Zum 1. April nächsten Jahres werden Renesas Technology und NEC Electronics zu Renesas Electronics verschmelzen. Welche Bedeutung hat das für den Markt?
Rein rechnerisch entsteht aus diesem Merger der weltweit drittgrößte Halbleiterhersteller hinter Intel und Samsung. Zwar ist der Abstand zur Nummer 2 groß, aber wir liegen auch klar vor Toshiba. Durch diese Verschmelzung entsteht ein Unternehmen, das weltweit Nummer 1 bei Mikrocontrollern ist, Platz 2 bei LCD-Treibern belegt, der viertgrößte ASIC-Anbieter weltweit sein wird und als Anbieter von analogen und diskreten Bauteilen weltweit immerhin auf Platz 5 rangiert. Es sind diese positiven Aussichten, die die Aktionäre beider Unternehmen bewogen haben, den Merger mit über 2 Mrd. Dollar zu unterstützen.
Das wären die rein rechnerischen Auswirkungen. Welche weiteren Effekte hat der Merger für die zukünftige Entwicklung des neuen Unternehmens?
Als gemeinsames Unternehmen werden wir an Priorität für unsere Kunden gewinnen. Wir werden bei vielen Applikationen und in vielen Märkten nicht mehr einer von vielen Herstellern für ein Produkt sein, sondern uns zu einem Keypartner für unsere Kunden entwickeln. Das wird Auswirkungen auf unsere Entwicklung haben, die wir in Zukunft verstärkt nach Applikations-Segmenten ausrichten werden. Dadurch dass wir für unsere Kunden an Bedeutung gewinnen, wächst natürlich auch die Sicherheit, etwa bei der Bedarfsplanung – ein für beiden Seiten überaus positiver Effekt.
Kommt es bei einem solchen Merger nicht zwangsläufig zu massiven Überschneidungen im Produktportfolio? Müssen Anwender also mit Portfolio-Bereinigungen bei Renesas und NEC rechnen?
Natürlich besteht diese Gefahr bei einem Merger, doch Renesas und NEC sind in unterschiedlichen Marktsegmenten stark. Objektiv betrachtet, ergeben sich die größten Überschneidungen im MCU-Bereich. Zum anderen sind beide Unternehmen im SoC-Bereich in verschiedenen Applikationsbereichen stark, wie etwa im Bereich Handy und Automotive. NEC ist zudem stark im Bereich TV-Anwendungen oder bei CD- und DVD-Playern.
Welche Ziele verfolgt man bei Renesas Electronics für die nächsten Jahre?
Unser Ziel wird es sein, unter anderem unser Geschäft mit SoC sowie analogen und diskreten Bauelementen neu zu fokussieren, um Synergien im MCU-Bereich auszuschöpfen und zu einer international höheren Wettbewerbsfähigkeit zu gelangen. Letzteres gilt vor allem für den asiatischen Raum. Im Zuge dieser Anstrengungen wird sich unser internationaler Umsatz in den nächsten Jahren deutlich erhöhen. Heute erzielen beide Unternehmen 56 Prozent ihres Umsatzes in Japan, und nur 44 Prozent auf dem internationalen Markt. Mittelfristig streben wir einen internationalen Umsatz von 60 Prozent an. In einem ersten Schritt soll der Anteil des internationalen Geschäfts auf 50 Prozent angehoben werden.
Im Vorfeld des Mergers haben Renesas und NEC bereits Fertigungslinien geschlossen, verkauft oder sind dabei, das noch zu tun. Besteht die Gefahr, dass Renesas Technology am Ende über zu wenig Fertigungskapazität für das zukünftige Wachstum verfügt, oder werden Sie sich in Zukunft verstärkt Foundries bedienen?
Nein, aus unserer Sicht ist die Kapazität, die nach Beendigung der strukturellen Anpassungen zur Verfügung steht, absolut ausreichend. Von insgesamt 15 Standorten mit 25 Fertigungslinien werden nach Abschluss der Anpassungsmaßnahmen 10 Standorte mit 16 Fertigungslinien bleiben. Wir müssen auch in Zukunft über das Knowhow und die Prozesstechnologie verfügen, um unsere Produkte selbst zu fertigen. Dazu verpflichtet uns allein schon der Qualitätsanspruch unserer Kunden, insbesondere im Automotive-Segment.