Wie die gesamte Branche beschäftigte auch die Teilnehmer des diesjährigen Leistungshalbleiter-Forums der Markt&Technik die Frage, wie es mit dem Mega-Merger der japanischen Leistungshalbleiterbranche weitergeht.
Kurz vor dem Forum hatte Kei Uruma, CEO von Mitsubishi Electric, in einem Interview mit der Japan Times noch einmal nachgelegt und seiner Forderung Nachdruck verliehen, dass die Verhandlungen über ein Joint Venture der Leistungshalbleiteraktivitäten von Mitsubishi, Toshiba und Rohm bis September zu einem Ergebnis gebracht werden müssten.
Unter den Forumsteilnehmern, zu denen dieses Mal keine Vertreter der drei genannten Firmen gehörten, überwogen die Zweifel, ob dieses Joint Venture wirklich gelingen wird. »Die entscheidende Frage bei dem Ganzen wird sein, ob jede der beteiligten Firmen bereit ist, etwas von ihrer Kultur oder ihrer Organisationsstruktur abzugeben«, meinte etwa Thomas Grasshoff, Head of Strategy, bei Semikron Danfoss, »wir sprechen hier von drei sehr konservativen japanischen Unternehmen«.
Auch wenn Uruma schon klar gemacht hat, dass Mitsubishi die Leitung dieses angestrebten Joint Ventures übernehmen würde, fragt sich auch Dieter Liesabeths, External Consultant von MacMic Europe: »Ich denke, es wird schwierig sein, den gewünschten großen japanischen Player zu formen, wenn die Kulturen der Firmen nicht passen. Wenn aber das Ministry of Economy, Trade and Industry, dieses Joint Venture unbedingt formen will, dann wird das schlussendlich wohl auch passieren.«
Als positives Beispiel für ein solches Vorgehen wurde von den Forumsteilnehmern Renesas genannt. Das Unternehmen war 2010 aus der Zusammenführung der Halbleiterbereiche von Hitachi, Mitsubishi und NEC hervorgegangen. »Allerdings nehme ich Renesas heute mehr wie ein amerikanisches Unternehmen wahr«, charakterisierte Grasshoff das Ergebnis dieser Zusammenführung. Dr. Martin Schulz, Global Principal II, Application Engineering bei Littelfuse, berichtete zwar davon, »dass Akquisitionen bei Littelfuse seit Jahrzehnten Normalität sind, aber ein Merger in solchen Dimensionen dürfte mit einem sehr großen Maß an Bürokratie und einem riesigen Overhead verbunden sein«.
Paul Klausner, onsemi: »Aktuell ist es am Markt noch vergleichbar ruhig. Aber das ist ja gerade das Problem eines schleichenden Prozesses: Er bleibt lange unerkannt und eskaliert dann plötzlich.«
Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer dagegen darin, dass sich am Markt derweil ein schleichender Wandel vollzieht. »Aktuell ist es noch vergleichbar ruhig«, beschreibt etwa Paul Klausner, Senior Principal Automotive Marketing bei onsemi, »aber das ist ja gerade das Problem eines schleichenden Prozesses, dass er lange unerkannt bleibt, und dann plötzlich eskaliert«! Thomas Hauer, Technology Specialist Manager Power bei Avnet Silica, weist in diesem Zusammenhang darauf hin, »dass wir unsere Kunden bereits seit einem dreiviertel Jahr darauf hinweisen, dass sich die Situation am Markt verändert«.
»Die Vorwarnungen an die Kunden sind draußen«, bestätigt auch Klausner, »ob die Kunden diesem Rat folgen, wird sich zeigen«. »Wenn man weiterhin davon ausgeht, dass Memory den Trend vorgibt und die anderen folgen, sind wir jetzt genau an dem Punkt angekommen, an dem die anderen folgen«, fügt er hinzu. Für Grasshoff liegt das Problem darin, »dass wir derzeit Sekundäreffekte sehen«. So argumentierten die Kunden, dass ihre Kunden derzeit nichts nachfragen würden und man aus diesem Grund auch nicht mehr bevorrate: »Das Problem ist nur, dass die zu erwartenden Versorgungsprobleme nichts mit der Situation im Bereich Industrieelektronik zu tun haben und viele das deshalb nicht auf dem Schirm haben.« Er erwartet deshalb in der zweiten Jahreshälfte andere Diskussionen mit Kunden als bisher.
Absolut positiv bewerten die Forumsteilnehmer die gegenüber dem Vorjahr spürbar angestiegenen Entwicklungs- und Ingenieuraktivitäten am Markt. »Die Kunden sind wieder aufgewacht, da ist spürbar mehr Drive drin als im Vorjahr«, so Klausner. »Vor einem Jahr war es noch so, dass ein Kunde eine Frage zur Technik hatte und sich dann nie wieder gemeldet hat«, berichtet Hauer, »jetzt werden Anfragen gestellt, man schickt etwas, man diskutiert, man schickt Samples, man unterstützt beim Testen und macht Layout-Reviews«.
Marcus Lippert, StarPower Europa: »In China herrschte bis zum 1. Quartal ein absoluter Preiskampf. Seit dem 2. Quartal gibt es dort massive Preissteigerungen. Wer die nicht zahlen will, erhält keine Ware mehr. «
Weniger erfreulich dürfte für viele Marktteilnehmer sein, dass die Preise für Leistungshalbleiter spätestens seit April deutlich anziehen. »Im April haben uns verschiedene Hersteller neue Preislisten in die Hand gedrückt. Diese Preiserhöhungen bewegten sich zwischen 10 und 20 Prozent und wurden vor allem mit Verteuerungen beim Rohmaterial begründet.« Liesabeth verweist darauf, »dass die Marktentwicklung in anderen Regionen der Welt einfach deutlich dynamischer abläuft, in Europa sind wir hier in beide Richtungen eher etwas konservativ aufgestellt«. Er erwartet spätestens für 2027 ein deutliches Anziehen von Preisen und Lieferzeiten.
Wie dynamisch sich die Lage in China gewandelt hat, macht Marcus Lippert, Business-Development-Manager bei StarPower Europe, deutlich: »Bis zum 1. Quartal war das ein absoluter Preiskampf, wie mir die Kollegen dort berichten. Seit dem 2. Quartal sieht der chinesische Markt dagegen massive Preissteigerungen.« In seinen Augen ein klares Zeichen für einen startenden Zyklus. »Und in China geht es wesentlich krasser zu, wer dort die höheren Preise nicht bezahlen will, kriegt einfach keine Ware mehr.«
Mehr über die aktuellen Entwicklungen und Trends am Leistungselektronikmarkt erfahren Sie in unserem Power Guide, der am 9. September erscheint.