SCDA-Meeting in Schaffhausen

Den Nutzen der Rechenzentren stärker betonen

16. März 2026, 12:38 Uhr | Von Dr. Jörg Schröper, freier Fachjournalist (Redaktion: Corinne Schindlbeck)
Die Schweizer Rechenzentrumsbranche traf sich in Schaffhausen – ausgerechnet am Rheinfall, wo die Kraft des Wassers symbolisch für eines der drängendsten Themen der Branche steht: Energie.
© Jörg Schröper

Bei der vom Infrastruktur-Ausrüster Vertiv mit veranstalteten Konferenz der Swiss Data Center Association (SCDA) in Schaffhausen ging es vor allem um die massiven Veränderungen in der RZ-Infrastruktur, die durch den KI-Boom auf die Branche zukommen: Kühlung, Stromversorgung und Service-Strategien.

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Der seit Jahresbeginn amtierende EMEA-President von Vertiv, Paul Ryan, betonte in Schaffhausen die fundamentale Rolle der Datacenter-Branche für die Digitalisierung an sic
Der seit Jahresbeginn amtierende EMEA-President von Vertiv, Paul Ryan, betonte in Schaffhausen die fundamentale Rolle der Datacenter-Branche für die Digitalisierung an sich – sowie im Speziellen für die Konkurrenzfähigkeit beim Aufbau von KI-Kompetenz im weltweiten Vergleich.
© Jörg Schröper

Die Schweizer Rechenzentrumsbranche traf sich in Schaffhausen - ausgerechnet am Rheinfall, wo die Kraft des Wassers symbolisch für eines der drängendsten Themen der Branche steht: Energie. Eingeladen hatten die Swiss Data Center Association (SCDA) und Vertiv. Überraschend für externe Beobachter: Die Herausforderungen unterscheiden sich kaum von denen in Deutschland.

Sowohl die neu gewählte Führung der SCDA als auch Vertiv-EMEA-Präsident Paul Ryan machten deutlich, wie zentral Rechenzentren für die digitale Transformation geworden sind - und mehr noch: für die internationale Wettbewerbsfähigkeit beim Aufbau von KI-Kompetenzen.

Doch die Engpässe sind bekannt. Wie in Deutschland bremsen auch in der Schweiz vor allem zwei Faktoren den Ausbau neuer Kapazitäten: die Energieversorgung und langwierige Genehmigungsverfahren.

Mit einer gewissen Anerkennung blickt man dabei auf Deutschland, genauer auf Frankfurt am Main, das weiterhin deutliche Wachstumszahlen meldet. Der Vergleich zeigt: Die strukturellen Probleme sind ähnlich - die Dynamik im Markt jedoch unterschiedlich ausgeprägt.

Gleichzeitig ist man sich in der Branche bewusst, dass der KI-Boom nicht frei von Risiken ist. Die Sorge vor einer möglichen Überhitzung bis hin zum Platzen einer „Blase“ schwingt mit.

Dennoch überwiegt der Handlungsdruck. „Dabei sein“ lautet die Devise - wer jetzt nicht investiert, riskiert den Anschluss. Entsprechend fordern Branchenvertreter auch ein Umdenken in der öffentlichen Wahrnehmung: Weg von der Fixierung auf den hohen Energieverbrauch, hin zu einer stärkeren Betonung des volkswirtschaftlichen Nutzens von Rechenzentren.

Kühltechnik wird zur Schlüsseltechnologie

Mit dem KI-Boom verschieben sich die technischen Anforderungen fundamental. Phil Cullerton, Vice President Services EMEA bei Vertiv, beschreibt einen tiefgreifenden Wandel: weg von klassischer Luftkühlung und reaktiver Wartung, hin zu Flüssigkeitskühlung und datengetriebener, vorausschauender Instandhaltung.

Der Grund liegt in der Natur der Anwendungen. KI-Workloads erzeugen hochdynamische Lastprofile, die Leistungsdichten steigen rapide. Racks benötigen immer mehr Energie, die entstehende Wärme wird zur zentralen Herausforderung. Entsprechend müssen auch die Stromversorgungssysteme flexibler werden. Vertiv setzt hier unter anderem auf Systeme wie die Trinergy-Serie, die mit stark schwankenden Lasten umgehen können. Parallel arbeitet das Unternehmen an 800-Volt-Gleichstromlösungen – ein Ansatz, der Effizienzgewinne verspricht, aber neue Fragen bei Sicherheit und Normung aufwirft.

Noch deutlicher zeigt sich der Wandel bei der Kühlung. Flüssigkeitsbasierte Systeme, häufig in hybrider Kombination mit Luftkühlung, setzen sich zunehmend durch. Cullerton spricht von „klinischer Präzision“ - ein Hinweis auf die gestiegenen Anforderungen an Betrieb und Wartung. Denn die Kühlkreisläufe müssen absolut sauber bleiben: Schon kleinste Verunreinigungen können bei hochpreisigen GPUs Schäden in Millionenhöhe verursachen.

Wartung wird datengetrieben

Parallel verändert sich auch das Service-Modell. Statt starrer Wartungsintervalle rückt Predictive Maintenance in den Vordergrund. Vertiv setzt hierfür auf digitale Services wie „Next Predict“, die den Zustand der Systeme kontinuierlich überwachen.
Sensoren erfassen laufend Betriebsdaten – von Vibrationen bis zu thermischen Parametern. KI-Algorithmen analysieren diese Daten und identifizieren potenzielle Störungen, bevor sie auftreten. Wartungseinsätze lassen sich so gezielt planen, Ersatzteile vorausschauend bereitstellen. Das reduziert Ausfallzeiten und entlastet gleichzeitig knappe Personalressourcen.

Planen für die nächste Generation

Wie weit die Entwicklung geht, zeigt ein Blick auf kommende Hardware-Generationen. Für zukünftige KI-Systeme werden Leistungsdichten von mehr als einem Megawatt pro Rack diskutiert – eine Größenordnung, die selbst erfahrene Kühlungsspezialisten vor neue Herausforderungen stellt.

Die Antwort darauf ist eine engere Verzahnung zwischen Infrastruktur- und Chipentwicklung. Vertiv arbeitet nach eigenen Angaben bereits frühzeitig mit KI-Unternehmen zusammen, um mehrere Hardware-Generationen im Voraus zu planen. Ziel ist es, die Infrastruktur nicht nur reaktiv anzupassen, sondern vorausschauend auf kommende Anforderungen auszulegen.

(Interview mit Phil Cullerton nächste Seite)

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