IDF 2010 Tag 2

Neuer Atom-Prozessor für Embedded-Märkte ist fertig

15. September 2010, 0:04 Uhr | Frank Riemenschneider

Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Der neue Atom E600

Es gibt Derivate von 0,6 bis 1,6 GHz Taktfrequenz.
Intel-Manager Doug Davis hatte erste Chips mit dem AtomE6XX im Gepäck, der auf den fragmentierten Embedded-Markt zielt.
© Elektronik

Nach James kam Doug Davis, General Manager der Embedded und Communications Group bei Intel, auf die Bühne. Er nahm sich des Themas Atom-Prozessor an. Dazu stellte er zunächst einige neue Atom-Designs vor:

Im Kosumer-Bereich wurde eine sogenannte Media-Box von Asus gezeigt, die für den Anschluss an den Fernseher auf dem SoC Atom CE4100 basieren, das Intel bereits im Rahmen der „Smart TV“- respektive „Google TV“-Vorstellung gezeigt hatte.

Den Nachfolger Atom CE4200 „Groveland“ hatte nun Davis im Gepäck. Dieser wird eine Videobeschleunigung von H.264-Material und auch 3D unterstützen, wird allerdings auch weiterhin in 45-nm gefertigt. Dafür bietet er „Smart Power Management“-Funktionen, die automatisch Teile des Chips ausschalten, wenn sie nicht im Einsatz sind. Es dürfte sich Alles in Allem eher um ein kleines Update zum CE4100 Modell handeln.

Einen Tablet, der auch Steve Jobs zum Nachdenken bringen dürfte, stellte Dell vor. Das Inspiron Duo ist ein Tablet, das sich in ein Netbook verwandeln lässt. Konkret lässt sich das Display im anhebbaren Rahmen drehen. Dazu ist es rechts und links am Rahmen mit Gelenken befestigt. Die Konstruktion ist dem Inspiron Duo zudem nicht auf den erste Blick anzusehen, was den Eindruck eines reinen Tablets verstärkt.

Vermutlich wird das Gerät von einen Atom N550 angetrieben, zudem soll es in der Lage sein, HD-Videos abzuspielen. Als Betriebssystem kommt Windows 7 Home zum Einsatz. Das Convertible Inspiron Duo soll noch 2010 auf den Markt kommen.

Codename »Tunnel Creek«

Das Highlight von Davis’ Präsentation war jedoch zweifelsfrei die Ankündigung, dass Intels SoC mit dem bisherigen Codenamen "Tunnel Creek" fertig ist – Davis zeigte den ersten Wafer. Der Chip mit Atom-Core soll unter anderem in der Automobilelektronik, in der Medizintechnik und in der Automatisierung zum Einsatz kommen. Die Serie wird Atom E600 heissen, insgesamt gibt es vier Varianten von 0,6 bis 1,6 GHz Taktfrequenz mit TDPs von 2,7 bis 3,9 W. Es gibt jeweils "Commercial-E600" für 0 bis 70 Grad Celsius und die Industrial-Varianten für -40 bis 85 Grad Celsius. Ausgeliefert wird die Serie Atom E6xx im vierten Quartal 2010.

Der Embedded Markt ist extrem fragmentiert. Dies hat auch Intel erkannt. Für größtmögliche Flexibilität bringt der E6xx daher eine abgespeckte Southbridge mit und als Bus wird nur PCI-Express aus dem 1-Chip-Chipsatz EG20 geführt. Darüber können die Gerätehersteller dann die zahlreichen anderen Busse anbinden, die in Autos oder in der Industrie üblich sind. Sie bauen dafür eigene Backplanes.

In diese Backplanes kommen dann Single-Board-Computer (SBC), wie sie auf dem IDF beispielsweise Kontron zeigt. Das Gerät im Format Nano-ETX ist nur rund halb so groß wie eine Postkarte. Es nimmt insgesamt unter 5 W auf. Die Trennung der Recheneinheiten von den Bussen hat den wesentlichen Vorteil, dass die jährlich neuen Atom-Plattformen durch einen einfachen Wechsel des SBC aufgerüstet werden können. Der Rest des Systems kann dabei dann gleich bleiben, was den Entwicklungsaufwand reduziert.

Zusatzchips sind bereits jetzt u.a. von ST Microelectronics (für Auto-Infotainment mit Media-LB und CAN-Schnittstelle) oder Oki/Rohm verfügbar, die Taktgeber (Clock Generator IC, CGIC), eine Power Management IC (PMIC) oder die klassische Southbridge (Input/Output Hub, IOH) liefern.

Bei Rohm und der Tochter Oki waren Geräte zu sehen, die mit Windows, Android oder Meego betrieben wurden. Welches Betriebssystem letztendlich eingesetzt wird, ist den Partnern überlassen, die auf die Plattform setzen. Bei Oki rechnet man mit ersten Produkten in diesem Bereich in etwa zwölf Monaten.

Eine weitere Neuerung wurde unter dem Codenamen „Stellarton“ vorgestellt: Ein System-in-Package mit einem Atom-Prozessor und einem FPGA aus dem Hause Altera soll den Kunden helfen, Ihre Produkte besser zu differenzieren.

Als Grund, warum Atom im Embedded-Markt so erfolgreich ist, obwohl er in Bezug auf Energieeffizienz zumindest in der 45-nm-Generation sicher noch Optimierungsbedarf hat, sagte Jonathan Luse, Marketing-Direktor bei Intel, zur Elektronik: „Viele unsere Kunden nutzen bereits die Intel-Architektur und sehen in Atom eine Art natürliche Erweiterung der Zusammenarbeit. Es gibt existierende Entwicklungsteams, Tools und Ecosysteme.“ Weiter gefragt, was eigentlich mit der groß angekündigten Kooperation mit TSMC sei, sagte Luse: „Die Vorgaben von Intel und die Ergebnisse von TSMC waren nicht immer deckungsgleich“. Anders ausgedrückt: TSMC konnte wohl nicht in der geforderten Qualität liefern. Interessant war Luse’s Antwort auf meine Feststellung, dass Intel wohl niemals in den Markt der lizensierbaren IP wie Konkurrent ARM einsteigen werde: „Sag niemals nie“.

Am dritten und letzten Tag des IDF darf traditionell Intel-CTO und Vordenker Justin Rattner seine Visionen für eine bessere Zukunft mit Intel-Produkten präsentieren – ich bin gespannt.


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