Stichwort Akquisition: Sie können derzeit auf rund 1,6 Mrd. Dollar Cash zurückgreifen. Vor kurzem haben Sie für 108 Mio. Dollar das Broadband Media Processing Business von Conexant gekauft. Planen Sie für die Zukunft weitere, auch größere Übernahmen?
Wir werden Chancen, uns partiell zu verstärken, auch in Zukunft konsequent nutzen. Ich gehe aber nicht davon aus, dass wir in den nächsten Monaten als Käufer auftreten werden. Wir erwarten, dass sich in der zweiten Hälfte des nächsten Jahres die eine oder andere interessante Möglichkeit für Akquisitionen eröffnen wird. Eine Milliarden-Dollar-Akquisition würde ich aber auch dann ausschließen. Wir haben die Felder, auf denen wir aktiv sind, definiert, wir planen derzeit nicht den Einstieg in ein neues Marktsegment. Deshalb liegt unser Fokus auf der partiellen Verstärkung unserer existierenden Geschäftstätigkeit.
Eine weitere Möglichkeit, NXP zu stärken, bestünde sicher darin, einen weiteren Bereich wie Mobile auszugliedern und damit die Fokussierung noch weiter voranzutreiben. Gibt es entsprechende Pläne?
Für den Bereich Home und Automotive würde ich solche Überlegungen ausschließen, das gilt auch für das Geschäftsfeld Identifikation. Es könnte aber durchaus sein, das wir eine ähnliche Lösung noch für ein oder zwei kleinere Geschäftsfelder anstreben. Konkrete Pläne in dieser Richtung verfolgen wird derzeit aber nicht.
Sie haben gesagt, die 1,55 Mrd. Dollar die Sie für Ihr Mobile-Business erhalten haben, würden definitiv nicht an die Aktionäre ausgezahlt, sondern investiert. Ist das inzwischen bereits geschehen?
Nein, ich bleibe bei der Aussage, dass wir diese Mittel investieren werden, eine Entscheidung, in welcher Form das passierend wird, dürfte aber erst im nächsten Jahr erfolgen.
Derzeit befindet sich in der Halbleiterindustrie einiges im Wandel, selbst klassische Hersteller erwägen Fabless-Konzepte oder gründen ihre Fertigungen aus. Ist NXP als Fabless-Company vorstellbar?
Auch hier ein klares Nein. Wir konzentrieren uns stattdessen darauf, wie bereits erwähnt, durch den Übergang auf größere Wafer-Diameter die Effizienz unserer Fertigungen zu steigern. Ich möchte an dieser Stelle aber auch einmal sagen, dass unser gesamtes Produktionsvolumen nicht ausreichen würde, um eine 300-mm-Fab zu füllen. Und da kenne ich noch einige Unternehmen, denen es ähnlich geht. Ich bin mir auch sicher, dass es gerade in Bereichen wie den diskreten Halbleitern im Bezug auf das Customer-Relationship-Management von entscheidender Bedeutung ist, den Produktionsprozess selbst im Griff zu haben. Eine partielle Zusammenarbeit mit Foundries: ja, eine Fabless-Zukunft für NXP: nein.
Ihr Ziel war es einmal, NXP unter die Top-5 der Halbleiterbranche zu führen, gleichzeitig waren Sie der Ansicht, Ihr Unternehmen habe bislang nur ein Drittel seines Potenzials ausgeschöpft. Wo steht NXP heute?
Das Erreichen der Top-5 war immer daran gekoppelt, dass es uns gelingen würde, unser Mobile-Business zu verdoppeln. Nach der Ausgliederung der Mobile-Aktivitäten und einem Gesamtumsatz dieses Unternehmens von rund 5 Mrd. Dollar, ist das Erreichen der Top-5 natürlich kein realistisches Ziel mehr. Ich stehe aber nach wie vor zu der Aussage, dass NXP noch nicht sein volles Potenzial am Markt ausspielt. Die Frage, ob wir inzwischen bei 40, 50 oder 60 Prozent angekommen sind, spielt dabei eine untergeordnete Rolle. Viel frustrierender ist, dass die aktuelle Krise uns in den Bemühungen, das Potenzial dieses Unternehmens noch besser auszuschöpfen, um etwa ein Jahr zurückwirft.
Die Zukunft der europäischen Halbleiterei steht einmal mehr zur Disposition. Was halten Sie vom Vorschlag die großen drei, NXP, Infineon und ST, zu einem Unternehmen zusammenzuführen, vergleichbar der EADS im Luftfahrtbereich?
Ich habe mit meinem Kollegen Carlo Bozotti von ST vor einem Jahr über die Vorteile einer Konsolidierung gesprochen. Im Mai dieses Jahres haben wir dann unsere Mobile-Geschäfte zusammengeführt, und in Kürze wird noch Ericsson hinzukommen. Aus meiner Sicht ist das die richtige Antwort für die Zukunft der europäischen Halbleiterbranche: Kooperation dort, wo aus dieser Zusammenarbeit ein Anbieter entsteht, der zu den Top-3 in seinem Segment gehört, ansonsten aber Konzentration und Ausbau der jeweiligen eigenen Stärken.
Joint Ventures wie das zwischen uns und ST könnten da ein Beispiel für die Zukunft sein. Eine simple Fusion der drei Unternehmen zu einem Anbieter, der dann umsatzmäßig Nummer 2 oder 3 auf der Welt wäre, halte ich dagegen nicht für sinnvoll. Size matters, aber in diesem Fall wären die Überschneidungen, Reibungsflächen und damit auch die notwendigen Anpassungen bei der Zahl der Beschäftigten einfach zu groß.