Sichere Kommunikation in Echtzeit

Telekom bringt ihren TI-Messenger in die Krankenhäuser

6. Juli 2026, 15:03 Uhr | Elektronik medical (uh)
Der TI-Messenger der Telekom soll Pflege, Ärzte und externe Leistungserbringer direkt und datenschutzkonform in Echtzeit vernetzen – jetzt auch in Krankenhäusern.
© Telekom

Die Telekom erweitert ihr Healthcare-Portfolio und ihren TI-Messenger: Der Gematik-zugelassene Dienst für sichere Echtzeit-Kommunikation kommt jetzt in Kliniken. Mit Matrix-basiertem Backend, Bot-Anbindung und Betrieb in einer nach ISO 27001, BSI C5 und DIN EN 50600 zertifizierten Sovereign Cloud.

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Ein Klinikaufzug fällt nachts aus. Eigentlich müsste die Nachtschwester jetzt jede Kollegin einzeln anrufen. Oder die Notaufnahme braucht in Echtzeit ein freies Bett und hängt stattdessen in der Warteschleife zur Station. Trotz den Fortschritten in der Digitalisierung läuft Kommunikation im Krankenhaus an vielen Stellen noch über Telefon und Pager – während Pflegekräfte und Ärzte im Privatleben längst gewohnt sind, Dinge in Sekunden per Gruppenchat zu klären. Dafür gibt es den TI-Messenger, der als Gematik-zugelassener Kommunikationsdienst diese Lücke schließt. Nun betritt mit der Telekom ein weiterer Anbieter den Markt.

Neuer TI-Messenger für Kliniken

Ganz neu ist der TI-Messenger für die Telekom nicht: Bereits 2025 hat sie ihn bei den Krankenkassen eingeführt, seither ist er neben der souveränen ePA und der digitalen Identität Teil des Health-Portfolios. Neu ist jetzt der Fokus auf Krankenhäuser, Kliniken und große Pflegeeinrichtungen und der damit verbundene Ausbau des Healthcare-Portfolios unter dem neuen COO Uwe Heckert. Gegenüber den bereits auf dem Markt befindlichen TI-Messengern von Cherry Health, Concat oder Akquinet liegt der eigentliche Wettbewerbsfaktor für die Telekom im "Wie" – da setzt der Bonner Magenta-Konzern auf Souveränität und die Anbindung an eigene KI-Services.

Ein Gruppenchat für den Nachtdienst

Der TI-Messenger ist der interoperable Messenger-Dienst der Telematikinfrastruktur, mit dem sich Texte, Fotos, Dokumente und Sprachnachrichten sicher versenden lassen. Das Telekom-Produkt kommt, wie am Markt üblich, als Software-as-a-Service: der Zugriff läuft über Browser oder mobile Geräte, Updates spielt die Telekom automatisiert ein. Chat-Gruppen sollen genau die Szenarien abfangen, die heute noch über Einzelanrufe laufen – vom ausgefallenen Aufzug bis zur schnellen Bettenabstimmung zwischen Notaufnahme und Station.

Abgrenzung zu KIM

Wer mit der Telematikinfrastruktur vertraut ist, kennt bereits KIM, die »Kommunikation im Medizinwesen« – den E-Mail-Dienst der TI für signierte Dokumente wie Arztbriefe, eAU oder Befunde. Der TI-Messenger ist dafür kein Ersatz, sondern eine Ergänzung: Während KIM auf den rechtssicheren Versand formaler Dokumente ausgelegt ist, deckt der TI-Messenger die Ad-hoc-Kommunikation ab – die kurze Rückfrage zwischendurch, die bislang eben doch zum Telefonhörer greifen ließ.

Wissens-Bots statt Rundruf

Möglich macht das eine Funktion, die der TI-Messenger-Standard selbst vorsieht: Chatbots lassen sich als eigene Akteure in die Kommunikation einbinden – bei der Telekom über eine dedizierte Schnittstelle. Ein Dienstplan-Bot beantwortet dann Fragen wie »Wer hat morgen Dienst auf Station 3«, ein Wissens-Bot liefert die Rufnummer der Endoskopie oder den Ablauf bei einer Verlegung auf die Intensivstation – abgeleitet direkt aus den hinterlegten Klinikrichtlinien.

Uew Heckert ist seit Januar 2026 COO des Health-Bereichs der Deutschen Telekom. Er kommt von Philips und will die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit sicheren und vor allem souveränen Angeboten weiter voranbringen.

Uew Heckert ist seit Januar 2026 COO des Health-Bereichs der Deutschen Telekom. Er kommt von Philips und will die Digitalisierung des Gesundheitswesens mit sicheren und vor allem souveränen Angeboten weiter voranbringen.

© Telekom

»Mit dem TI-Messenger bringen wir die Kommunikation im Gesundheitswesen auf ein neues Niveau«, sagt Uwe Heckert, COO Healthcare bei der Telekom. »Eine schnelle Zweitmeinung zur Sonographie oder eine Rückfrage zur Medikation – der TI-Messenger spart lange Wartezeiten über schnelle Echtzeit-Nachrichten.«

Über die Klinikgrenze hinaus

Der Dienst soll nicht an der Haustür des Krankenhauses enden: Schickt ein niedergelassener Arzt eine Sonographie-Aufnahme an eine Kollegin in der Klinik, lässt sich direkt im Chat klären, ob eine Einweisung überhaupt nötig ist – statt Befund und Rückfrage über zwei getrennte Kanäle laufen zu lassen. Auch beim Entlassmanagement profitieren Rückfragen an weiterbehandelnde Ärzte, ebenso Pflegeüberleitung und Befundaustausch. Die Telekom verspricht: Weniger Telefonate, weniger Medienbrüche und dafür schnellere Entscheidungen.

Souveränität als eigentliches Verkaufsargument

Technisch setzt der TI-Messenger in Magenta-Pink auf die Element Server Suite Pro als Backend – eine Matrix-basierte Lösung, die laut Telekom auch beim BundesMessenger der öffentlichen Verwaltung sowie bei Regierungen und Militär im Einsatz ist. Die enge Zusammenarbeit mit Element, den Entwicklern des Matrix-Standards, hebt die Telekom dabei besonders hervor: Kein anderer TI-Messenger-Anbieter kombiniere das laut eigenen Angaben mit einem ISO-zertifizierten Backend in einer souveränen Cloud.

Bereitgestellt wird der Dienst über die Open Sovereign Cloud, alle Daten bleiben in nach ISO 27001, BSI C5 und DIN EN 50600 zertifizierten deutschen Rechenzentren – dieselbe Sovereignty-Karte, mit der die Telekom bereits ihre »Souveräne Patientenakte« positioniert hat. Als Gematik-zugelassener Hersteller und Anbieter reiht sich die Telekom damit in das bereits bestehende, anbieterübergreifend interoperable TI-Messenger-Netz ein – Kliniken kommunizieren also auch mit Versicherten oder Einrichtungen, die einen anderen TI-Messenger-Anbieter nutzen.

Damit wird der TI-Messenger zum jüngsten Baustein der Healthcare-Strategie der Telekom: Neben der »Souveränen ePA« und der Digitalen Identität zahlt er über den Souveränitätsaspekt hinaus auch auf die KI-Services des Bonner Konzerns und seiner Münchner KI-Fabrik ein. (uh)

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