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Frischzellenkur durch Cluster


Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Industrie 4.0 im Nordschwarzwald

Unternehmen und Forschungseinrichtungen aus It’s OWL haben aktuell eine Strategie für die nächsten fünf Jahre entwickelt, das Land Fördermittel in Höhe von 50 Mio. Euro in Aussicht gestellt. Gemeinsam mit den Clusterpartnern werden jetzt neue Projekte entwickelt: Ab 2018 soll es unter anderem darum gehen, aus der Digitalisierung als Gewinner hervorzugehen. Gemeinsam wollen die Clusterpartner neue Smart Services, Geschäftsmodelle und Qualifizierungsangebote entwickeln. Kleine und mittlere Unternehmen sollen dabei unterstützt werden, neue Lösungen zu implementieren. Dabei sollen auch die Nutzer von digitalen Lösungen, also die Beschäftigten, von Anfang an mitgenommen werden.

Das Land NRW und das Clustermanagement erarbeiten derzeit die Fördermodalitäten für die neuen Projekte. Wie in der bisherigen Strategie soll das Netzwerk it‘s OWL dabei einen Eigenanteil von 50 Prozent einbringen, so dass am Ende ein Gesamtprojektvolumen von 100 Mio. Euro erreicht wird. In einem Arbeitsausschuss entwickelt das Clustermanagement gemeinsam mit Vertretern der Clusterpartner Ideen und erste Projekte, die voraussichtlich ab Mitte 2018 starten können. Eine Strategietagung im Dezember soll allen Clusterpartnern die Möglichkeit bieten, Beteiligungsmöglichkeiten zu diskutieren.

Bislang lagen viele „maschinenahe“ Innovationen im Fokus der Clusterprojekte, wie z.B. intelligente Sensorik- und Aktoriklösungen oder Automatisierungskomponenten. Vier neue technologische Herausforderungen stehen an: autonome Systeme, dynamisch vernetzte Systeme, Produkt-Service-Systeme sowie sozio-technische Systeme. Vor diesem Hintergrund soll die Innovationsplattform des Spitzenclusters in Bereiche wie Security & Safety sowie Wertschöpfungsnetze weiterentwickelt werden. Eine „It’s OWL Academy“ soll die Weiterbildung der Mitarbeiter sicherstellen.

Unternehmensgründungen spielen dabei eine zentrale Rolle, genauso wie Nachfolgeprozesse und der zeitgleich stattfindende digitale Wandel. Startups sollen gefördert und ihre Zusammenarbeit mit mittelständischen Unternehmen intensiviert werden.

Zweites Beispiel, noch ganz am Anfang: Nordschwarzwald.

Die Uni Stuttgart plant dort gerade als Außenstelle eine angewandte Fachhochschule mit Forschung und Gründern, mit Unterstützung der dortigen Unternehmen Oest, Arburg, Schmalz, Homag, fischer und L´Orange. Im hintersten Winkel des Schwarzwaldes wird der „Hochschulcampus Nordschwarzwald“ gebaut, der Keimzelle eines Technologiezentrums sein soll, ein Ökosystem aus Industrie, Startups und Hochschulausgründungen. »Da ist der Impetus da, von unten«, lobt Thomas Sattelberger. Der neue Campus soll rund 200 Nachwuchskräften mehrere Studiengänge der Fachrichtung Maschinenbau anbieten, bin hin zum Master: Technologiemanagement mit dem Schwerpunkt Industrie 4.0 wird einer davon sein.

Die Hochschule kooperiert dazu eng und praxisnah mit Unternehmen: etwa wie Echtzeitdaten aus der Produktion der Unternehmen für die Forschung genutzt werden können. Die Master-Studierenden sollen ihre wissenschaftliche Ausbildung unter realen Bedingungen in der Wirtschaft erwerben und auch Führungs- und Managementkompetenzen vermittelt bekommen. »Wir brauchen in den Unternehmen Menschen, die neben exzellentem fachlichen Wissen auch andere Menschen führen können«, erklärte es Prof. Klaus Fischer von der beteiligten Unternehmensgruppe Fischer bei Freudenstadt. Finanziert werden soll der Campus und das wissenschaftliche Personal von der örtlichen Wirtschaft sowie vom Landkreis und der Standortkommune.

Ursächlich für den neuen Campus war die Not der Unternehmen, Talente in den Nordschwarzwald zu bekommen. Sattelberger: »Wenn jetzt noch die Baden-Württembergische Landesregierung Steuererleichterungen für die nächsten acht Jahre in Aussicht stellen würde – jede Wette, dann würden sich auch Startups ansiedeln und die Feinmechanik im Schwarzwald würde Spin-offs ausgründen und vieles mehr. Da könnte etwas beginnen zu blühen.«

CMM
Christopher Meyer-Mölleringhofs Vision: »Freiheitszonen« in Form regionaler Cluster und als Chance für Regionen, attraktiver für junge Leute und Firmengründungen zu werden.
© Markt&Technik

  1. Frischzellenkur durch Cluster
  2. Von der Smart-Product- in die Smart-Service-Welt
  3. Industrie 4.0 im Nordschwarzwald

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