Wir wollen Freescale als Nummer 1 ablösen

20. November 2008, 14:40 Uhr | Frank Riemenschneider, Elektronik
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Fortsetzung des Artikels von Teil 2

Stehen eigentlich Akquisitionen zur Disposition?

Stehen eigentlich Akquisitionen zur Disposition?

Wie kommen Sie denn darauf? Nein, konkret haben wir da keine Pläne.

Die ganze Halbleiterindustrie jammert über zu wenige qualifizierte Fachkräfte auf dem Markt. Wie sieht denn Ihre Wachstumsstrategie bezüglich Personal aus?

Das ist in der Tat nicht einfach. In Japan ist die Situation für uns o.k., in Asien, USA und Europa besteht unsere Strategie darin, Ingenieure zu finden, die nicht nur gute Produkte entwickeln, sondern auch gut mit Kunden zusammenarbeiten können.

Wenn es rein um die Technologie- und Produktentwicklung geht, fokussieren wir uns derzeit sehr auf China und Vietnam. Zur Zeit beschäftigen wir im Bereich R&D etwa 1000 Ingenieure außerhalb Japans, und wir wollen diese Zahl bis 2010 verdoppeln. Die Leute sind wirklich gut, hoch qualifiziert, speziell in Vietnam, wo wir in der Halbleiterindustrie die ersten überhaupt waren. Da haben wir beste Beziehungen zu Universitäten und Personalagenturen. Auch in Malaysia wollen wir neue Niederlassungen gründen.

Welche kulturellen Unterschiede sehen Sie denn in China und Vietnam?

Ich denke, für uns als Japaner ist es einfacher, auf die – wenn auch zu Japan unterschiedlichen – Kulturen in diesen Ländern einzugehen, als für einige unserer Wettbewerber. Unsere Mitarbeiter sind vor allen Dingen sehr stolz, für Renesas zu arbeiten. Die Fluktuationsrate ist auf sehr niedrigem Niveau seit langem stabil. Wichtiger als Geld sind ihnen interessante Projekte und immer neue Herausforderungen.

Das hat mir Ihr Kollege T.J. Rodgers von Cypress auch schon gesagt …

… dann muss da wohl etwas dran sein!

Sie haben lange Zeit in den USA gelebt und waren Chef der ehemaligen Hitachi-Fabrik in Landshut, die jetzt von Renesas an eine neue deutsche Firma mit dem Namen Silicon Foundry Holding (SFH) verkauft wurde. Was sind Ihrer Erfahrung nach die größten Unterschiede zwischen japanischen, amerikanischen und deutschen Firmen in Bezug auf die Art, wie sie arbeiten?

Na ja, in den USA war ich ja nur insgesamt zwei Jahre, ein Jahr auf der Hochschule (College) und vor sieben Jahren ein Jahr in San Jose zum Arbeiten. In Landshut war ich zwei Jahre am Stück. Ich weiß nicht, wieviel ich wirklich von den unterschiedlichen Kulturen verstanden habe.

Sicher gibt es wesentliche Unterschiede. In Europa sind die Leute individueller geprägt als in Japan, das hat gute und schlechte Seiten. Individuelles Verhalten wird grundsätzlich in Japan nicht sehr positiv gesehen, in mancher Hinsicht ist es aber nicht schlecht. Unabhängige, eigenständig agierende Personen sind sehr wichtig in unserer Industrie. Japaner analysieren gründlicher, bevor sie ein Projekt starten, europäische und amerikanische Ingenieure legen schneller los, wenn sie sehen, dass etwas getan werden muss. Das sehe ich sehr positiv. In Japan ist manches manchmal nicht so gut organisiert wie in Europa oder in den USA, was man als Schwäche ansehen könnte, aber gleichzeitig sind Japaner entspannter und sitzen manche Sachen einfach aus.

Eine weitere japanische Stärke ist die Verlässlichkeit, das Einhalten von Zusagen und der gegenseitige Respekt, der das Zusammenarbeiten im Team sehr einfach macht. Ich sehe Unterschiede zwischen den Kulturen, aber ich kann Ihnen nicht sagen, was besser ist – alle drei Kulturen haben Vor- und Nachteile.

Heute leben wir in einer globalen Welt, und es ist für japanische Firmen immer wichtiger, sich der amerikanischen Kultur und auch der europäischen mehr anzupassen. Gerade aufstrebende Länder wie Indien und China leben mehr den amerikanischen Lebensstil, und wir brauchen da Ressourcen. Wir haben dort viele Kunden, und deswegen ist es eine positive Herausforderung für uns als Japaner, damit umzugehen.


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