Das Bundeskabinett hat die Nationale Rechenzentrumsstrategie verabschiedet. Der Bitkom bewertet den Beschluss als wichtiges Signal, sieht jedoch Defizite bei der konkreten Ausgestaltung.
Die Bundesregierung lege erstmals eine umfassende Strategie für Rechenzentren vor und erkenne deren Rolle für den Digital- und KI-Standort an. Die formulierten Ausbauziele seien aus Sicht des Verbands notwendig.
„Die Rechenzentrumsstrategie ist ein wichtiges Signal, ein großer Wurf ist sie nicht. Die schwarz-rote Bundesregierung gibt Deutschland erstmals eine Rechenzentrumsstrategie und hebt sich damit positiv von allen Vorgängerregierungen ab. Sie erkennt damit die herausragende Bedeutung von Rechenzentren für einen wettbewerbsfähigen Digital- und KI-Standort an, die klar formulierten Ausbauziele sind richtig und notwendig. Rechenzentren sind die Schaltzentralen der digitalen Welt. Die Strategie will Deutschland als starken, nachhaltigen und souveränen Rechenzentrumsstandort weiterentwickeln. Dabei bleibt sie allerdings zu oft im Vagen und belässt es häufig bei allgemeinen Absichtserklärungen. Es muss jetzt also zunächst einmal darum gehen, die angekündigten Maßnahmen konkret auszugestalten und dann zügig umzusetzen“, erklärt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst.
Der Handlungsdruck bleibt hoch. Die Leistung der Rechenzentren in Deutschland lag 2025 bei 2.980 Megawatt und soll bis 2030 auf über 5.000 Megawatt steigen. Im internationalen Vergleich ist das Wachstum jedoch begrenzt.
In den USA standen bereits 2024 rund 48 Gigawatt zur Verfügung, was etwa dem 16-Fachen der deutschen Kapazität entspricht. Auch China baut seine Rechenzentrumskapazitäten schneller aus.
Bitkom fordert bessere Rahmenbedingungen für den Ausbau. Dazu zählen geringere Stromkosten, ein erleichterter Zugang zum Stromnetz sowie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren.
„Damit Deutschland im internationalen Wettbewerb aufholen kann, müssen die Rahmenbedingungen deutlich verbessert werden. So sollten insbesondere Rechenzentren und Telekommunikationsnetze bei den Stromkosten entlastet werden – die im europäischen Vergleich sehr hohen Energiepreise sind ein klarer Wettbewerbsnachteil. Auch Zugang zum Stromnetz, ein verbesserter regulatorischer Rahmen und zügigere Planungs- und Genehmigungsprozesse sind essenziell. Ohne leistungsfähige Rechenzentren verliert Deutschland den Anschluss an den internationalen Wettbewerb. Sie sind die Basis digitaler Souveränität. Wer in eine starke und zukunftsfähige IT-Infrastruktur investiert, stärkt Resilienz, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit in einer zunehmend KI-getriebenen Welt. Die Rechenzentrumsstrategie muss von der Bundesregierung daher konsequent und priorisiert weiterentwickelt und umgesetzt werden.“