Noch früher Jagd auf Youngster

31. März 2009, 16:49 Uhr | Christine Demmer, Markt&Technik
Youngster.jpg

Früher hielten die Recruiter unter Hochschulabsolventen und jungen Praktikern Ausschau. Heute setzt die Suche nach Talenten oft schon bei den Studierenden, mitunter sogar bei Oberstufenschülern ein. Um die Besten lange vor der Konkurrenz kennenzulernen und für sich zu reservieren, locken die Betriebe mit Geld.

Wenn sich die Finanzminister neue Abgaben für Private ausdenken, leidet die Wirtschaft immer mit. Denn es dauert bestimmt nicht lange, bis der erste Marktschreier seinen Kunden die Übernahme dieser Kosten anbietet. Bauträger erstatten ihren Kunden die Grunderwerbsteuer, Autohändler bezahlen bis zu drei Jahre lang die Kfz-Versicherung, und die Rechnung für den gesetzlich vorgeschriebenen Energiepass übernimmt – bitte sehr, bitte gleich – der den Vermittlungsauftrag witternde Makler. Die Rückerstattung allfälliger Steuern und Abgaben hat gute Chancen auf den Verkaufsschlager des Jahres.

Weil Ingenieure heute und irgendwann nach der Wirtschaftskrise erst Recht wieder Mangelware sind, denken viele Recruiter momentan in die gleiche Richtung. Der fette Wurm, mit dem sie den Nachwuchs zu ködern hoffen, heißt Studienstipendium. Der Deal geht ganz einfach, wird dem Ingenieurstudenten erklärt: Wir übernehmen Deine Studiengebühren, wenn Du nach bestandenem Examen bei uns anfängst und ein paar Jahre lang für uns arbeitest. Häufig winken sogar höhere Apanagen als die von öffentlicher Seite geforderten 500 Euro je Semester.

Einige Konzerne überweisen ihren Zukünftigen jeden Monat so viel Geld. Das Geschäft rechnet sich für beide Seiten. Notorisch klamme Studenten und Studentinnen müssen nicht kellnern gehen, sondern können sich auf ihr Studium konzentrieren. Und die Recruiter können dank dieser Frühbucherprämie ihre Personalplanung verstetigen und qualitativ optimieren. Denn in den Genuss der Förderung kommen selbstverständlich nur handverlesene Kandidaten.

Im Mai vergangenen Jahres hat sich Dimitrios Petritzikis (24) mit der Stuttgarter M+W Zander GmbH verlobt. Die international tätige Anlagenbaugesellschaft und der künftige Versorgungs- und Umweltingenieur kennen und schätzen einander seit knapp acht Jahren. Die Liaison reifte nachgerade klassisch: Ausbildung zum Konstruktionsmechaniker, erste Schritte in den Beruf, kurzzeitige Trennung zwecks Erwerbs des Fachabiturs, Wiederaufnahme der Beziehung mit dem Praxissemester.

Sich gegenüber dem Wettbewerb durchzusetzen, ist schwer

Im kommenden Herbst wird der Bund besiegelt. Dann steigt Petritzikis fest bei M+W Zander ein und wird an nationalen und internationalen Projekten mitarbeiten. Das Reservierungssystem bei Zander heißt »Student Training and Education Program«, kurz »STEP«, und verfolgt gleichermaßen HR- wie PR-Ziele. »Es wird zunehmend schwer, sich im Personalmarkt gegenüber dem Wettbewerb durchzusetzen«, begründet Michael Keating, Personalleiter bei M+W Zander in Stuttgart. »Einerseits wollen wir uns als global sehr gut aufgestelltes Unternehmen am Markt positionieren, andererseits wollen wir frühzeitig in Kontakt kommen mit den jungen Leuten und sie in internationale Projekte einbeziehen. Das könnte ein Anreiz sein, zu uns zu kommen.«

 


  1. Noch früher Jagd auf Youngster
  2. Spendierhosen mit weit geöffneten Taschen
  3. Technisch begabte Schüler im Visier
  4. Noch früher Jagd auf Youngster