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Embedded Computing 2021

Kompakt, KI-fähig, kundenspezifisch


Fortsetzung des Artikels von Teil 1

Diesen Trends folgen Congatec und Advantech

Congatec – »Fog-Computer werden den Markt dominieren«

Herr Eder, Sie waren direkt an der Entwicklung des neuen Computermodul-Standards COM-HPC beteiligt. Wie geht es 2021 damit weiter?

Die Spezifikation ist fertig. Aktuell drehen wir die letzten Genehmigungsrunden innerhalb der PICMG. Demnächst folgt die offizielle Ratifizierung der COM-HPC-Spezifikation. Außerdem sind eine erste Grundversion des Carrierboard-Design-Guides (CDG) sowie der Platform-Management-Interface-Spezifikation fast fertig. Hierfür startet demnächst das Abstimmungsverfahren innerhalb der PICMG.

Relevante Anbieter

Christian Eder ist Director Marketing bei Congatec und Chairman des PICMG-Subkomitees für COM-HPC.
Christian Eder ist Director Marketing bei Congatec und Chairman des PICMG-Subkomitees für COM-HPC.
© Congatec

Im ersten Schritt des CDG wird lediglich auf die unterschiedlichen Implementierungsmöglichkeiten der 25G-Ethernet-Schnittstellen eingegangen. Hauptaufgabe der PICMG-Arbeitsgruppe im Jahr 2021 wird die Komplettierung des CDG sein. Erste Module auf Basis der elften Intel-Core-Prozessorgeneration sowie Carrierboards und Development Kits gibt es bereits, unter anderem von Congatec. So finden OEMs zum offiziellen Start der Spezifikation ein umfassendes Ökosystem vor und können direkt durchstarten.

Zudem erwarten wir 2021 die ersten COM-HPC-Server-Module mit High-Performance-Prozessoren. Hier darf ich allerdings noch keine Namen nennen, lediglich so viel: Es wird sie mit deutlich mehr als »nur« acht Kernen geben. Das sind wichtige Produkte für die Entwicklungen im Edge- und Fog-Server- sowie Edge-Datacenter-Bereich.

Welchen Herausforderungen sieht sich Congatec im neuen Jahr gegenüber?

Die Covid-19-bedingte Situation bei Lieferanten und Fertigern und die starken Verschiebungen beim Bedarf in beide Richtungen waren eine Herausforderung und werden uns auch 2021 weiter begleiten. Mithilfe belastbarer Second-Source-Strategien sowie dem engen Kontakt und der partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten werden wir trotz allem unsere Lieferleistung weiterhin auf einem sehr guten Niveau halten und sogar ausbauen.

Hier ist sicherlich die Tatsache hilfreich, dass wir mit der DBAG einen neuen Investor haben. Die Congatec ist jedoch immer noch das gleiche Unternehmen mit den gleichen Mitarbeitern, dem gleichen Fokus und den gleichen Produkten. Jedoch haben wir nun einen Investor, der viele Ressourcen hat, um zu investieren und das Wachstum und die Expansion unseres Geschäfts weltweit zu beschleunigen.

Welche Trends, denken Sie, sind im neuen Jahr entscheidend im Bereich Embedded-Computing?

Neu und dominierend 2021 wird der Markt der robusten Fog-Computer sein. Sie befinden sich in der Netzwerkcomputing- und Kommunikationspyramide oberhalb des Edge-Levels. Sie bedienen das Edge mit hochzuverlässiger Echtzeit-Cloudserver-Leistung, die sowohl in On-Premise- als auch in kritischen Netzwerkinfrastrukturen bereitgestellt wird. Typische Anwendungen reichen von Industrie 4.0- und IIoT-Computing mit prädiktiver KI bis hin zur Videoanalyse mit einem Netz von Fog-Knoten zur intelligenten Videoverarbeitung. Für alle diese Anwendungen ist ein deutliches Mehr an Leistung erforderlich, mit COM-HPC als technische Basis.

Neben dem High-End-Embedded-Computing-Trend sind jedoch kleine Edge-Geräte mit niedriger Leistung genauso wichtig. Für solche Anwendungen können kreditkartengroße Computer-on-Modules oder Pico-ITX-SBCs eine neue Leistungsklasse bereitstellen – beispielsweise über die aktuelle Intel-Atom-Prozessorserie sowie die aktuellen i.MX 8-Anwendungsprozessoren.

Advantech – »Alles wird leistungsfähiger«

Wird sich die Embedded-Branche rasch von den Auswirkungen der Corona-Krise erholen?

Nach einem sehr guten Start im Jahr 2020 hat Advantech in Europa die Verunsicherung der Kunden zu spüren bekommen. Jedoch sind wir in vielen Branchen sehr gut aufgestellt, zum Beispiel in der Medizintechnik, die sogar ein Wachstum verzeichnen konnte. Mit der Corona-Krise entstehen außerdem neue Märkte und Anwendungen, die wir mit unseren neuen Produkten beliefern. Beispiele sind Self-Service-Terminals zur Kontaktreduzierung, Dispensing-Terminals sowie künstliche Intelligenz (KI)-Systeme, die Besucherströme messen und steuern.

Dirk Finstel ist Associate Vice President of Embedded-IoT in Europa
Dirk Finstel ist Associate Vice President of Embedded-IoT in Europa.
© Advantech

Wir werden 2021 viele weitere Produkte und Komplettlösungen launchen und unsere lokalen Design and Manufacturing Services (DMS) weiter ausbauen. Außerdem werden wir uns stärker auf bestimmte vertikale Märkte ausrichten, um den spezifischen Kundenwünschen dort noch genauer gerecht zu werden. Wir gehen daher optimistisch in das neue Jahr und erwarten eine Entspannung der Lage – vor allem mit der Verfügbarkeit der Impfstoffe.

Welchen Erwartungen seitens der Kunden sehen Sie sich im kommenden Jahr gegenüber?

Eine der Kernanwendungen im nächsten Jahr werden Cloud-basierte KI-Systeme sein. Sie arbeiten mit großen Datenströmen und benötigen sehr hohe Rechenleistungen. Möglich machen werden das sowohl neue Prozessorplattformen als auch neue Formfaktoren wie COM-HPC. Alles wird leistungsfähiger: angefangen bei den CPUs, über den Datentransfer bis hin zu den Sensoren. So hat Advantech Rechenleistung und Sensorik kombiniert und eine KI-Plattform kreiert. Unser »DeviceOn« Software-Tool ermöglicht unterschiedliche Funktionen des Remote Computings und bietet die direkte Anbindung zu den MS Azure Cloud-Services. So können wir dem Kunden die gesamte Wertschöpfungs- und Servicekette bieten, für Anwendungen in den Bereichen Smart City & Buildings, Smart Logistics oder Industrie 4.0.

Im Bereich Embedded-Dienstleistungen sind Sie breit aufgestellt. Ist das der Schlüssel zum Erfolg?

Definitiv – kundenspezifische Lösungen von Advantech werden in enger Abstimmung entsprechend den An­­forderungen des Kunden individuell designt – und zwar direkt vor Ort. Hierbei erfolgt die Kommunikation in der jeweiligen Landessprache und gleichen Zeitzone.

Wichtig bei einem optimierten Systemdesign ist nicht allein die Grundtechnologie, sondern ebenso ein intensiver Austausch mit dem Kunden. Hierbei greifen unsere lokalen Projektteams auf ein breites Portfolio an Standardplattformen zurück. Mit dem regionalen DMS- und Entwicklungs-Kompetenzzentrum in Germering bei München schaffen wir den Spagat, lokale Kundennähe mit dem Standortvorteil des Hauptsitzes in Taiwan zu verbinden. Nirgendwo werden so viele Computer und andere führende Technologien entwickelt, wie in Taiwan. Hiermit verbunden ist ein reiches Ökosystem an Zulieferern, Partnern und ein riesiger Pool an Personal.


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