China boomt – wer profitiert?

9. November 2009, 10:50 Uhr | AK, CP, EG, HA, ZÜ, Markt&Technik

Zahlreiche Förderprogramme lassen den chinesischen Elektronikmarkt »brummen«: Das Wirtschaftswachstum 2009 wird laut IWF in diesem Jahr 8,5 Prozent erreichen, 2010 rund 9 Prozent. Davon profitieren auch deutsche und europäische Unternehmen.

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Für Fernseher und Weiße Ware gibt es Geld vom Staat, darüber hinaus fließen Fördergelder in den großflächigen Ausbau der Infrastruktur Chinas. Und obwohl in erster Linie einheimische Hersteller und Lieferanten zum Zug kommen, profitieren in einigen Bereichen auch ausländische Firmen. Das gilt beispielsweise für B&R Industrie Elektronik. Für das Jahr 2009 erwartet B&R China ein kräftiges Umsatzplus im zweistelligen Prozentbereich. B&R China automatisiert neben zahlreichen Anwendungen im Maschinenbau auch Infrastruktur-Anlagen. So zählen mittlerweile namhafte chinesische Firmen wie Shanghai Electric, CReal und CEPRI zum Kundenkreis. »Vor allem in Energieversorgung sowie Umwelt- und Eisenbahntechnik bekommen wir zahlreiche Neuaufträge. Zudem investieren Kommunen derzeit massiv in Abwasseranlagen«, sagt Markus Brunner, Sales Manager Asia von B&R.

Weil das technologische Knowhow nicht im Land vorhanden ist, sind europäische Fertigungsmaschinen in China sehr willkommen, wie Günter Lauber, CEO des Bestückungsmaschinen-Herstellers Siemens Electronics Assembly Systems bestätigt: »Der chinesische Fertigungsmarkt bescherte uns in den letzten Monaten einen guten Auftragseingang«, während in Europa und USA eher Flaute herrsche.

Europäische EMS-Dienstleister profitieren hingegen nur dann vom starken chinesischen Markt, wenn sie auch vor Ort produzieren, wie Zollner Elektronik: »Seit einiger Zeit verzeichnen wir in China erhöhte Anfragen in den Bereichen Bahn-, Energie- und Medizintechnik. Diese Branchen fördert das chinesische Konjunkturpaket besonders«, erklärt Johann Weber, Vorstandsvorsitzender, Zollner Elektronik. »Insbesondere Kunden, die den lokalen chinesischen Bedarf bedienen, beispielsweise in der Automobilindustrie, sehen einen stabilen bis leicht wachsenden Absatz.«

Bauelemente gefragt

Thomas Grasshoff, Head of Product Management bei Semikron, setzt auf den Windkraftboom in China. Er hat bislang rund 20 chinesische Unternehmen identifiziert, die in diesen Markt streben. »Angesichts der riesigen Wachstumsraten haben wir uns entschlossen, in Zhuhai bei Hongkong unser weltweit insgesamt achtes Solutions-Center aufzubauen«, sagt Grasshoff. Ein Schwerpunkt des Centers besteht darin, Kunden aus der Windkraftbranche zu beraten. Angesichts der politischen Local-Content-Vorgaben sieht er gute Chancen, mit Stack-Lösungen vom Windkraftboom in China zu profitieren. Zudem böten Stacklösungen den Semikron-Kunden eine deutlich verkürzte Time-to-Market.

Auch Epcos profitiert vom Boom in China. Während der Umsatz von Epcos im vierten Quartal 2009 rund 15 Prozent unter dem Wert des Vorjahresquartals lag, hat der Umsatz mit Produkten für die Konsum-Elektronik das Niveau des Vorjahres um 6 Prozent übertroffen. Dazu hat vor allem das chinesischen Gemeinschaftsunternehmens Epcos Feida beigetragen, das Anfang 2009 den Betrieb aufnahm. Epcos Feida hat auch mit dafür gesorgt, dass der regionale Umsatz in Asien gegenüber dem Vorjahr um 8 Prozent zugenommen hat. In Europa und der NAFTA-Region waren die Umsatzanteile dagegen im Geschäftsjahr 2009 im zweistelligen Prozentbereich rückläufig.

Etwas nüchterner sieht Bernhard Erdl, Geschäftsführer Puls, die derzeitige Situation. Das China-Geschäft laufe ganz gut, allerdings auf niedrigem Niveau. Die deutschen Maschinenbau-Kunden, die ihre Fertigung nach China verlegt haben und von dort für den Weltmarkt produzieren, profitieren laut Erdl nicht vom Boom in China bzw. Asien: »Das Ziel der chinesischen Regierung besteht darin, ihre eigene Industrie bzw. ihre eigenen Unternehmen zu unterstützen«, so Erdl. Zu den Projekten, an denen Puls als Hersteller in China partizipiert, gehören etwa U-Bahn-Projekte. Im übrigen Asien laufe es für Puls derzeit sehr gut.

Leiterplatten im Aufwind

Nicht zuletzt wegen Asien scheint der freie Fall am europäischen Leiterplattenmarkt gestoppt: Die Stimmung bei den PCB-Herstellern hat sich deutlich gebessert. »In Asien hat sich der Leiterplattenmarkt zwischenzeitlich stabilisiert«, sagt Hans Joachim Friedrichkeit, Geschäftsführer von PCB-Network. Mittlerweile liege die Auslastung dort zwischen 80 und 95 Prozent. Werke, die für den LCD-Markt sowie für das Notebook- oder Netbook-Geschäft produzieren, sind sogar zu 100 Prozent ausgelastet. Das ist kein Wunder.


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