Mit der Übernahme von IPOINT will Assent sein Angebot von der Lieferketten-Compliance zum ganzheitlichen Produktdatenmanagement erweitern. Bisher müssen die Daten aus verschiedenen IT-Systemen geholt werden, was fehleranfällig ist.
Im Fokus stehen KI-gestützte Analysen, Lebenszyklusdaten und Materialinformationen, die die Grundlage für den Digitalen Produktpass bilden und neue EU-Regulierungen entsprechen.
Mit dem Zusammenschluss verfolgt der kanadische Softwareanbieter Assent das Ziel, Herstellern eine durchgängige Plattform für Produkt-Compliance, Nachhaltigkeit und Produktdatenmanagement bereitzustellen. Damit reagiert das Unternehmen auf die steigenden regulatorischen Anforderungen in Europa und Nordamerika.
Für Industrieunternehmen – insbesondere in der Elektronik- und Automobilbranche – wächst der Aufwand, Informationen über Materialien, Inhaltsstoffe, CO₂-Fußabdruck und Lieferketten konsistent zu erfassen und nachzuweisen. Mit der EU-Ökodesign-Verordnung (ESPR), dem Digitalen Produktpass und dem Batteriepass rückt die Verfügbarkeit belastbarer Produktdaten zunehmend in den Mittelpunkt.
Hier setzt die Kombination beider Unternehmen an. Assent bringt seine Software für Lieferketten-Compliance, regulatorische Anforderungen und ein internationales Lieferantennetzwerk ein. Der Reutlinger Software-Anbieter IPOINT ergänzt dies um Technologien für Material-Compliance, Lebenszyklusanalysen (LCA), Product Carbon Footprint (PCF) sowie Produktdatenmanagement. Die zusammengeführten Daten sollen mithilfe von KI ausgewertet werden, um Compliance- und Nachhaltigkeitsinformationen schneller und konsistenter bereitzustellen.
Nach Angaben von Assent entsteht damit eine einheitliche Produktdatenbasis, die Unternehmen künftig nicht nur für regulatorische Nachweise, sondern auch für den Digitalen Produktpass nutzen können. Bislang müssten die erforderlichen Informationen häufig aus verschiedenen IT-Systemen zusammengeführt werden – ein aufwendiger und fehleranfälliger Prozess.
»Unsere Kunden müssen ihre Produkte von den Inhaltsstoffen bis zu ihren Auswirkungen über den gesamten Lebenszyklus verstehen«, sagt Michael Southworth, CEO von Assent. Die Kombination der Daten- und KI-Kompetenzen beider Unternehmen ermögliche erstmals einen durchgängigen Blick auf Produkt- und Lieferkettendaten innerhalb einer Plattform.
Auch IPOINT sieht in der Übernahme vor allem einen strategischen Schritt. Das Unternehmen zählt seit Jahren zahlreiche Automobilhersteller und Zulieferer zu seinen Kunden und verfügt über umfangreiche Erfahrung mit Materialdeklarationen, IMDS-Prozessen sowie der Berechnung des Product Carbon Footprint. »Unsere Kunden erhalten künftig Zugang zu einer globalen Plattform für Lieferketten-Compliance und profitieren gleichzeitig von erweiterten Daten- und KI-Funktionen«, erklärt Peter Schmidt, CEO von IPOINT.
Für bestehende Kunden soll sich zunächst nichts ändern. Beide Unternehmen kündigen einen unterbrechungsfreien Betrieb ihrer Systeme an. Langfristig sollen die jeweiligen Plattformfunktionen zusammengeführt werden: Assent-Kunden erhalten Zugang zu den LCA- und Material-Compliance-Systemen von IPOINT, während IPOINT-Anwender das globale Lieferantennetzwerk und die Compliance-Systeme von Assent nutzen können.
Mit der Akquisition will Assent zugleich seine Marktposition in Europa stärken. Die langjährige Präsenz von IPOINT in der Automobilindustrie dürfte den Ausbau des Geschäfts im europäischen OEM- und Zuliefermarkt beschleunigen. Gleichzeitig erhält Assent Zugang zu zusätzlichem Know-how rund um Produktdaten und Nachhaltigkeitsbewertungen – Kompetenzen, die angesichts der wachsenden regulatorischen Anforderungen auch für Elektronikhersteller zunehmend an Bedeutung gewinnen.