Verschieben sich mit dieser Entwicklung nicht auch ihre R&D-Schwerpunkte?
Vor 5 Jahren lagen die Schwerpunkte der R&D noch im Bereich Prozesstechnologie oder Grundlagenforschung. Technologie-Know-how und IP sind heute die Grundvoraussetzung dafür, dass unsere Entwicklungs-Ingenieure bei den Kunden dafür sorgen können, dass unsere Lösung die bessere ist. Dazu müssen sie vor Ort beim Kunden sein, den er weiß, welchen speziellen Anforderungen seine Lösung unterworfen ist. Letztlich ist es die gelungene Kombination aus Produkt-Design und Customer Support, die am Ende den Erfolg der Entwicklungsanstrengungen sichert.
NXP ist im Telematik-Bereich aktiv. Wird sich dieses Marktsegment zu einem ähnlichen Megatrend wie E-Mobility entwickeln?
Telematik-Lösungen stecken heute noch in der Pilotphase, doch ich bin der festen Überzeugung, dass Verkehrsteilnehmer leistungsfähige Telematik-Lösungen schätzen werden. Emergency-Calls sind in weniger dicht besiedelten Gegenden eine nutzerfreundliche Lösung. Gleichzeitig bieten Telematik-Lösungen äußerst flexible Möglichkeiten zur Realisierung von Maut-Systemen. Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der gelungen Kombination von Kommunikations- und Sicherheitsaspekten. Interoperabilität wird dabei besonders im Kommunikations- und Infotainment-Bereich eine wichtige Rolle spielen. Wenn sich zudem der E-Mobility-Trend schneller als bislang erwartet am Markt durchsetzt, wird es von entscheidender Bedeutung sein, zu wissen, welche »Stromtankstellen« in Reichweite liegen. Wer zudem mehrere Stunden am Tag auf dem Weg von und zur Arbeit verbringt, der wird Wert darauf legen, sein Home-Gateway auch in seinem Fahrzeug ohne Leistungseinschränkungen nutzen zu können.
Im Power-Management-Bereich eröffnen derzeit erste Gallium-Nitrid-Lösungen den Anwender neue Möglichkeiten. Wird NXP in dieser Richtung aktiv?
Gallium-Nitrid zählt zu den sogenannten Advanced Materials, mit denen sich die Branche bereits länger beschäftigt. Der technische Vorteil dieses Materials liegt auf der Hand, die Markteinführung erfolgt nun früher, als von vielen erwartet. Wir beobachten die Entwicklung am Markt und gehen vor allem der Frage nach, für welche Applikationen dieses Material dem Kunden wirklich einen Kosten-Nutzen-Vorteil bietet.
Ein anderer Produktbereich mit hohen Wachstumszahlen ist das MEMS-Segment. Analysten gehen davon aus, dass Sie demnächst in das MEMS-Mikrophon-Business einsteigen. Stimmt das?
Es gibt inzwischen eine erste Applikation unserer MEMS-Mikrophone in Headsets. Außerdem fahren wir gerade die Produktion von MEMSMikrophonen hoch. Der Kunde ist ein großer europäischer Handset- Hersteller. Wir haben uns auch mit dem Einsatz dieser Mikrophone im Hörgerätebereich beschäftigt, unser Eindruck war aber, dass MEMS-Mikrophone für diesen Einsatz noch nicht geeignet sind. Unser Plan sieht vor, dass wir im nächsten Jahr den Markteintritt unserer MEMS-Mikrophone forcieren werden.