Bevor Tsutomu Miki am 1. April dieses Jahres CEO von Renesas Technology Europe wurde, zeichnete er für das Automotive-Geschäft von Renesas verantwortlich. Entsprechend große Hoffnung setzt er auf die Erholung der europäischen Automotive-Branche.
Markt&Technik: In China nähern sich die Wachstumsraten schon fast wieder dem Niveau vor der Krise an, auch im übrigen Asien zeigen die Konjunkturparameter nach oben. Wann wird sich Europa diesem Aufschwung anschließen?
Tsutomu Miki: China und das übrige Asien haben sich ganz offenbar am schnellsten von den Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise erholt. Wir registrieren inzwischen überall in Asien Anzeichen für eine Erholung der Märkte. Das gilt aus unserer Sicht auch für die USA. Europa ist ganz offenbar der letzte große regionale Markt, der noch nicht von der weltweiten wirtschaftlichen Erholung profitiert. Ich bin jedoch sicher, dass Europa sich noch in diesem Jahr wirtschaftlich erholen wird. Wenn ich unsere Zahlen aus dem August-Sales-Meeting mit der aktuellen Situation jetzt vergleiche, dann gehe ich fast davon aus, dass sich Europa für uns günstiger entwickelt, als ursprünglich erwartet.
Welche positiven Faktoren für eine Markterholung sehen Sie in Europa? Welche Branchen könnten nach Ihrer Einschätzung dazu besonders beitragen?
Es sind die klassischen Stärken der europäischen Wirtschaft, die zur Erholung in unserer Branche beitragen werden: der Automotive-Bereich und die Industrieelektronik. Diese beiden Bereiche waren in der Vergangenheit am stärksten von der Rezession beeinflusst, sie dürften darum auch am stärksten zu einer Markterholung beitragen. Aus meiner Sicht gilt das besonders für Deutschland, Frankreich, Italienund Großbritannien. Speziell der Industrieelektronikbereich wird jedoch davon abhängen, wie sich das Investitionsklima entwickelt. Ich bin aber davon überzeugt, dass die Markterholung, wenn sie in Europa einsetzt, die wohl weltweit stabilste und nachhaltigste sein dürfte.
Gerade im Automotive-Bereich dürften Sie von einer Markterholung überproportional profitieren. Der bevorstehende Merger mit NEC Electronics 2010 sichert Ihnen allein im Automotive-MCUBereich einen Marktanteil von 37 Prozent.
Der Merger bringt uns hier sicherlich in eine gute Position, auch gegenüber der europäischen Automotive- Branche. Unser Ansatz richtet sich dabei nicht nur auf das MCUSegment. Der Einsatz der Elektronik im Automotive-Bereich wächst kontinuierlich, egal ob es um elektronische Bremsen, Drive-by-Wire oder Bilderkennung geht. Der Unterschied zur Zeit vor der Weltwirtschaftskrise könnte darin bestehen, dass nicht mehr jedes neue, technisch machbare Feature am Markt unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten umsetzbar ist. Die Krise wird in ihren Auswirkungen kleinere Fahrzeuge mit geringeren Verbrauchswerten bevorteilen. Diese Entwicklung ließ sich auch bereits aus der Nutzung der Abwrackprämien ableiten. Die Automobilhersteller werden auf diese Entwicklung reagieren müssen, und sie tun es bereits. Aller Voraussicht nach werden besonders umweltfreundliche, also verbrauchsarme Fahrzeuge durch politische Vorgaben in verschiedenen Ländern gefördert werden. Auch hier kann verstärkter Elektronikeinsatz einen wichtigen Beitrag leisten.
Welche Möglichkeiten sehen Sie für das Gemeinschaftsunternehmen aus Renesas und NEC auf dem Gebiet der Hybrid- und Elektrofahrzeuge?
Bei der Realisierung solcher Fahrzeug- und Antriebskonzepte geht es ja nicht nur um das Motor- oder Antriebsmanagement. Das heißt, es gibt dort nicht nur Anwendungen für IGBT-Module oder IPMs. Dieses Produktsegment wird bislang von einer sehr kleinen Anbietergruppe bedient. Allein wenn Sie sich nach einem 1200-V-IGBT umsehen, werden Sie feststellen, dass es nicht allzu viele Hersteller für dieses Produkt gibt. Wir haben uns vor diesem Hintergrund entschlossen, eine Molded-Version eines 1000-V-IGBTs mit Diode in einem Single Package anzubieten. Derzeit sind wir dabei, die Produktion hochzufahren, und können dieses Produkt ab 2010 in großen Stückzahlen ausliefern. Unser Ziel ist dabei ganz klar die Unterstützung unserer Kunden in HV-Bereichen, wie etwa beim Thema EVU.