Interview: Digitaler Gesundheitspreis

»Das E-Health-Gesetz muss mit Leben gefüllt werden«

22. März 2018, 13:00 Uhr | Melanie Ehrhardt
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»Kein Ersatz, sondern sinnvolle Therapieergänzung«

1.    Zunächst einmal herzlichen Glückwunsch! Wie soll es für Sie jetzt nach dem Gewinn weitergehen? Was sind die nächsten Schritte?
Dr. Elena Heber*: Herzlichen Dank. Der Digitale Gesundheitspreis 2018 unterstützt uns dabei, unserer Vision zu folgen, die Versorgungslandschaft psychischer Beschwerden nachhaltig zu verbessern, Betroffene früher zu erreichen und so, Chronifizierungen zu verhindern und natürlich Kosten dadurch auch zu senken. Der Preis hilft uns auch noch mehr Menschen über die Möglichkeit der flexiblen Inanspruchnahme von evidenz-basierten Internet-basierten Interventionen zur Förderung der psychischen Gesundheit zu informieren.

 

2.    Was sind aus Ihrer Sicht die größten Hürden, um als Unternehmen/ mit einer Entwicklung in so einem sensiblen Markt wie der Medizin erfolgreich zu sein?
Der Markt an Internet- und mobil-basierten Interventionen zur Förderung psychischer Gesundheit hat sich in den letzten Jahren rasant entwickelt. Zahlreiche wissenschaftliche Studien zeigen, dass klinisch-psychologische Interventionen zur Prävention und Behandlung psychischer und körperlicher Störungen ein großes Potenzial aufweisen. Um wirksame Angebote auch erfolgreich in der Praxis zu implementieren, gilt es das Vertrauen der Stakeholder und Betroffenen in die Maßnahmen zu gewinnen. Außerdem bleibt zu klären, welches geeignete Abrechnungsmodelle sind, um eHealth Angebote systematisch in die Versorgungslandschaft zu integrieren. Dabei wäre es erstrebenswert, wenn die Kosten ausschließlich für Angebote übernommen werden, deren Wirksamkeit sich in qualitativ hochwertigen wissenschaftlichen Studien erwiesen hat.

 

3.    Die Digitalisierung hat eine ganze Reihe von Innovationen hervorgebracht, auch für die Medizin. Was glauben Sie, wird sich – sofern es die Regularien zulassen – in den nächsten Jahren wirklich durchsetzen?
In zahlreichen Ländern, wie zum Beispiel Schweden, Australien und den Niederlanden sind Internet-basierte Angebote bereits in der Routineversorgung etabliert. Die berufsrechtlichen Einschränkungen in Deutschland als auch ethische Bedenken verhindern es derzeit noch, dass entsprechende Interventionen, flächendeckend Eingang ins Versorgungsystem finden. Vielfach erfolgt die Integration solcher Maßnahmen daher im Rahmen von umgrenzten Modellprojekten. Studien zeigen jedoch, dass auch Menschen mit ausgeprägteren Beschwerden von Internet-basierten Interventionen sehr gut profitieren können – vorausgesetzt sie entscheiden sich aktiv für eine solche Behandlung. Auf Basis des aktuellen Forschungsstandes, sollten Internet-Interventionen, die durch geschulte Psychologen und Psychotherapeuten begleitet werden, daher reinen Selbsthilfeansätzen stets präferiert werden. Internet-Interventionen sollten dabei weniger als Ersatz, sondern als sinnvolle Ergänzung des bestehenden Versorgungsangebots in Deutschland verstanden werden.

Neben Get.On durften sich auch die TU Dresden sowie die Circumradius GmbH, Brandenburg, über einen Preis freuen. Mehr Informationen dazu finden Sie hier.

*Dr. Elena Heber ist stellvertretende Geschäftsführerin von Get.On

 

 

 

Die Gewinner des Digitalen Gesundheitspreises 2018: Get.On
Die Gewinner des Digitalen Gesundheitspreises 2018: Get.On
© Novartis

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  2. »Kein Ersatz, sondern sinnvolle Therapieergänzung«

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