Seit März verhandeln Mitsubishi Electric, Toshiba und Rohm über die Zusammenlegung ihrer Leistungshalbleitergeschäfte. Bis September soll nun eine Einigung stehen. Mit dem Gemeinschaftsunternehmen wollen die drei Konzerne ihre Wettbewerbsposition auf dem Weltmarkt stärken.
In »The Japan Times« ist zu lesen, dass Mitsubishi Electric anstrebt, bis September eine Vereinbarung mit den Wettbewerbern Toshiba und Rohm über die Zusammenlegung ihrer Geschäftsbereiche für Leistungshalbleiter zu erzielen.
»Unser Ziel ist es, Vertrieb, Fertigung und Entwicklung zu integrieren, um ein einziges starkes Unternehmen aufzubauen«, erklärt Kei Uruma, Vorstandsvorsitzender von Mitsubishi Electric, in einem Interview. Die Unternehmen würden derzeit die detaillierten Bedingungen der Vereinbarung ausarbeiten und Anpassungen vornehmen, erklärt er weiter. »Wir hoffen, bis September unseren Plan zur Gründung des Joint Ventures bekannt geben zu können.«
In dem Beitrag heißt es weiter, dass das japanische Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie die heimischen Chiphersteller dazu drängt, sich zusammenzuschließen, um besser mit Unternehmen wie dem deutschen Hersteller Infineon Technologies konkurrieren zu können, der laut Omdia nahezu ein Fünftel des weltweiten Marktes für Leistungshalbleiter kontrolliert. Mitsubishi, Toshiba und Rohm halten jeweils weniger als fünf Prozent Marktanteil in diesem Segment.
Im März gaben Mitsubishi Electric, Toshiba und Rohm bekannt, dass sie Gespräche über eine Zusammenlegung ihrer Halbleiteraktivitäten aufgenommen hätten. Rohm hatte zudem ein Übernahmeangebot des Automobilzulieferers Denso erhalten, der sein Angebot später jedoch zurückzog.
Durch die Zusammenlegung der Leistungshalbleiter-Sparten der drei Unternehmen hätten sie die Chance, die Marktführerschaft zu übernehmen, so Uruma. Die Vielzahl heimischer Akteure führe zu einer Verschwendung von Ressourcen, während eine Zusammenarbeit mit Rohm und Toshiba zu einer optimierten Entwicklung und einer Steigerung der Wertschöpfung bei den Chips führen werde. »Durch die Bündelung unserer Kräfte können wir unseren globalen Konkurrenten Paroli bieten«, erklärt er weiter und fügt hinzu, dass es einen vorläufigen Konsens darüber gebe, dass Mitsubishi Electric die Führung in dem fusionierten Unternehmen übernehmen solle.
Eine mögliche Fusion der Leistungshalbleitergeschäfte von Rohm, Toshiba und Mitsubishi Electric sei strategisch sinnvoll. Da Rohm und Toshiba jeweils einen Anteil von 2–3 Prozent am Markt für diskrete Halbleiter hielten, falle es ihnen schwer, effektiv gegen Giganten wie Infineon und Texas Instruments anzutreten. Soll das Gemeinschaftsunternehmen seinen Absatz an Automobilhersteller, Zulieferer und Industriekunden ausbauen, gilt Mitsubishi Electric als der stärkste der drei Partner.
Eine große Hürde sei die Entscheidung, welche Produkte das neue Unternehmen anbieten solle, sagte Uruma. Sowohl Toshiba als auch Rohm forderten, dass ein neues Joint Venture auch ein breites Spektrum an analogen Chips wie Wandler und Treiber umfassen müsse, um bestehende Kunden weiterhin bedienen zu können, während Mitsubishi Electric wolle, dass sich die fusionierte Einheit auf Leistungs-Halbleiter konzentriere, erklärte er.
Die Vorstandsvorsitzenden der drei japanischen Unternehmen hätten sich persönlich getroffen, um einen gemeinsamen Nenner zu finden, nachdem die Gespräche auf Arbeitsebene nicht vorangekommen seien.
»Mit endlosen Diskussionen lässt sich nur begrenzt etwas erreichen«, so Uruma. »Irgendwann muss man eine fundierte Entscheidung treffen und entsprechend handeln.«
Laut »The Japan Times« setzt die japanische Regierung Anreize für Unternehmenszusammenschlüsse: Fördermittel erhalten Hersteller von Leistungshalbleitern nur, wenn sie gemeinsam mit anderen Unternehmen mindestens 200 Milliarden Yen (1,2 Milliarden Dollar) investieren. Im Vergleich dazu liegt die Schwelle für andere Halbleiterprojekte im Rahmen der Initiative von Premierministerin Sanae Takaichi zur Stärkung der heimischen Chipfertigung bei 30 Milliarden Yen.
Diese Hürde ist laut Uruma zu hoch. Mitsubishi Electric erhalte derzeit keinerlei Unterstützung für sein Halbleitergeschäft, obwohl weltweit ein Wettlauf um die Steigerung der Produktion im Gange sei, so Uruma. Gleichzeitig stelle die Regierung dem Halbleiter-Start-up Rapidus (japanische Foundry, die sich auf modernste Halbleitertechnologien fokussiert) Fördermittel in Höhe von mehreren Milliarden Dollar zur Verfügung. Staatliche Subventionen seien unerlässlich, um gegen ausländische Konkurrenten bestehen zu können, die solche Hilfen erhalten, sagte er.
»Ohne diese Unterstützung werden unsere Kosten selbst mit dem Gemeinschaftsunternehmen höher bleiben als die unserer Wettbewerber«, erklärt er weiter und: »Wir wollen lediglich gleiche Wettbewerbsbedingungen.«