Herr Cullerton, wie realisiert Vertiv die fortschrittliche Art der Wartung konkret?
Bei Vertiv Next Predict handelt es sich um einen KI-gestützten digitalen Service, der den Zustand von Anlagen überwacht und vorhersagt. Dies bedeutet unter anderem, dass wir nicht mehr blindlings viermal oder zweimal im Jahr Wartungsarbeiten an den Geräten durchführen, sondern das System effektiv rund um die Uhr überwachen. So können wir alle Datenpunkte erfassen und mithilfe von Algorithmen, die wir im Laufe unserer langjährigen Tätigkeit entwickelt haben, tatsächlich vorhersagen, wann ein potenzieller Ausfall oder ein potenzielles Problem auftreten könnte.
Handelt es sich um eine separate Lösung oder arbeitet die Software integriert im DCIM?
Nein, es ist eine separate Lösung. Die Gerätedaten werden an eine Cloud-Plattform übermittelt. Dort erfolgt mithilfe von Algorithmen eine präzise Bewertung des Anlagenzustands. Wenn wir also beispielsweise eine Zunahme der Vibrationen feststellen, wissen wir, dass möglicherweise etwas nicht richtig funktioniert, und können effektiv im Voraus Teile bestellen, einen Techniker beauftragen. Dieser hat das richtige Teil dann zur richtigen Zeit zur Verfügung.
Wie kann die Infrastruktur mit der Chipentwicklung Schritt halten?
Wir denken stets mehrere Chipsätze voraus. Dies gilt insbesondere, wenn wir uns zum Beispiel 800-Volt-Gleichstrom-Lösungen ansehen, denn dies ist definitiv eine Technik, die es zu beachten gilt. Sie wird jedoch auch die Landschaft der Dienstleistungen völlig verändern, man denke nur an die Sicherheitsaspekte. Das ist tatsächlich eine ganz andere Liga.
Sicherheit ist ein entscheidender Aspekt, vielfach auch ein Hemmnis. Viele Installationen gibt es ja noch nicht.
Das stimmt natürlich, aber es ist wie mit allem, was potenziell Gefahren birgt. Wasserstoff ist beispielsweise ebenfalls gefährlich, und dennoch existiert eine sichere Technik in diesem Umfeld, etwa Wasserstofffahrzeuge. Es geht stets darum, dass Dinge gefährlich sein können, man das Risiko jedoch minimieren kann.
Wie ändert sich derzeit das Serviceangebot im Umfeld der Kühltechnik?
Hier zeigt sich größte Veränderung in der Art und Weise, wie Kühltechnik funktioniert. Dies beeinflusst auch unser Dienstleistungsangebot. Wir haben normalerweise im Grey Space gearbeitet. Jetzt arbeiten wir sehr stark im White Space, also direkt an den IT-Systemen. Das ist die erste große Veränderung. Der zweite große Wandel betrifft die Verfahren rund um die Inbetriebnahme, und Installation der Flüssigkeitskühlung oder der Kreisläufe. Es gibt bekanntlich einen Primärkreislauf, dessen optimale Planung einen erheblichen Einfluss auf die Leistung der nachgeschalteten Geräte haben kann. Und auch das sekundäre Flüssigkeitsnetz stellt hohe Ansprüche, denn die Geräte müssen gewissermaßen lebensmitteltauglich sein, quasi medizinisch einwandfrei und sauber. Es gilt für einen sauberen Transport zum Standort zu sorgen, geeignete Montageverfahren festzulegen und die Komponenten abschließend korrekt zu spülen und zu testen.