Portugal und Deutschland intensivieren ihre Zusammenarbeit in der Mikroelektronik. Portugiesische Mikroelektronik-Agenda fördert Innovation, Nachhaltigkeit und technologische Kooperationen in Europa
Portugal etabliert sich zunehmend als wichtiger Standort für Mikroelektronik in Europa. Mit einem Investitionsvolumen von rund 68 Millionen Euro und der Beteiligung von 17 Industrieunternehmen, Forschungseinrichtungen und Hochschulen setzt die Mikroelektronik-Agenda neue Impulse für Innovation, Nachhaltigkeit und internationale Zusammenarbeit. Das im Rahmen des portugiesischen Aufbau- und Resilienzplans (PRR) geförderte Programm hat bereits 88 Prozent seiner geplanten Maßnahmen umgesetzt.
Eine besondere Bedeutung kommt dabei der Zusammenarbeit mit Deutschland zu. Das portugiesische Forschungszentrum Fraunhofer Portugal AICOS, Teil der Fraunhofer-Gesellschaft, hat mehrere auf künstlicher Intelligenz basierende Lösungen für visuelle Inspektion und industrielle Instandhaltung entwickelt. Diese Technologien werden mittlerweile durch die deutsche Sensry GmbH lizenziert und international vermarktet.
Auch die im Rahmen der Agenda entstandenen Systeme AI-VIF und OPT-IQA leisten einen wichtigen Beitrag zur Digitalisierung der industriellen Fertigung. Sie ermöglichen eine effizientere Qualitätskontrolle, verbessern die Skalierbarkeit von Produktionsprozessen und unterstützen die Umsetzung von Industrie-4.0-Strategien in der Elektronikbranche.
Zu den weiteren bedeutenden Ergebnissen der Agenda zählen:
Nachhaltige Verfahren zur Rückgewinnung von Edelmetallen aus elektronischen Komponenten (PCI / Universität Coimbra)
Entwicklung photonischer integrierter Schaltungen für Anwendungen in zukünftigen 5G- und 6G-Kommunikationsnetzen (HFA / PICadvanced)
Intelligente Automatisierungslösungen für moderne Halbleiterfertigungen (ISR / ATEP)
Die portugiesischen Partner präsentierten diese Innovationen erfolgreich auf führenden deutschen Fachmessen, darunter die SMTconnect in Nürnberg sowie die E-Waste World in Frankfurt. Ziel ist es, die europäische Wertschöpfungskette im Bereich Mikroelektronik weiter auszubauen und die Zusammenarbeit zwischen portugiesischen und deutschen Unternehmen insbesondere in den Bereichen Packaging, Photonik und Kreislaufwirtschaft zu vertiefen.
„Die Kooperation zwischen Portugal und Deutschland verbindet wissenschaftliche Exzellenz mit industrieller Praxis“, betont Pedro Madureira vom Fraunhofer Portugal AICOS. „Durch diese Partnerschaften entstehen innovative Technologien, die international eingesetzt werden können und gleichzeitig die technologische Unabhängigkeit Europas stärken.“
Zusätzliche Informationen über das portugiesische Mikroelektronik-Ökosystem stellt das Mikroelektronik-Observatorium bereit. Über die Plattform erhalten Unternehmen, Investoren und Forschungseinrichtungen Zugang zu Marktinformationen, Kompetenzprofilen und Möglichkeiten für internationale Kooperationen.
Erstellt im Rahmen der ”Mobilisierungsagenden“ des portugiesischen Aufbau- und Resilienzplans, verfügt die Mikroelektronik-Agenda über eine gesamtförderfähige Finanzierung in Höhe von 67.572.099,37 €, die aus dem Aufbau- und Resilienzplan (finanziert durch NextGenerationEU) stammt.
Das Projekt läuft bis zum 30. Juni 2026.