Sie sprachen bisher über Bereiche mit rückläufiger Umsatzentwicklung. Gibt es noch Marktsegmente, die bislang dem allgemeinen Abwärtstrend trotzen?
Es gibt eine Reihe von Segmenten, die aktuell noch eine positive Entwicklung aufweisen. Das gilt auch für den Bereich Consumer-Electronics. Nehmen Sie zum Beispiel den Setop-Boxen-Markt. Dieses Segment erfreut sich nach wie vor starker Nachfrage. Einer der wichtigsten Gründe dafür ist sicher, dass in den USA die Abschaltung der klassischen Rundfunk- und Fernsehsender absehbar ist und sich die Konsumenten dort entsprechend darauf vorbereiten.
Sie haben vor kurzem ein Restrukturierungsprogramm für Forschung, Fertigung und unterstützende Bereiche angekündigt, das jährlich Einsparungen von 550 Mio. Dollar bringen soll. Ab wann werden diese Maßnahmen greifen?
Wir haben dieses Programm in erster Linie aufgesetzt, um den Overhead abzubauen, der uns nach der Einbringung unseres Mobile-Geschäfts in das Joint-Venture mit STMicroelectronics verblieben ist. Es geht also in erster Linie darum, Personalstrukturen und Produktionskosten an den neuen Sachverhalt anzupassen. In Asien und den USA wurden die entsprechenden Schritte bereits umgesetzt, in Europa befinden wir uns noch in Gesprächen mit den Sozialpartnern. Ich rechne für November, spätestens Dezember damit, dass wir die Anpassungen auch in Europa vornehmen können.
Krisen bieten ja auch immer die Option, gestärkt aus ihnen hervorzugehen. Wird es zu einer weiteren Konsolidierung der Branche kommen, von der NXP profitieren kann?
Ich bin überzeugt, dass klar fokussierte Unternehmen, die in ihren jeweiligen Tätigkeitsbereichen zu den Top3 der jeweiligen Marktsegmente zählen, besser mit dieser Krise zurechtkommen werden als Broadliner. Sie werden weniger bluten müssen als die anderen, und das trifft auch für uns zu. NXP Semiconductors hat sich seit der Trennung von Philips genau in diese Richtung entwickelt. Wir haben uns klar auf die Anwendungsbereiche Home, Automotive, Identification und Multi Market Semiconductors konzentriert. Dabei haben wir speziell in den ersten drei Bereichen unsere Marktanteile gegenüber Philips-Zeiten bereits deutlich ausbauen können. Diese Strategie werden wir weiter umsetzen, das ist auch das erklärte Ziel unserer Investoren.
Sie sprachen zuvor von den unverändert hohen Investitionen in R&D. Wie hoch sind diese Aufwendungen konkret und worauf konzentrieren sich bei Ihren R&D-Bemühungen?
Wir beschäftigen weltweit rund 6000 R&D-Mitarbeiter und wenden für Forschung und Entwicklung traditionell fast 1 Mrd. Dollar auf. Zuletzt hat sich der Anteil zwar mit 16 bis 17 Prozent des Umsatzes etwas reduziert, relativ gesehen haben sich die R&D-Ausgaben für die einzelnen Tätigkeitsbereiche zuletzt aber erhöht. Das hat damit zu tun, dass wir in der Vergangenheit rund 20 Prozent unserer R&D-Aufwendungen in Mobile investiert haben. Nachdem wir diesen Bereich in das Joint Venture mit ST ausgegliedert haben, verteilen sich diese Mittel auf die anderen Tätigkeitsbereiche, wodurch unsere relativen R&D-Ausgaben für diese Bereiche steigen.
Unsere Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkte lagen zuletzt klar auf Automotive, Identifikation und Multi Market Semiconductors. Gegenüber 2005 haben sich in diesen Bereichen die R&D-Aufwendungen zum Teil mehr als verdoppelt. Etwas zurückgefahren haben wir unsere Ausgaben zuletzt im Home-Bereich, aber durch die Akquisition von Conexant liegen wir dort wieder fast auf dem gleichen Niveau wie 2005.