Interview mit Toshihiko Tanaka Socionext: Auf gutem Weg

Toshihiko Tanaka: »Socionext hat diverse Entwicklungsaktivitäten im Bereich Maschinenlernen/KI gestartet. Es gibt in diesem Anwendungssegment auch viele Anfragen für entsprechende Lösungsansätze. Allerdings braucht das alles noch seine Zeit, bis sich das in konkreten Zahlen widerspiegelt.«
Toshihiko Tanaka: »Socionext hat diverse Entwicklungsaktivitäten im Bereich Maschinenlernen/KI gestartet. Es gibt in diesem Anwendungssegment auch viele Anfragen für entsprechende Lösungsansätze. Allerdings braucht das alles noch seine Zeit, bis sich das in konkreten Zahlen widerspiegelt.«

In Socionext ist 2015 das LSI-Geschäft von Panasonic und Fujitsu zusammengefasst worden. Markt&Technik fragte bei Toshihiko Tanaka, President von Socionext Europe, nach, wie sich das Unternehmen bislang entwickelt hat.

Markt&Technik: Wurden die 2015 bei der Gründung des Unternehmens gesetzten Ziele aus heutiger Sicht erfüllt?

Toshihiko Tanaka: In Europa konnten wir beispielsweise unsere Geschäftsmöglichkeiten und Design-Wins durch die Verstärkung unserer Vertriebsressourcen erhöhen. Für dieses und auch die kommenden Jahre planen wir also deutliche Umsatzzuwächse. Anders wiederum sieht es in China aus. Der chinesische Markt wächst langsamer, als wir erwartet haben. Davon sind besonders die ASSPs für Fernseher und ASICs für die optische Übertragung betroffen.

Plant Socionext einen Börsengang?

Ja, geplant ist ein IPO fünf Jahre, nachdem das Unternehmen gestartet ist, also 2020. Allerdings ist bislang noch kein Datum festgelegt.

Warum wurde der erste CEO von Socionext nach so kurzer Zeit ersetzt?

Unser ursprünglicher CEO, Nishiguchi-san, brachte umfangreiche Erfahrungen aus seinen früheren leitenden Positionen in der Industrie mit, die für Socionext bei der Etablierung als unabhängiges Unternehmen mitsamt Implementierung umfassender Managementsysteme essenziell waren. Dieses Ziel wurde nun erreicht. Unser neuer CEO, Masahiro Koezuka, war von Anfang an in Socionext involviert.

Socionext hat sechs Business-Units (BUs). Welche davon ist die umsatzstärkste und welche ist die wachstumsstärkste?

Für den europäischen Umsatz spielen Automotive-ASSPs und ASICs für eine optische Übertragung die wichtigsten Rollen, wenn es um den erzielten Umsatz geht. Handelt es sich um das größte Wachstum in Europa, dann wiederum sind ASICs für Industrieanwendungen, Codecs für die Rundfunktechnik und Bildverarbeitungsprozessoren, kurz ISPs, für Überwachungskameras die Produktgruppen, die am schnellsten wachsen. Der größte Umsatzanteil von Socionext resultiert aus unserem Geschäft mit Custom-SoCs, sprich ASICs für den Consumer-Markt.

In der Summe würde ich aber sagen, dass keine BU überproportional vertreten ist. Ein erfreulicher Trend lässt sich aber feststellen: Die BUs, die sich auf die Entwicklung von ASSPs spezialisiert haben, weisen ein stabiles Umsatzwachstum auf.

Automotive gehört neben der Industrie zu den zwei Absatzmärkten, die im Halbleitermarkt das stärkste Wachstum aufweisen. Partizipiert Socionext als etablierter Automotive-Player von diesem überproportionalen Wachstum?

Allgemein wächst unser Automobilgeschäft im Einklang mit dem Markt. Allerdings haben wir bestimmte differenzierte Produkte, z.B. den APIX-Interface-Chip und die Omniview-Lösung für Surround-View-Anwendungen, bei der wir trotz des harten Wettbewerbsumfelds überdurchschnittliches Wachstum erwarten. Darüber hinaus sehen wir ein starkes Wachstumspotenzial für ASICs im Automobilmarkt, das vor allem durch die Einführung neuer Technologien für das autonome Fahren vorangetrieben wird. Ein Beispiel dafür ist ein Design-Win für eine Lidar-Anwendung.