Broadliner?

Auf Facebook teilen Auf Twitter teilen Auf Linkedin teilen Via Mail teilen

Das könnte Sie auch interessieren

Verwandte Artikel

Analog Devices GmbH, NXP Semiconductors Germany, Freescale Halbleiter Deutschland GmbH, QUALCOMM CDMA Technologies GmbH, Microchip Technology GmbH, Linear Technology GmbH, INFINEON Technologies AG Neubiberg, STMicroelectronics GmbH, ROHM Semiconductor GmbH, ATMEL Corporation, Texas Instruments Deutschland GmbH